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Fünf Fragen zum Thema: Wie wird das Schlafzimmer zum Rückzugsort der Seele?

„So richtig nett ist’s nur im Bett“ – der aus den 1970er Jahren stammende „Ohrwurm“ vom unvergesslichen österreichischen Entertainer Peter Alexander beschreibt eine in unserer gegenwärtigen Gesellschaft stark verankerte Sehnsucht, die in unserer lauten Welt nicht leiser wird. Der alte Schlager formuliert die aktuelle Suche nach der eigenen heilen Welt, nach temporärer Absenz aus dem öffentlichen Leben. Wie aber gelingt der Rückzug aus dem Alltag in das Innerste unserer Privatheit? Wie gestalten wir das Schlafzimmer als Hort der Entspannung, als Wohlfühlort unserer Seele?

Unsere zunehmend laute und sich immer schneller drehende Welt  erscheint auf den ersten Blick wie ein Biotop für Extrovertierte. Doch selbst für jene, die in der gegenwärtigen Hochgeschwindigkeitsgesellschaft gerne mithalten, wird der temporäre Rückzug zu einer Prämisse im Sinne individueller Selbstverantwortung. Der Anspannung muss naturgemäß eine Zeit der Entspannung folgen. Wer permanent leistet, muss auch loslassen können. Rasten statt rasen.

Ein Kokon feinster Gefühle

Wenn also draußen die Welt entfesselt ist, dann lockt hinter der Schwelle unserer privaten Räume die Ruhe, nach der wir uns sehnen. Von der Welt in die eigenen Wohnräume flüchten bedeutet auch die bewusste Abkehr vom Alltagslärm und Hinwendung an das eigene „Ich“ oder das „Wir“ als Paar oder als Familie. Und wer von den öffentlichen Räumen seiner Privatheit weiter vordringt, gelangt unweigerlich in die Kapelle der inneren Einkehr – in das Schlafzimmer und schließlich in das Bett als persönlichsten Ort. Ein Kokon feinster Gefühle, voller Ruhe oder höchster Empfindungen – ebendort ist man bei sich selbst angekommen. Geschützt vor der Welt, sinnbildlich als allerkleinste Matrjoschka, als letztes Glied dieser aus Holz gefertigten und bunt bemalten, ineinander schachtelbaren, eiförmigen russischePuppen.

Der Gestaltung dieses persönlichsten Platzes – seinem Schlafzimmer und seinem Bett – sollten wir tatsächlich höchste Aufmerksamkeit schenken und dem Wissen von Experten vertrauen.

1) Glücklich entspannt?

Rund die Hälfte aller Menschen ist glücklich im Bett, sagt eine aktuelle Studie. Viele andere sind geplagt von Schlafstörungen. Diese Tendenz ist steigend. 42% klagen in Mitteleuropa über gestörten Schlaf, bei 15% sind die Probleme behandlungsbedürftig. Tatsächlich trägt die Gestaltung des Schlafraums und die Beschaffenheit des Betts viel zur gesunden Erholung bei – die Schlafraum-Architektur als hohe Kunst. Suchen Sie aktiv die Beratung von Experten, denn das Zusammenspiel vieler Komponenten ist komplex: Einfühlsame Innenarchitektur, das richtige Bett, die passende Matratze, das stimmige Farbkonzept, die geeignete Beleuchtung mit dem sensibel gewählten Leselicht, das Ausschalten von Störfeldern, die Anbindung an Bad und Schrankraum – was am Ende reduziert wirkt und Ruhe vermittelt, wurde vorher vielschichtig analysiert und kompetent kombiniert.

2) Haben Sie Ihre persönliche Schlafkultur?

Anders als wir glauben ist der Schlaf für unser Gehirn kein Ruhezustand, sondern ein hochaktiver Prozess. Zeitweilig sind wir sogar wacher als im Wachzustand. Deshalb verdient der Ort der Entspannung ganze Aufmerksamkeit. Es lohnt sich eine eigene, höchstpersönliche Schlafzimmerkultur zu entfalten, ganz unter dem Motto: Ich leiste mir was! Das Schlafzimmer ist ein Ort der Hingabe, des sich Verwöhnens. Ein Ort der Klarheit, der Raum lässt für Bewegung von Seele und Geist. Atmosphärisch kann ein Schlafzimmer durchaus sinnliche Impulse wecken, sollte aber gleichzeitig Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlen. Farblich greifen Sie also lieber zu hellen Farben als in die dunkle oder grelle Palette. Schaffen Sie Platz für alles, was der Seele gut tut – reinigen und schlafen ergänzen sich. So wächst das Bad, das mehr und mehr zum Wellnessraum wird, mit dem Schlafzimmer zusammen.

Und was die Einrichtung betrifft: Verbannen Sie alles, was Sie an die Außenwelt erinnert, gestalten Sie den Raum, wenn irgendwie möglich, frei von Alltagskultur und Schränken. Anders als zu Großmutters Zeiten betrachten wir das Schlafzimmer heute nicht mehr als zusätzlichen Abstellraum, in den alles rein darf, was sonst keinen Platz hat, weil es dort niemand sieht. So bleibt das Schlafzimmer wirklich nur dem Bett, guten Gedanken und Ihren Träumen vorbehalten. Entrümpeln sorgt für Entspannung. Ergänzen Sie die Klarheit lediglich durch zwei, drei sehr persönliche Dinge – das verleiht intime Atmosphäre!

3) Geben Sie Umweltfaktoren und Standortqualitäten Raum?

Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Schlafraum und möglichen Optimierungen. Sorgen Sie für Ruhe, wenn notwendig für akustische Dämmung. Sorgen Sie für gute Luftfeuchtigkeit durch den Einsatz natürlicher Produkte. Wecken Sie mit einem Fenster ins Grüne oder einer behutsam ausgewählten Pflanze Urlaubsgefühle. Beachten Sie baubiologische Aspekte und setzen Sie auf Natur: Holz mit offenporigen  Anstrichen, Baumwolle – Materialien, die Temperatur und Feuchtigkeit ausgleichen.

Und schirmen Sie sich im wahrsten Sinne des Wortes von der Außenwelt ab. Vermeiden Sie elektromagnetische Strahlungen, verwenden Sie geschirmte Kabel und verbannen Sie Computer, Fernseher und Elektrogeräte, die über ihre technische Ausstrahlung hinaus zusätzliche Störfelder produzieren.

4) Legen Sie Wert auf Material und Textilien?

Verwöhnen Sie sich mit gefühltem Komfort, schaffen Sie sich eine sanfte Umgebung. Gönnen Sie sich Luxus in Form einer besonders ausgewählten Bettwäsche, besonderer Materialien und Textilien. Sparen Sie bei Bettdecken nicht an hochwertigen Füllungen und Daunen und gönnen Sie sich einen hochwertigen Topper, der den Liegekomfort, das Gefühl des Schwebens und den Kuschelfaktor erzeugt – das streichelt in hohem Maße die Seele!

5) Steht Ihr Bett für höchsten Liegekomfort?

Legen Sie das Augenmerk auf den Star im Schlafzimmer – denn selbstverständlich bleibt das Bett das zentrale Möbelstück im Schlafzimmer. Und natürlich verändern sich mit der Zeit auch die Schlafmoden. Was gibt es Schöneres als einen neuen Tag, wenn man die Nacht im richtigen Bett verbracht hat?

Lockt Sie die neue Haute Couture des Schlafens? Kunstvoll kombinierte Liegesysteme bestehend aus Obermatratze, Untermatratze und optionalem Topper – 23 cm hohe Matratzen mit innerer Abheftung und Tonnentaschenfederkern in höchster Handwerkskunst verarbeitet und durch die Verwendung der besten Naturmaterialien wie Baumwolle, Schurwolle, Leinen, Seide und Kaschmir veredelt.

Haben Sie darauf geachtet, ob der Liegekomfort zu Ihrem Schlaftyp passt? Ob das Bett im Schlafzimmer richtig platziert ist? Und ob Sie für das Schlafzimmer wirklich auch den richtigen Platz im Haus oder in Ihrer Wohnung ausgewählt haben? Rund ein Drittel aller Schlafstörungen wären vermeidbar – wenn das individuell passende Bett oder die beste Matratze ausgesucht worden wäre.

Lassen Sie sich also nie nur durch das Äußere verleiten. Design ist wichtig, aber das qualitativ hochwertige Innenleben sorgt erst für die wichtige Entspannung und notwendige Erholung – und damit für Ihre Gesundheit!

7 Anregungen zum Glücklich sein oder: Wie hole ich mir den Sommer zurück?

„Der Süden, der kann wirklich viel…“ sang einst der Lied-Poet André Heller. Wie wahr, denken wir – uns wehmütig an den endenden Sommer erinnernd. Doch die lichte Atmosphäre lässt sich auch in den dunkler werdenden Herbsttagen konservieren – gewusst wie und schon fühlen wir uns zurückversetzt in die schönen Stunden im Süden.

 Jeder kennt diesen Augenblick. Am liebsten würde man in diesem Standbild ewig glücklich verharren. Es ist der Augenblick des Sommers. Vielleicht auf einer Terrasse, ein Glas Wein vor sich, lachen mit guten Freunden, ein Blick, der in die Ferne schweift – Sonnenstrahlen, Wärme, Leben. Es ist die Leichtigkeit des Sommers, so kostbar wie flüchtig. Ein Moment zum Festhalten, ein Zwiegespräch der Schönheit – ein Gefühl zum Konservieren.

Raumstimmung schafft Atmosphäre

Tatsächlich lässt sich dieses Gefühl von Sommer, Sonne, Meer – abseits der Jahreszeiten –  in die eigenen vier Wänden zaubern. Wer sich intensiv mit Architektur und Raumgestaltung auseinandersetzt, der kommt an der Beschäftigung mit Atmosphären nicht vorbei. Wie entsteht eine Stimmung, eine Gestimmtheit eines gebauten, inszenierten Raums, die sich direkt dem Bewohner mitteilt?

Atmosphäre wird in dieser Betrachtung zu einer Kategorie der Ästhetik. Bis zum 19. Jahrhundert verstand man unter diesem Begriff vor allem die Lehre von der wahrnehmbaren Schönheit, von Gesetzmäßigkeiten und Harmonie. Wie also lässt sich die Schönheit und Harmonie des kostbaren Sommer-Augenblicks in das fortschreitende Jahr retten?

Inszenierte „Urlaubserinnerungen“

 Natürlich hat Leben in den Bergen mit seinen schroffen Unterschieden der Jahreszeiten seine Vorzüge und Besonderheiten – und dennoch  ist aufgrund des kontrastreichen alpinen Klimas gerade der mediterrane Sommer die Besonderheit, unsere ewige stille Sehnsucht. Dieses mediterrane Urlaubsgefühl wollen wir gerade jetzt sichern und in den Herbst „hinüberretten“. Und in Form von kleinen „Urlaubserinnerungen“ immer wieder abrufen.

 

 Wie bleibt der Sommer zuhause? 7 Anregungen!

  1. Die Macht der Wärme:
    Sommer, das bedeutet Sonne oder die Wärme Kretas spüren und die Sonnenstrahlen auf unserer Haut genießen. Neben einer fantastischen Raumheizung vertreiben warme Materialien die kalte Jahreszeit und verführen uns weiter barfuß wohnen zu wollen. Was sonst noch die Sonne im Herzen belässt? Die kleine, feine Sauna/Dampfbad – nicht im Keller, sondern in unmittelbarer Nähe zu Bad und Schlafzimmer. Das kleine, feine sonnige Plätzchen am Balkon, Garten oder Terrasse, der Platz am Kaminfeuer, das Kerzenlicht und die Windlichter.
  2. Der Blick ins Weite:
    Schaffen wir uns einen Frühstücksplatz mit Blick ins Freie, mit Blick in die Weite; falls nicht möglich, großflächige Bilder in tiefem Blau mit weitläufigen Landschaften, vorzugsweise mit den Farben des Meeres. Dazu gehört auch der Blick auf Pflanzen,  auf das Grün, das Sie entweder im Garten haben, am Balkon oder liebevoll im Innenraum pflegen. Der weite Blick und die Natur lassen uns gut in den Tag starten.
  3. Das herrlichste Bett:
    Ein gemütliches, weiches, im wahrsten Sinne des Wortes Himmelbett vermittelt den Komfort des gesunden Schlafes, vor allem aber das Gefühl völliger Entspanntheit. Feinste Materialien von Bett und Tuch schaffen die wohlige Behaglichkeit eines Sommerurlaubes – im entrümpelten und sinnlich inszenierten Schlafzimmer.
  4. Das schönste Badezimmer:
    Der Komfort eines luxuriösen Badezimmers mit Tropendusche, Licht und Fenster sowie die besondere Qualität der Badehandtücher lassen Urlaubsgefühle wiederaufleben.
  5. Die Kunst der Kulinarik:
    Der schön gedeckte Tisch und das rituelle gemeinsame Essen – rund um einen großzügigen Tisch entsteht ein Kraftplatz. Nehmen wir uns Zeit für die Dekoration von Besteck, Geschirr, Gläsern, Windlichtern, Blumen und Tischwäsche. Jahreszeitenkonform lässt sich der Tisch als Altar gemeinsamer Zeit inszenieren. Geben Sie dem schnellen Essplatz in der Küche eine Auszeit. Das Werktags-Essen wird so zur Festtagszeit.
  6. Der Lieblingsplatz draußen:
    Das lauschige Plätzchen für Sommer- und Wintersonne lockt auf die Terrasse oder den Balkon oder lässt sich vor einem großen Fenster gestalten. Eine Insel abseits jeder Hektik. Mit Beimöbeln und Bequemlichkeiten, die die Zeit anhalten oder endlos erscheinen lassen.
  7. Der Lieblingsplatz drinnen:
    Hier gilt das Gleiche, ein gemütliches Plätzchen für sich alleine oder zu zweit wirkt Wunder, ein wichtiger Rückzugsort von Alltag, Routine und Fernsteuerung. Ein Platz zum Lesen oder um dem ein oder anderen Laster zu frönen, zur richtigen Übung der  Langeweile, für die wertvolle Zeit für sich selbst. Plätze, um bei sich selbst zu sein, die einem das Gefühl geben, der ewigen Rastlosigkeit entrinnen zu können.

 

Überhaupt soll der eigene Wohnraum einen selbst widerspiegeln, um sich darin wieder zu finden. Der individuelle Wohnraum schafft jene Vertrautheit und Ruhe, die Entspannung zulässt –  wie wir es von den Urlaubstagen des Sommers kennen.

 

Möbelmesse Paris- Selbstbewusste Eleganz und die Sehnsucht nach der heilen Welt

Für viele Möbelliebhaber ist es ein zentraler Trendradar im Jahr – die Maison & Objet in Paris zeigte Gegensätze: Struktur und selbstverliebte Dekoration. Nützliches und „Undinge“ selbstbewusst gepaart.  Luxuriös und funktional, radikal dem eigenen Ich zugewandt, die Außenwelt abgrenzend – so entstehen höchst persönliche Illusionen einer heilen Welt. Alles dreht sich um den Bewohner, seine Bequemlichkeit und seine Vorstellung von der Welt, die sich in Farben, Formen, Oberflächen spiegelt.

Letzter Tag, schon nach 18 Uhr, Messeende. Regen und eine bis auf den letzten Zentimeter gefüllte Bahn Richtung „Île de France“. Es raucht der Kopf  von den vielen Eindrücken der mehr als 100.000 Quadratmeter großen Messe. Mein Blick wird monoton und fällt auf eine mir gegenübersitzende ältere Frau. Ihr Blick,  ihre ganze Aufmerksamkeit sind gefangen in einem Smartphone, das sie dicht vor ihrem Gesicht hält und von dessen Hülle „Katzenohren“ aufstehen. Die  physiologischen Züge, das runde Gesicht der Frau, zeugen ganz eindeutig von asiatischer Herkunft und würde sie statt ihrer Handyhülle diese spitzen Plastikohren tragen – zumindest eine Nebenrolle im Musical „Cats“ wäre ohne weitere Maske möglich. Ihr Handy ist zum Spiegelbild, zum Teil der eigenen Identität geworden. Mit den lieb gewonnenen eigenen Zügen wird das nächste, wichtige Ding der eigenen Umgebung „verdekoriert“. 

Gesucht wird das eigene „Ich“ – und damit Vertrauen

Es ist dasselbe Motiv wie die Suche nach der perfekt passenden und eingerichteten Wohnung. Die Sache vom Suchen und Finden von sich selbst und jenen Dingen, die einem selbst ähnlich sind. Das schafft Vertrauen, lässt entspannen und wird durch diese „Entsprechung“ als schön empfunden.

Die Messe dieses Jahres ist Geschichte. Aus und vorbei. Vorbei – das wurde deutlich – ist auch die Zeit der weißen Wände, von kühlem, billigem Design, das Ende von stylischem Tant. Jetzt ist Tapete wieder in. Farben, Muster aus der Pflanzenwelt und scharf geschnittene Ornamente. Ein graphischer Blätter- und Blütenwald. Ganze tropische Wälder finden sich zusammen mit farbigen Papageien oder wilden Affen an die Wand geklebt.

Natur, exotisch oder als finnischer Birkenwald, wird idealisiert und soweit in unsere Räume hereingeholt, als sie uns hilft, unsere Vorstellung einer heilen Welt zu zeigen. Wilde Pferde auf einer endlos weiten, unberührten Landschaft, eine prächtige Baumgruppe, allesamt in schneeweißem Nebelschleier – die Szenerie wird idealisiert, beruhigt und lädt ein, den Blick zu weiten.

Alles wirklich Fremde muss draußen bleiben

Echte, unberechenbare Natur aber – oder eine noch so nachhaltige Unbequemlichkeit – ja alles wirklich Fremde muss jetzt draußen bleiben. Es geht um den Bewohner, einzig darum. Seine Bequemlichkeit und seine Vorstellung von der Welt, die in Farben, Formen, Oberflächen und Strukturen, mit allem Nützlichem und „Undingen“ zum Ausdruck kommt.

Fremde Welten bleiben Dekorationen. Afrikanische Skulpturen, ozeanische Archaik, Dschungelstil und exotische Tiere – dieser üppige Mix zeigt die Vielfalt unserer Welt. Eine Vielfalt an Materialien, Mustern und Strukturen, fein säuberlich farblich abgestimmt mit den Fransen einer witzig-spießigen Schirmleuchte. So bleibt alles Fremde geordnet und kontrolliert, der Zauber der Exotik als Trophäe eines faszinierenden eigenen Ichs – als Meilenstein eines aufregenden Lebensstils – auf dem Glasregal der Retroschrankwand.

Die bunten Farben, wie Grün, Gelb, Blau, aber auch Flamingo-Pink, die an exotische Früchte erinnern, bleiben uns weiterhin erhalten.  Gerade jetzt, im verregneten Paris, holt das satte Gelb einer „Zitronenvase“ das Licht, den Duft und die Erinnerung an gerade diesen Sommer zurück.

Und Asien ist nun wieder angesagt. So präsentiert der trendige Concept-Store „Merci“ ganze Abteilungen mit japanisch anmutender Ware mit diesen zarten, ruhigen und respektvollen Formen und Farben. Besonders hip: japanisches Textil  & Geschirr, selbst Mitarbeiter sind jetzt Japaner.

Warme Farben, luxuriöse Materialität, schlichte Funktion

Die Farben reichen von Pudertönen, Rosé, Gold, Kupfer, Messing – vorwiegend warme Farben, die Gemütlichkeit ausstrahlen. Weniger ist mehr, Zurückhaltung angesagt, dafür wird viel Wert auf luxuriöse Materialität gelegt. Der innere Wert, die Ausstrahlung ergeben sich so oft erst auf den 2. Blick.

Und natürlich noch immer da ist diese funktionale Optik des Maschinenzeitalters: „metallern“ und schwarz. Auf die schlichte Funktion, auf das Einfachste und Billigste reduziert. Dazu passend sehr viel „Used-Optik“, „Shabby Chic“ und überall diese übergroßen, mundgeblasenen Glasbirnen, die wie Käfige Glühdrähte und Birnen umhüllen, die selbst aus den Anfängen des elektrischen Lichtes herrühren.

Immer öfter ist jetzt auch zu sehen, dass die Form klarer, das Material anspruchsvoller wird. Die Dinge stehen selbstbewusst wie nie für sich. Unaufdringlich, anmutig, feinst verarbeitet mit edelsten, echten Materialien. Ohne den geringsten Geruch von „provinzieller Gestrigkeit“. Ohne Prunk und Plüsch. Und im respektvollen Austausch ein wirklich neues Raumgefühl gebend.

„Alpin“ als Mosaik der internationalen Bühne?

Und was ist wirklich ganz neu, was zeigt sich noch verschämt und scheu, wird vielleicht erst zur nächsten Messe erwachsen?  Zum ersten Mal sehe ich Altholz – ist das zu glauben, hier in Paris? Altholz, wie wir es für unsere alpinen Chalets verwenden. Wird gar unser alpiner Stil jetzt Teil dieser internationalen Bühne?

 Die neue Qualität: Aufregend zurückhaltend

Die überfüllte Bahn hat sich geleert. Ich spaziere den Boulevard Saint-Germain Richtung Rue du Bac, dort wo die großen Möbelmarken ihre Schauräume haben. Eine junge Frau steht am Eingang eines „Design Week“-Ladens. Schlank und groß mit langen, glatten Haaren. Ihre Kleidung ist schlicht, unauffällig und erst der zweite Blick verrät die  Qualität großer Marken. Fein und unkapriziös abgestimmt. Eine zurückhaltende, aber selbstbewusste Eleganz an der Grenze zur Sportlichkeit. Groß und schlank, anziehend und aufregend. Genauso haben sich die neuen Innenräume gezeigt. Das ist der Trend.

 

 

Von Hingabe, Handwerk und Haltung – Eine Handwerkstrilogie (Teil1)

Worin liegt der Wert von Handwerkskunst? Ist dieser Hände Arbeit ein stiller Gegenentwurf zur lauten Massenproduktion? Finden wir in ihr Seele statt Schein? Eine Hommage an die „handliche Schönheit“, die auch unser Haus mit seiner über hundertjährigen Geschichte seit jeher begleitet.

Er ist einer der berühmtesten Architekten der Welt. Und wer fundiert dem Wert des Handwerks nachspürt, kommt an ihm nicht vorbei. 2009 erhielt er den Nobelpreis der Architektur, Pritzker-Preisträger Peter Zumthor. Von jeher begeistert der Schweizer mit seinen Entwürfen, seinem Blick für das Wesentliche, der einen klaren Bewusstseinswandel weg von der Ökonomie der Verschwendung dokumentiert. Zumthor legt viel Wert auf das verwendete Material – setzt sich aktiv für die regionale Handwerkskunst ein. Für den Werkraum Bregenzerwald, eine Initiative österreichischer Handwerker, hat er sogar ein eigenes Ausstellungshaus entworfen.

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 Alles ist in mir

In seinem Buch „Atmosphären“ beschreibt er an einer Stelle seine Beobachtungen an einem ganz speziellen Platz – Häuserfronten, Kirche, Monumente, Handwerkskunst, eine perfekte Maßstäblichkeit. Gefühlte Harmonie, die mit dem Platz entsteht und beim Verlassen entschwindet. Und er schreibt: „Ich hätte diese Gefühle so damals nie gehabt, ohne die Atmosphäre des Platzes.“ Ein Beleg für den berühmten englischen Satz, der auf Platon verweist: „Beauty is in the eye of the beholder.“ Das mag heißen: Alles ist in mir. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen den Menschen und den Dingen. Eine Hingabe an den Augenblick. Eine Alchemie, die durch handwerkliche Schönheit, räumliche Komposition, regionale Unverwechselbarkeiten beflügelt wird – eine Magie des Wirklichen und des Realen.

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Handwerk vs. Masse, Seele vs. Schein

Vielleicht ruht hier der tatsächliche Wert von Handwerkskunst als stiller Gegenentwurf zur lauten, marktschreierischen Massenproduktion weltweiter Märkte. Hier das tiefe und zum Teil vom Aussterben bedrohte Wissen und Können traditionellen Handwerks, dort überbordender Konsum immer gleicher, zwillingsähnlicher Fließbandprodukte. Handwerk versus Massenprodukt. Seele versus Schein. Haltung und Persönlichkeit eines Individuums versus verordneter Zeitgeist konsumiert im Kollektiv.

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Für mich immer wieder spürbar: Die Qualität eines Handwerksstücks im Raum löst etwas aus, verändert den Raum. Verleiht Regionalität, Nachhaltigkeit, Unverwechselbarkeit, adelt eine Wohnatmosphäre mit Individualität. Das besondere Stück, die Einzigartigkeit, der Luxus, die Kostbarkeit stehen im Kontrast zum Massenprodukt, groß geworden in einer zunehmend achtlosen Wegwerfgesellschaft. Das Handwerksprodukt wird zur dritten Haut, zum Ausdruck der eigenen Persönlichkeit.

Konstruktives Spiegelbild eines Lebensentwurfs

Material, Verarbeitung und Entstehung lassen im besten Fall das Handwerksstück zu einem Teil von uns selbst werden – kein anderes existiert so, Möbel und Bewohner gleichermaßen unverwechselbar und sicher nicht perfekt. So wird mein Raum durch Handwerk individueller und besonderer. Kehren wir der Austauschbarkeit den Rücken. Und übernimmt das Handwerk formale Verantwortung: Zeigt Herkunft und Geschichte. Wird zum konstruktiven Spiegelbild des unmittelbaren Lebensentwurfs.
Verknüpft Geschichten und persönliche Erinnerungen, spezielle Lebensmomente mit eigenen Werthaltungen.handwerkstrilogie-moebel_5

Das Geheimnis des Einzigartigen

Die Schönheit des Handwerks liegt für den britischen Philosophen John Ruskin mehr im Detail, im Ornament als im großen Entwurf. Er spricht von „handlicher Schönheit“. Im Handwerksstück liegt jenes implizierte kulturelle Wissen des Handwerkers, das von Meister zu Lehrling, von Generation zu Generation übertragen und weitergegeben wird. Das nicht offen jedem zugänglich und dokumentiert ist, und damit auch nicht digitalisiert oder von Maschinen übernommen werden kann. Das Geheimnis des Einzigartigen, das Cellinis Goldschmiedewerkstatt oder Stradivaris Geigenmanufaktur adelte. Eine Sehnsucht nach der Schönheit höchster Handwerkskunst, die stets mit dem drohenden, unwiederbringlichen Verlust des stillschweigenden Wissens aufgeladen wird.

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Wetscher Meisterklasse oder die Liebe zum Unikat

In diesem Sinne muss traditionelles Handwerk als immaterielles Kulturerbe jeder Region gelten. Eine Verantwortung, der wir uns immer auch gestellt haben. Wetscher war und ist Teil der Tiroler Identität, mit einer über hundertjährigen Geschichte und Herkunft. Und so sehen wir eine große Herausforderung als Familien- und Handwerksunternehmen heute darin, traditionelle Zillertaler Handwerkskunst ins Hier und Jetzt zu bringen. Und handgefertigte Tischlerunikate aus den Werkstätten mit internationalem Wohndesign perfekt zu kombinieren und zu ergänzen. Dass dies ein sehr erfolgreiches Konzept ist, beweisen Eigenkreationen wie Wetscher Chalet, Wetscher New Classic, Wetscher Landart oder das Wetscher Penthouse. Die Qualität von Wetscher liegt in der Ausbildung seiner Lehrlinge zu hochqualifizierten Fachkräften. Und mit der Wetscher Meisterklasse für Tischlerei und Holztechnik unterstreichen wir Tag für Tag unsere Liebe zum Handwerk. Unser neuester Film liefert Ihnen Einblicke in unsere Tischlerei und in das Handwerk, so wie wir es verstehen:

Postskriptum: Die Fotos für diesen Beitrag entstanden alle im RIVA 1920-Holzmuseum anlässlich eines Mailand-Ausflugs unserer Wetscher Meisterklasse für Tischlerhandwerk & Holztechnik im Mai 2017. Was unsere „jungen Meister“ im Herz der Möbelmetropole so alles erlebt haben, sehen Sie in unserem kleinen Film https://youtu.be/_Pde-SukEvU

Design-Messe im Big Apple – und was man an New York einfach lieben muss

Messingmöbel aus Pennsylvania, massive Holzmöbel aus dem mittleren Westen, ein ganz neues Regalsystem in Teakholz, das ich aus meiner Kindheit von einem skandinavischen Hersteller her kenne – es ist Messezeit in NYC samt „Design Week“. Und schon mal vorab: Neu ist auf den ersten Blick hier erst mal wenig – aber nur auf den ersten Blick wohlgemerkt.

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Zwar hat sich die ICFF, die Internationale Messe für Contemporary Design, zu Nordamerikas führender Messe für Einrichtung der gehobenen Marken entwickelt, kommt aber mit ihren 700 Ausstellern aus 30 Ländern und zahlreichen Events sowie Sonderausstellungen an die Größe der beiden Möbel-Leitmessen in Mailand und Köln noch nicht heran. Die Nase vorne haben die New Yorker scheinbar nur in puncto Feierlaune: Keine Gelegenheit wird für eine Party ausgelassen,  alles wird zu einem Event und einem Happening. Das Leben wird gefeiert – man fühlt sich dort als Mittelpunkt der Welt und ist doch auch irgendwie eine Insel.

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Tradition trifft Zukunft im Big Apple

5th Avenue, kurz vorm Madison Square Park. Poliform, B&B Italia, Minotti – die Showrooms der großen Brands glänzen imperial fast Tür an Tür um die Wette. Wie überall sind es vorwiegend die italienischen Marken, die bestechen, und jenen Zeitgeist einzufangen verstehen, der mit einem Fuß stilistisch tief im letzten Jahrhundert steckt, mit einem anderen aber ein Fenster in die Zukunft öffnet. Dazwischen scheint der Augenblick ein Hier und Jetzt im Lebensgefühl, schmal und kräftig wie ein Blitz so gut getroffen, dass es einem bis unter die Haut knistert.interior-design-messe-new-york_3

Selbstbewusstes Design mit einer Prise alter Heimat

Auf der ICFF, New Yorks aufstrebender Möbelmesse, finden sich manche Wohnsettings auf den ersten Blick „aufgewärmt“. Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man Shaker statt Schweden, Manhattan statt Mailand, Urbanität mit Landhaus. interior-design-messe-new-york_4Selbstbewusst, lässig amerikanisch mit einer Prise alter Heimat. Getragen von den kurzen Wurzeln der eigenen Geschichte, von Shaker, Eames und von jenen vielen Künstlern und Kreativen, die hier eine neue Heimat fanden und vor lauter Freude ein Fenster zu einer neuen Zukunft, zu einer besseren Welt aufstießen, ohne die alte Heimat ganz hinter sich zu lassen. Im Unkonventionellen liegt hier Frische und Modernität. Papierwaben als Wandverkleidung, Kunstfelle an Wand und Decke – Hauptsache schön zum Anfassen. Der Trend heißt Haptik, heißt „Anfassbares“ – erschaffen für eine zunehmend unfassbarere, digitale und virtuelle Welt. Erkennbar, ein starker Hang zu einem sinnlich, wahnsinnig femininen, ethno angehauchten Einrichtungsstil. Träumerisch leicht, farblich intensiv und abseits jeder technischen Konstruktion.

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Und es gibt ihn, den Ansatz eines neuen Wohnstils, mitten in Soho neben prominenten Marken wie Artemide, Foscarini, Boffi, de Padova, aber auch Pop-up-Stores von Louis Vuitton und Rebecca Minkoff. Hier hat der amerikanische Leuchten-Hersteller Roll & Hill gerade ein neues Studio eröffnet. Ein leichter Landhausstil in moderner Bausubstanz, zwei bis drei amerikanische Klassiker, etwas Kunst, insgesamt sehr reduziert, aber gekonnt und  selbstbewusst inszeniert.

Dekoration ist das neue Handwerk

Gott gab dem New Yorker seine zwei Hände für Pappbecher und Handy. An und in seinen Ohren klingt Musik oder es wird telefoniert. Jeder scheint in der Masse von Menschen für sich alleine zu sein. Nimmt der New Yorker seine Kopfhörer jedoch einmal ab, ist er der freundlichste und hilfsbereiteste Städter, den ich kenne.

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interior-design-messe-new-york_7Und diesem Städter ist der eigentliche Möbelbau, gutes Handwerk fremd. Die New Yorker sind mehr Dekorateure. New York, die Stadt der wechselnden Identitäten. Weil es alles und jeden noch so kleinen Kulturkreis hier gibt, gilt es, fürs eigene Heim diese Identitäten unter einen Hut zu bringen. Eine Meisterschaft des Sowohl-als-auch. Die Kompetenz des Innenarchitekten liegt in der Dekoration, aus einer schier unüberschaubaren Vielfalt eine ganz neue Einzigartigkeit zu kreieren. Die Herkunft zeigt, Wurzeln bietet und damit eine unverwechselbare Identität schafft.

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Was uns nach New York führt – und was wir am Big Apple lieben…

Abends, Madison Square Park. Es regnet in Strömen. Ein paar Menschen sehen angestrengt durch das Schaufenster eines Möbelladens. Aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, beobachtet zu werden. Unsere Blicke treffen sich und gleichzeitig sind wir überrascht und erfreut. Pietro Galimberti, der Senior unserer italienischen Edelpolstermarke Flexform steht vor mir. Sein Neffe Giuliamo, die Exportleute – ein freudig überraschtes Begrüßungsritual. Ich frage gleich, warum er hier ist, welche Läden er sich ansieht, was es Neues gäbe hier in NY. Er kokettiert mit überraschtem Blick, erklärt, er sei nicht wegen der Möbel hier, sondern wegen des Essens und verfällt mit der ganzen Gruppe und uns in schallendes Gelächter. Stil und Geschmack lassen sich in Form von Möbeln, Stoffen und Materialien eben oft leichter exportieren als die gute italienische Küche.

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Mailand. Wie der Vater, so der Sohn.

Möbelmesse in Bella Milano. Wie jedes Jahr ist da vorher dieses Lampenfieber, ein Kribbeln wegen dieses wichtigsten Events im Einrichtungs-Jahreskreis. Viele große Marken, Fabrikanten, Händler- und Verbandskollegen, Designer, Architekten, Trends, Termine, Erwartungen und Ziele.

Eine solche Messe – samt den unzähligen Veranstaltungen in der Stadt – ist natürlich nicht nur Show für produzierte Neuheiten, sondern auch der Treffpunkt der Branche. Jedes Jahr aufs Neue kommt man mit vielen neuen Impulsen, mit Motivation und der Bestätigung nach Hause, im schönsten aller Berufe zu sein.

Und heuer ist es ganz besonders: Mein Sohn Maximilian begleitet mich, ist zum ersten Mal in offizieller Mission mit dabei. Was für eine Freude, was für ein Stress! Vater und Sohn, wir sind ein Team.

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Bei nicht wenigen großen Möbelmarken hatte sein Großvater mit dem Großvater jenes Mannes zu tun, der uns jetzt gegenübersteht. Das schafft Vertrauen. Wir sind als kleines Tiroler Unternehmen hier in Mailand zu einer echten Marke geworden. Jahrzehnte der Zusammenarbeit.

mailand-salone-mobile-2017_4Heute aber geht es um die Trends der Saison, um die Neuheiten und Entwicklungen, ums richtige Erkennen, was von dem so schnell wieder verschwindet wie es gekommen ist und was sich zum echten Stil mausert – was bleibt. Es geht um den Blick fürs Schöne. Und naturgemäß sehen Vater und Sohn diese Stadt, die vielen neuen Farben und Designs aus doch sehr unterschiedlichen Perspektiven. Die Aufgabe besteht darin, den Blick festzuhalten, vieles von dem mitzunehmen nach Hause, gebannt auf Foto und Film – jeder mit seiner eigenen Kamera.

mailand-salone-mobile-2017_1Am Abend sichten wir das Material, bearbeiten erste Bilder. Es ist fast 21 Uhr, wir kommen aus dem Baxter Cinema, dem angesagtesten Ausstellungsevent für Kunden mit „Reinlass-Rauferei“ für Nichtkunden. Von Möbeln ist nicht mehr viel zu sehen. Das fantastisch lange Clubsofa in angesagtem Braun ist jetzt nur mehr mit Publikum abzulichten. Kurz vorher gelingt noch ein schönes Bild vom über dem alles in dieser Stadt formal erhabenen Duomo.

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Wir schneiden die kurzen Videoclips, versenden versprochene Trendbilder. Ist es schon sichtbar, jenes unsichtbare Band, das alle diesjährigen Formen, Farben & Materialien verbindet? Jener gemeinsame Nenner, der Jahre später als eindeutiger Zeitstempel vielem jetzt so hippen anhaften wird? Durchs offene Fenster dringt das Klappern von Besteck und Geschirr, das Lachen und die lauten Gespräche der Barbesucher zu uns herauf. An Essen ist jetzt nur zu denken.
mailand-salone-mobile-2017_2Ich kann kaum glauben, was Max gesehen und mit Fotos und Videos festgehalten hat. Wir waren doch auf derselben Messe. Haben, so dachte ich, Ähnliches betrachtet. Wenn ich die Bilder von Max sehe, ist da aber plötzlich so viel Neues, Jugendliches. Die Kamera ist zum Spiegel der eigenen Wirklichkeit geworden, seiner und meiner. Wir beide lieben Möbel, teilen dieselbe Leidenschaft, haben über große Teile sogar dieselbe Ausbildung. Trotzdem ist der Blick ein anderer, muss ein anderer sein. Es ist der Beginn einer anderen Generation und damit einer neuen Geschichte…

Max und Martin Wetscher’s Trendbericht-Video von der Salone del Mobile 2017 aus Mailand:

So wird draußen zum besten Wohnraum – die 7 aktuellen Gartentrends

Sommer in den Bergen ist Auszeit von der Hitze der Stadt, ist Auszeit von der langen, kalten Jahreszeit. Es sind diese kostbaren, wenigen Tage, in denen sich unsere Natur in ihrer ganzen Pracht und mit all ihren Vorteilen zeigt. In unseren großen Gärten oder kleinen Balkonoasen versuchen wir dieser Zeit, diesen Momenten privaten Raum zu geben. Deshalb sind der Garten und seine Gestaltung heute und gerade hier in Tirol so wichtig.

Dabei wollen wir  exakt dieselben Bedürfnisse befriedigt wissen wie auch im Innenraum. Der Garten wird mehr und mehr ein Teil unseres  Wohnraums. Gartenmöbel unterscheiden sich kaum noch von jenen in unseren vier Wänden – wichtig ist nur, dass die Materialien wetterfest sind. Angesagt sind Möbel aus Rattan-Geflechten, aus hochwertig gebürstetem Metall oder aus Holz, das auch rauen Witterungen standhält.

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Die Küche wandert in den Garten

gartentrends-2017_3Und weil wir in der warmen Jahreszeit viel lieber draußen sind, verlagern wir auch unsere Tätigkeiten ins Freie. Stark im Trend liegt beispielswiese das Thema „Kochen“ unter freiem Himmel. Und dabei müssen wir auf nichts verzichten: komfortablen, hochwertigen Outdoorküchen – die technisch alle Stücke spielen – sei Dank! Der passende Griller darf in unseren grünen Oasen natürlich auch nicht fehlen –  meist ist dieser eines der ersten Geräte, die für einen neuen Garten angeschafft werden.

Angesichts des Schönen beruhigen wir uns

gartentrends-2017_2Das Motto heißt „Rückzug & Relax“. Und weil das in einer komfortablen, aber unbedingt auch schönen Umgebung einfach besser gelingt, gilt es bewusst hinzuschauen, langfristig zu denken, gescheit zu planen. Unseren Garten, egal ob klein oder groß, gestalten wir also wie den besten Wohnraum, idealerweise mit Blick in „die Küche“, auf Griller und Gartentisch. Praktisch, bequem und sehr, sehr schön. Denn das wissen wir schon von der Planung unserer Innenräume: In jeder Schönheit liegt auch das Gute, eine Ordnung der Formen. Im Angesicht des Schönen werden wir selbst wieder „geordnet“,  beruhigen uns und lassen los.

Blech & Plastik im Grünen – das war gestern

Die Gartenmöbel von gestern waren Objekte aus Blech und Plastik. Sie hatten nichts zu schaffen mit den Wohnmöbelherstellern, die den Innenbereich ausstatteten. Heute ist alles anders. Weil diese Aufmerksamkeit für draußen eine allgegenwärtige zu sein scheint, haben die großen internationalen Möbelmarken alle ihre eigene Gartenmöbelkollektion. Komfortabel, mit edlen, wetterbeständigen und raffiniertesten Materialien. Und so sehen sie auch aus. Besonders wertvoll, edel, schön und gebaut für viele, viele alpine Sommer.

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7 aktuelle Gartentrends:

  1. Innen hui, außen pfui geht gar nicht mehr. Bewusst schön gestalten und über alle Wohnbereiche – bis in den Garten. So lautet das neue Motto und damit legen wir ein unsichtbares Band quer durch alle Innen- und Außenräume als Ausdruck unseres ganz individuellen Stils.
  2. Raffinierte und versteckte (Wärme-) Funktionen überraschen draußen und helfen dem gemütlichsten Platz im Freien gerade in noch frischen Frühlingsabenden um ein paar Grad nach.
  3. Grillen, Kochen und Essen unter freiem Himmel. Neben immer größeren und ausgereifteren Grills haben sich jetzt auch hochwertige Outdoorküchen durchgesetzt. Individuell zusammengestellt, ganz nach den Vorstellungen des Grillmeisters. Und das Ganze funktioniert auch im Winter, wenn man will!
  4. Zurück zur Natur! Rationalität – ein zu viel an künstlichen Anlagen, fremdartigen Pflanzen und Steinen, japanischem Kies – alles out. „Rund um den Bauernhof“ ist in diesem Jahr die Devise und zwar in Farbe und Material, in schlichter, praktischer Einfachheit, in stiller, bequemer Eleganz.
  5. Die große, weiche, tiefe Sitzgarnitur lockt ins Freie, die zum Relaxen, Zusammenliegen, Sitzen einlädt. Die jeden Regenguss verträgt und im Nu wieder trocken, sitzbereit ist. Ein Lieblingsmöbel, das ganzjährig nach draußen einlädt.
  6. Ein Outdoorteppich, der harte Beläge, Stein und Fließen sanft und farbenfroh verschönert. Einer, der den Tritt elegant abfedert und sich insgesamt in die Gestaltung eingliedert. Ein Teppich, der „draußen“ noch wohnlicher macht.
  7. Wir lieben die Renaissance des Liegestuhls in vielen Varianten und Ausführungen. Ein Möbel für den Schattenplatz unterm Apfelbaum. Dort, wo die persönlichsten Rückzugsstunden ein Maximum an Sommer in die Seele fließen lassen.

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Die sieben „goldenen“ Regeln für die gute Küche

Viele tausende Küchen hat Wetscher in den Jahrzehnten gebaut, teils gekauft, immer aber selbst geplant. Was aber macht die perfekte Küche heute aus?

Haben wir bei Wetscher immer schon Küchen gemacht? Es gibt noch eine Kredenz hier im Zillertal, die das belegt. In einem Gasthof, die meinem Urgroßvater zugeschrieben wird. Handwerklich  war die Arbeit meines Urgroßvaters ein Meisterstück – im Stile aber rückwärts statt vorwärts zeigend. Inzwischen sind es wohl tausende Küchen, die wir teils selbst gebaut, teils gekauft, immer aber selbst geplant haben.

Erinnerung: Mit unserer neuen Küche war plötzlich alles anders

Erzählenswert ist die Geschichte unserer eigenen Küche. Einer damals in vielerlei Hinsicht wahnsinnig modernen Küche, einem Meilenstein – Mitte der 1950 Jahre – keine Evolution, eher eine Revolution für Familie und Firma.

Es war die Zeit eines Neuanfangs und jede Erneuerung sollte zeigen, wie weit die unmittelbare Vergangenheit bereits Geschichte war. Eine Trennlinie zwischen neuer und alter Zeit, sichtbar gemacht an ein paar Möbeln. Die neue Küche sollte Programm sein für die ganze Firma. Bis dahin war man froh, überhaupt etwas erneuern zu können. Die Frage des Aussehens war eine sekundäre, weil richtige Handwerker immer wussten, wie etwas auszusehen hatte. In einem Tiroler Tal glich jedes Haus dem anderen und jeder Schrank existierte formell schon hunderte Jahre.

Mit dieser Küche nun war alles anders. Idee und Form waren neu – wenn auch in den alten Raum gegossen. Jeder einzelne der damals wenigen Mitarbeiter war entweder klar dafür oder klar dagegen. Ganz klar. Die alte Küche bestand bis dahin wie überall aus einem mit Brennmaterial befeuerbaren Gussherd, Kredenz, Speis, Tisch – alles ein wenig zusammengewürfelt. Ein praktischer Arbeitsraum, offen zu Garten und Vorratsräumen, immer warm und nur gemütlich durch die im Handwerkerhaushalt ständige Betriebsamkeit und eine stets gut gelaunte Köchin.

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Neues Material, neue Verarbeitung, das schrie nach neuen Formen. Mein Vater – als jüngster Tiroler Tischlermeister gerade erfolgreich an der Wiener Kunstakademie aufgenommen – zeichnete und entwarf seine Vorstellung einer besseren Welt. Erstmals gab es Pressspanplatten und Resopal – eine Papier/Kunststoff-kombination, das Möbelmaterial der folgenden 60iger Jahre. Eine neue Formensprache, die zwar mehr in die neue Zeit als in unseren alten Raum passte.

Der Meister zeichnete, die Tischler bauten begeistert mit den neuen Materialien. Abschneiden, Kantenkleben, fertig. Endlich war‘s vorbei mit diesem schwierigen Massivholz, das sich unberechenbar in alle Richtungen immerzu verändert. Das für größere Flächen so viel Arbeitsschritte, so viel Überlegung verlangt. Unvorstellbar, dass gerade diese Handwerkskunst Jahrzehnte später wieder zum Qualitätsbegriff eines Möbels werden wird.

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Wetscher Küche 1956

Heraus kamen nun Schränke mit großen Frontflächen. Farbig in gelb und grau. Wand zu Wand, Boden zu Decke. Verbaute Flächen, die in ihrer platten Einbauweise schrecklich modern wirkten. Die großen Flächen wurden nur durch die feinen Linien der dünnen Korpus-Platte unterbrochen und geordnet. Das Spiel mit den zwei konträren Farben auf den Fronten war zwar sicher weniger musikalisch als bei Mondrian, der großen Bewunderung tat dies aber hier keinen Abbruch. Wahnsinnig modern war das und diese Küche wurde systematisiert und zum Verkaufsschlager.

Auch die Haltbarkeit überzeugte. Zwar wurden die Geräte öfters erneuert, letztlich wurde in dieser Küche aber über 60 Jahre (!) täglich gekocht.

Rückblick: Die Geschichte kennt zwei Typen von Küchen

Historisch betrachtet gibt es zwei Küchentypen. Den schlichten, praktischen Arbeitsraum im Souterrain eines Stadtpalais, jenen Raum, den nur das Personal von innen kennt. Oder unsere Bauernküchen, jenen belebten, beheizten Raum, den wir selbst von unseren Eltern oder Großeltern her kennen und der zur Typologie der Wohnküche, des gemeinsamen Raumes mit Kochen, Essen und Wohnen geworden ist.

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Frankfurter Küche 1926 von M. Schütte-Lihotzky

Die Möblierung war über die Jahrhunderte uneinheitlich – Ofen, Tisch, Kredenz – eher praktisch und zusammengewürfelt. Durch den sozialen Wohnbau nach dem 1. Weltkrieg stieg der Bedarf nach praktischen, kleinen Einbauküchen rasant. Legendär wurde die von Margarete Schütte-Lihotzky Mitte der 20er entworfene sogenannte „Frankfurter Küche“ – detailgetreu ausgestellt im Keller des MAK in Wien – erstmals auch aus Sicht einer Frau konzipiert.

Heute haben sich die Anforderungen an unsere Küchen radikal verändert. Weil technisch geheizt und geruchsentlüftet wird. Weil die meisten auch anders kochen als einst ihre Großeltern. Weil sie anders aufbewahren, vorsorgen und einkaufen, andere Tages- und Lebensgewohnheiten haben.

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Varenna Küchen- Möbelmesse Mailand 2016

Gegenwart: Die Küche als „Statement-Shirt“ des Wohnens

Deshalb ist die Küche heute Teil des offenen Wohnraums und gleichzeitig letztes Statussymbol. Die Küche ist mit dem Esszimmer der letzte öffentliche Raum. Und die Küche gilt heute als Statusobjekt, wird hergezeigt, wirkt wie ein Statement-Shirt des Wohnens.

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Varenna Küchen – Möbelmesse Mailand 2016

Durch die heute meist offene Gestaltung muss die Küche jetzt wieder sehr viel wohnlicher wirken. Die klassische Speis mutiert heute zur Hinterküche – ein vom Esszimmer uneinsichtiger Teil der Küche, die neben der Aufbewahrung auch dem Abwasch oder grober Zubereitungen dient. Die Einsicht in die Küche selbst ist Teil eines gesamten Farb- und Materialkonzeptes. Die Küche längst nicht mehr isolierte Zelle im Irgendwo. Und genau deshalb werden die Planung, die technische Umsetzung, die Materialien, die Farbabstimmung, die Atmosphäre so wesentlich. Eine komplexe Aufgabenstellung, die das Herzstück der eigenen vier Wände betrifft.

Varenna Küchen- Möbelmesse Köln 2017

Um genau das, gemäß den individuellen Bedürfnissen nicht nur gut, sondern möglichst perfekt zu können, haben wir die besten Planer, die besten Küchenhersteller als Partner und bauen selbstverständlich immer auch noch Küchen selbst.

Meine 7 Tipps für die perfekte Planung

Und wenn ich heute eine Küche für meine eigenen Bedürfnisse plante, dann würde ich jedenfalls folgende 7 Punkte beachten:

  1. Beim Planen nicht alleine auf die eigentliche Küche konzentrieren.Gleich den Ess- und Wohnbereich mitplanen. Sonst wird die Küche eventuell zu groß und der Wohnbereich zu klein oder es ergibt sich aus zu unterschiedlichen Farben, Formen und Materialien kein großzügiges Ganzes. Auch eine neue Küche wirkt dann wenig stilvoll.
  2. Einen Dampfgarer einplanen – denn das gesunde Garen muss heute in jeder Küche möglich sein.
  3. Auf das goldene Dreieck achten: Feuer, Wasser, Aufbewahrung im richtigen Verhältnis ist etwas sehr Individuelles, ist meist dann gut, wenn es unseren Gewohnheiten entspricht. Die kurzen, praktischen Wege dazwischen, ein geschickter Ablauf – auch in einer großen, sehr modernen Küche – bleibt ungeschlagene Planungspflicht und ist der täglich neue Reiz für Koch & Köchin. Auch wenn die Küche rein optisch schon in die Jahre gekommen scheint.
  4. Bitte keine Farb- und Trendexperimente.
    Die Küche ist das langlebigste „Möbel“ in jedem Haus, in jeder Wohnung. Sie muss optisch über den Zeitgeist erhaben sein. Vergängliche Farben, kurzlebige Moden sind wichtig, um die eigenen vier Wände gemütlich ins Hier und Jetzt zu hieven. Kaufen Sie aber um Gottes Willen keine orange Küche.
  5. Unbedingt rein in eine neue Küche sollen heute alle Geräte, die das Leben einfacher und praktischer machen, die helfen, Zeit zu gewinnen.
    Aber Achtung: Die Technik sollte konsequent einfach, bewährt und von solider Langlebigkeit sein, die Marke der Geräte einen kompetenten, schnellen Service bieten. Niemand braucht oder nutzt wirklich 23 Wasch- und Spülprogramme.
  6. Auch die schönste Küche braucht ihre Bewohner. Das Wichtigste der Küche ist für mich daher der Küchentisch. Letzter realer Ort gelebter Gemeinsamkeit einer Familie. Der Tisch als hölzerne Einladung zum Gespräch, zur gemeinsamen Zeit. Gebautes Facebook sozusagen. Deshalb ist der Tisch, seine Größe, seine Position im Raum auch so wichtig. Stimmen die Dinge, gibt der Tisch Halt, Respektsabstand und ein Gefühl von Gemeinschaft.
  7. Der letzte Tipp stammt von einem älteren Wiener Innenarchitekten, der es immer damit hielt, ein gutes Einvernehmen mit einem nahen Wirten durch regelmäßige Besuche herzustellen. Der freundliche Wirt ums Eck als Freund. So gepflogen kann die eigene Küche auch einmal kalt bleiben und die eigenen Kochkünste sich in Bescheidenheit üben.
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Wetscher Bulthaup Studio

10 Trends für 2017: Retro verschmilzt mit Zukunft

In diesem Jahr gehen wir in Deckung – vor der Welt in ihrem momentanen Zustand. Unsere Wohnräume mutieren zu stilvollen Schutz- und Rückzugszonen – erzählen von der Sehnsucht nach Gestern und sind doch in ihrer raffinierten Konzeption & Verarbeitung alternativlos vom Zukunftsglauben geprägt.

Um der jedem Neubeginn innewohnenden Lebensfreude etwas Schwung zu geben, gilt es seine eigenen vier Wände aufzumöbeln, auszuräumen und den Zeitgeist 2017 hereinzulassen. Aber: Sollen wir wirklich jedes Jahr in unseren Wohnräumen etwas ändern? Uns echten und herbeigeschriebenen Trends unterwerfen? Ist ein Jahr nicht zu kurz, um liebgewonnene Klassiker, Materialien, Bilder, Farben zu ändern?

1) Die Vorstellung einer besseren Welt

Ohne Zweifel ist es klug, alle fest verbauten Möbel mit hohem Qualitätsanspruch, mit ausgeklügelter Funktionalität, frei von jedem Zeitgeist sowie formalem und farblichem Zeitstempel auszusuchen. Je mobiler, je kleiner aber ein Einrichtungsgegenstand ist, desto öfter darf ihn der Zeitgeist fressen. Kissen, Decken, kleine Einzelmöbel oder Farben dürfen sich ändern, wie wir Menschen uns ja auch im Laufe der Zeit. Denn die Art und Weise wie wir wohnen, repräsentiert auch immer uns selbst und unsere Vorstellung von einer besseren Welt und wer wir im besten aller Fälle sein könnten – sagt der englische Philosoph Alain de Botton. Und es sind eben auch in den Wohnräumen genau diese kleinen i-Tüpfelchen, die uns in dieser Zeit, in der wir gerade leben, markieren und uns helfen, auch wirklich gegenwärtig zu sein, im Hier und Jetzt.

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Die Krisen, die auch den Beginn des neuen Jahres kennzeichneten, graben sich weiter ein und hinterlassen immer tiefere Spuren in unseren privaten Räumen. So verstärkt sich die umfassende Schutz- und Rückzugsfunktion unserer Wohnräume. Wir gehen in Deckung vor der Welt und ihrer momentanen Realität.

2) Vorwärts in die Vergangenheit

interior-trends-2017_2Im Jahr 2017 blicken wir zurück und richten gleichzeitig unseren Blick fest in die Zukunft. Was bedeutet das? Wir machen es uns schön und greifen bei Farben und Formen zurück in die Vergangenheit. Retro heißt und ist die Neuheit. Retro und die Eleganz längst vergangener Dekaden. Im Stil „bruchlos“, berechenbar – so anders als die Welt vor der Tür. Jede Farbe, jede Form ergibt sich aus dem, was schon da ist. Das beruhigt und entspannt und wird ganz allgemein als schön empfunden. Nur die vielen neuen Funktionen, raffinierte Verarbeitungen, gelaserte Oberflächen, all das scheint aus der Zukunft zu kommen, überrascht und darf alleine ein Fenster in die Welt der neuen Möglichkeiten aufmachen.

3) Sehnsuchtsort unberührte Natur

Hier reihen sich Materialien wie Holz, Wolle, Filz und Leder aneinander, wir sehen aber auch eine allumfängliche Verwendung der Farbe Weiß.

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Der neue Drang zur Natur, zu einer Ursprünglichkeit, äußert sich auch in einem neuen Landhausstil, ganz abseits von romantischer Deko. Eine Klar- und Echtheit von Altem, zweckentfremdet, neu interpretiert in einer Kombination, die interior-trends-2017_3-4Geschmack und Stil ausstrahlt. Messing, Kupfer und Stein. Echtes und Edles. Vorbei sind die Zeiten scharfkantiger, reduzierter, weißer Kunststoffmöbel und jener kühlen Abstandsatmosphäre, die solche Möbel ausstrahlen. Eine neue, stilsichere Gemütlichkeit muss es jetzt sein. Eine Gemütlichkeit, wertvoll und elegant.

Und für die cooleren Avantgardisten? Die Raumatmosphäre einer Maschinenhalle, viel Schwarz-Weiß-Kontrast voll mit Möbeln und Accessoires aus den 40igern und 50iger-Jahren des letzten Jahrhunderts. Aber auch hier gilt: edler Samtstoff, dunkle Blautöne, Nussholz, Messing und edle Details.

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Wichtig ist die Abstimmung – aus einem Raum, aus Altem und Neuem, entsteht etwas Einzigartiges, etwas das zum Bewohner passt. Wir zelebrieren Individualität, zeigen, wer da wohnt, partizipieren aber auch vom kollektiven Gefühl unserer Zeit.

Und was bleibt? Die Dschungel-Optik großblättriger Pflanzen oder als Muster auf Tapeten, naturgetreu oder bis zum dekorativen Ornament abstrahiert. Ein Hauch von Exotik zieht damit ein in unsere alpinen Räume.interior-trends-2017_3-2

4) Klare Formen, scharfe Kanten und eine neue Ordnung

Scharfe und raumbeschreibende Schattenfugen illustrieren den Wunsch nach Halt und Ordnung. In einem Leben voller Terminkalender, täglich abgefeiertem Chaos ist die Regelmäßigkeit einer Schrankwand, die Wiederholung einer sauberen Flächenteilung, abgestimmte, weiche Farben von hoher symbolischer Bedeutung. All dies lädt ein zur Entspannung, zum Wohnen, Wohlfühlen und Loslassen. Weil der Raum und die Möbel durch klare Fugen und regelmäßige Teilung Halt, Übersicht und Hoheit widerspiegeln.

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Präzise abgestimmte Farben der Materialien und Oberflächen wirken wie Weichzeichner unserer Stimmungen oder regen uns an, erbauen uns, durch die feine Abstimmung von komplimentären Farben oder Formen. Der Raum wirkt aufgeräumt und das färbt ab – auf das individuelle Wohlbehagen.

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5) Die Poesie des Lichts

Das Spiel mit Licht, die Brechung durchs mundgeblasene Glas, gibt dem Raum eine zauberhafte Stimmung, bringt die Poesie in unsere vier Wände. Helle und dunkle Linien zeichnen sich an Wand und Decke, entführen uns in Tagträume und lassen die Qualität von wertvollem Handwerk erstrahlen.

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Es leuchtet aus vielen kleinen Quellen oder aus einer Leuchte, die wie gewachsen wirkt, oder wie ein Mobile die Vergänglichkeit und Verletzlichkeit des Augenblickes manifestiert – Gegenpart zum massiven und zentral thronenden Tisch, der fest verwurzelt Halt bietet.

6) Großzügigkeit & Luxus

Eine neue Großzügigkeit wollen wir in unseren Wohnungen manifestieren – riesige Sofas und Wohnlandschaften mit unterschiedlichen Sitzhöhen und Komfortbereichen. Zum Entspannen, zum Lesen und Liegen, als Sitzgelegenheit für eine ganze Gruppe oder zum idealen Genuss für Film und Fernsehen.
Mit zahlreichen Kissen und Decken, mit Leuchten und Bei- und Kleinmöbeln und dem edlen Teppich als Bühne für das alles.interior-trends-2017_6

7) Neue Qualität der Begegnung

Neu ist auch das bewusste Gestalten von Begegnungsräumen. Platz und Ort für die Gemeinsamkeit. Für die Familie. Gemeinsames Essen und Trinken, Zeit für Gespräche gewinnen wieder an Wert. Klassiker dafür ist auch 2017 der große Tisch als sichtbar gemachter Ort für eine neue Gemeinsamkeit. Wohnen ist zum Rückzug geworden. Entspannt entfleucht jeder für sich in weite, virtuelle Welten. Social Media heißt so auch gemeinsam bei sich zu sein.

8) Textil & Tapeten

interior-trends-2017_8Auch hier werden viele Muster und Macharten von „Mutter Natur“ beeinflusst. Endlich wieder! Wichtig ist, Textiles muss wieder in unsere Räume. Nach den Jahren des Entweder-oder, nach den Jahren des Design oder Textil dürfen jetzt auch in modernen Räumen Tapeten, Teppiche und Vorhänge die Atmosphäre veredeln. Textilien im Raum wärmen unser Herz schon beim Anblick, manch allzu klare Raumkante wird ästhetisch entschärft. Als Tapete, Kissen, Vorhang oder Decke ist jedes Textil auch gut zum Abbilden vergänglicher Formen und Farben und bringt damit den Zeitgeist in unsere vier Wände. Für 2017 gilt, den Textilien sieht man in Oberfläche und Struktur das „Handwerkliche“ an.

9) Ein gut ausgesuchter Teppich

interior-trends-2017_9Die Renaissance der Teppichkultur wird lustvoll gelebt. Der Teppich gibt Raum und Wohnen einen Rahmen. Echt und kostbar – als Stilbruch oder Zitat dafür, das letztlich doch alles von derselben Welt ist. Jetzt darf er wieder runter vom Dachboden oder rauf vom Keller.

 

 10) Innenarchitektur pur

Inszenierung und „Schnitt“ von Wohnungen sowie persönliche Präferenzen beim Wohnen werden nicht länger Baumeistern und Bauträgern überlassen. Blickachsen, Symmetrien und raffinierte Funktionen und Raumschemata, das Allerbeste aus Vorgaben herauszuholen, dafür gibt es Spezialisten. Dem wertvollen Thema Wohnen wird jetzt mehr abverlangt, die angelsächsische Gepflogenheit, sich einen Innenarchitekten zu leisten, erreicht uns jetzt auch hier in Mitteleuropa. Der Innenarchitekt sorgt für neue Perspektiven und so lässt sich der Vorsatz endlich umsetzen, die eigenen vier Wände zu optimieren.

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So werden die höchst persönlichen Wohnträume sicht- und realisierbar. So gelingt der „gute Plan“, entsteht ein funktionierender Grundriss, wird eine unverwechselbare Wohnatmosphäre gezaubert, die den Bewohner abbildet und seine Individualität unterstreicht.

Mehr Trends und Bilder von der imm cologne finden Sie hier:
Messebericht imm cologne 2017

Nur fliegen können sie nicht, diese Teppiche

Wie so viele Geschichten beginnt auch diese in Wien, dieser Stadt zwischen Ost und West. Es ist aber auch eine Geschichte, die zu den Nomaden zurückreicht und zu ihrem einzigen Möbelstück, das ihnen Heimat versprach. Und zu einer wechselvollen Historie wurde, die heute in der Renaissance eines wertvollen Kulturgutes an alte Werte anknüpft.

Es war die Wiener Weltausstellung 1873 auf der erstmals kostbarste Teppiche präsentiert wurden. Reißender Absatz. Der Beginn eines Siegeszuges durch die noblen, europäischen Wohnungen. Damals gerne als Wertanlage verstanden, als sichtbar gemachter Reichtum zum Prestigeobjekt erhoben. Heute hingegen in vielen Wohnsituationen oft nur mehr als Beiwerk achtlos ausgebreitet, offensichtlicher Verfall einer zeitlosen Kultur, fühl- und sichtbar als Degradierung eines einst kostbaren Wohnaccessoires in großen Wühl- und Teppichcontainern großer Kaufhäuser und Discounter.

teppich-6Derweil gibt es kein mobileres Möbel. Kostbarste Materialien werden millionenfach verknüpft, in einem schier endlosen Zeitaufwand und die Farbe, das Ornament, geben einen präzisen Herkunftsnachweis, erzählen Geschichten, bringen Erdung und Verwurzelung in unserer (Wohn-)Heimat – ähnlich einer Tracht, die wir stolz zu einem besonderen Anlass tragen. Identifikation und Identität im selben Maß.

Bei den Nomaden galt der Teppich als einziges Möbelstück, das steter Begleiter war. Die notwendige Behausung musste denkbar einfach und transportabel sein – Zelt und Zeltmatten entstanden, um diese Bedürfnisse abzudecken. Die Idee, das ursprünglich verwendete wertvolle Tierfell zu ersetzen, um die Tiere zu schonen, führte zu einer ersten Wollmatte – der Teppich entstand.

Ein Stück Heimat, eine definierte Atmosphäre voller Farbe und Muster, eine Referenz an die eigene Herkunft, erkennbare Unterscheidung, ein Beweis des Standes. Schnell einrollbar, innerhalb von Sekunden, aber auch ebenso einfach wieder auf den Boden geworfen und zum individuellen Raum umgedeutet. Ein Stück Heimat, ganz egal, wo man war. Für Rast und Gebet, für Tee und Gastfreundschaft. Die kleinste und beweglichste Form dessen, was wir heute als Zuhause, als Wohnung bezeichnen würden.

Was der Teppich seit Jahrhunderten für den teppich-2ziehenden Nomaden verkörperte, ist heute zum Streben einer gelungenen Inneneinrichtung geworden: jenen Wurzeln in sich selbst Ausdruck verleihen und die Werte von Herkunft und Umgebung so zu materialisieren, dass es nicht nur praktisch, sondern auch als schön betrachtet werden kann – als authentisch empfundener Ausdruck seiner selbst.

Grundgewebe aus robuster Baumwolle, Schafwolle, Seide, versponnene Garne und Farben aus Safran, Granatapfelschalen, Blüten und Kirschsaft. Das Europa des Fin de siècle war so begeistert von der einzigartigen Kostbarkeit, dass die Basare entlang der Seidenstraße über Jahrzehnte leergekauft wurden.

Ein Aufstieg, dem mancherorts auch ein Fall folgte. Ein Verfall, manifestiert in modisch, künstlichen Industrieprodukten ohne Spur von Kultur und Kunst der Vorbilder. Und dann eine Wiederbelebung durch Neuinterpretationen wie Jan Kath oder durch Händler wie Rahimi, die an alte Werte anknüpfen – was hoffentlich zur lange währenden Renaissance eines wertvollen Kulturgutes führt.teppich-9

teppich-5Der Teppich ist heute wieder smarte Zutat zu einem individuellen Wohnen, ein Gegenpol zur Massenware, gewobenes Cocooning und ein Stück von 1000 und einer Nacht.

Wer eintauchen will in diese reiche Geschichte, wer wirklich wissen will, was einen echten Teppich ausmacht und welche Knüpftechnik die beste ist, der fragt am besten Herrn Mag. Ali Rahimi in Wien. Und wenn Sie wissen wollen, welcher Teppich wo und wie zur richtigen Geltung kommt, welche Muster und Formate wann wo passen, dann fragen Sie gerne mich oder kommen Sie zu Wetscher und beraten Sie sich mit einem unserer Innenarchitekten. Weil wirklich nichts für sich alleine steht oder wirkt im Innenraum, und weil sich dieses Thema wahre Leidenschaft verdient und der richtige Teppich der Seele Flügel verleiht.