Innenarchitektur

Vom Reisen zu sich selbst – Eine Handwerkstrilogie (Teil 2)

Ein von Hand gemachtes Produkt steht heute hoch im Kurs. Hoch im Wert, in Ansehen und Qualität. Was ist der Handwerker aber für eine Persönlichkeit und wie wird er selbst durch sein Handwerk verändert? Was macht der Stolz aufs eigene Können und die konsequente, immer gleiche Abfolge von seit Generationen ähnlichen Arbeitsschritten für immer wieder völlig unterschiedliche Einzelmöbel langfristig mit einem selbst?

Wetscher Meisterklasse für Tischlerei und Holztechnik

Neue Eindrücke, neue Impulse

Wien, Messe für „Wohnen & Interieur“. Die Lehrlinge der Wetscher Meisterklasse scharen sich in ihren weiß gestärkten Hemden um die besonderen Exponate der Halle 10. Jene Möbel und Marken, die sie ans heimatliche Einrichtungshaus erinnern. Hier schaut aber erst einmal alles anders aus. In anderen Farben, Zusammenstellungen und Materialien. Ungewohnt. Mehr noch als zu Hause wird erkennbar, dass ein Ganzes – eine präsentierte Wohnidee – viel mehr ist, als ein einziges – noch so schönes – Möbelstück. Die leise Ahnung wird hier zur Gewissheit, hier in den Wiener Messehallen, wo der Aussteller auf wenigen Quadratmetern Standfläche die Besucher im Zeitraum eines Seitenblicks zu fesseln sucht. Für jeden „Nachwüchsler“ eine nie gesehene Dichte.

Handgefertigte Tischlerunikate – nicht nur Vampire leben ewig

Das Tischlerhandwerk ist eine spannende Berufung. Hier wird der Bogen gespannt zwischen dem Streben nach System, Präzision und Logik einerseits, und fast künstlerischen Fragen um Formen, Farben und Materialien andererseits. Wer Menschen kennt, weiß, dass dies grundverschiedene Kompetenzen sind. Es bleibt eine Kunst, genau diesen Ausgleich zu finden, das Suchen und Streben nach der Mitte. Im Ergebnis tritt jener Facettenreichtum zutage, der diese Möbel zu echten Unikaten werden lässt. Handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernt man durch Anleitung und eigenes Tun. Die Phantasie, das Spiel der Formen, Farben, das rechte Maß der Proportion erlernt man am angenehmsten auf Reisen. Deshalb, und weil sich der persönliche Blick auch schulen lässt, sind wir hier mit unseren Lehrlingen in Wien.

Messe Wiener Interieur 2018

Es geht um die Sensibilität für das Besondere, die Entfachung einer Leidenschaft. Aber geht es darum nicht immer? Später am Abend, im randvollen Musical-Theater Ronacher, singen sich die Schauspieler ihr Herz aus der Seele. Das Märchen der Vampire, laut, licht- und formgewaltig. Es raucht und blinkt und häusergroße Bühnenbilder gleiten federleicht von scheinbar unsichtbarer Hand getragen aus den dunklen Tiefen. Ein Spiel von inszenierten Emotionen. Leidenschaft auf großer Bühne.

Wien, Kaiserliches Hofmobliendepot – weltweit größtes Museum für Wohnkultur

Nächster Tag, 10 Uhr, Hofmobiliendepot – Habsburgisches Einrichtungshaus samt eigenen Möbel-Werkstätten. Zwischen Sissi, Jugendstil und der Wiener Moderne. Und den Habsburgern natürlich. Die schönsten und besten Möbel aus großen Zeiten und erlesener Provenienz. Für wirklich alle neu – Kaiser Franz Josef war gelernter Tischler. Nicht aus romantischer Neigung oder kurzfristiger Laune. Wie jeder seiner Vorfahren hat auch er ein Handwerk gelernt. Ob der imperiale Ausbildungsplan die Formung eines Charakters im Tun und Schaffen, im kleinen Stolz auf ein fertiges Möbel erkannt hat? Die wirtschaftliche Unabhängigkeit wird wahrscheinlich keine Rolle gespielt haben.

Über Sinn, Stolz & Werthaltung

Der gute Handwerker entwickelt zwischen praktischem Handeln und ständigem Denken seinen eigenen Rhythmus. Zwischen Mensch und Werkstück entsteht eine eigene, von außen nur mehr schwer durchdringbare Zeitkapsel, die oft als echte „Hingabe“ erstrahlt. Die Unmittelbarkeit zwischen Hand und Holz, zwischen Tun und Denken reinigt den Geist und schärft den Verstand. Genau hier, wo die Grenze zum Kunsthandwerk schon überschritten ist, hier beginnt das Handwerk den Menschen zu formen. Hier entsteht der leise Stolz des Meisters. Der Wert des Erschaffenen nährt auch den Selbstwert. Arbeitszufriedenheit statt Sinnverlust. Und weil besonders die Tischler der früheren Generationen den Möbeln und Einrichtungen jenes Aussehen mitgaben, das auf eine präzise Ausgewogenheit zwischen Nutzen, Material und Entstehungsaufwand besonderen Wert legte, war die Zunft gefeit von falscher Eitelkeit oder kurzlebigen Konstruktionen. Der alte Hut der Nachhaltigkeit als Bauplan und Haltung.

Firmengründer und Handwerker Franz Wetscher & Wetscher Tischler Team um 1930

So kann man sich den Handwerker als zufriedenen Menschen vorstellen. Aus dem Beruf wird eine Lebenshaltung. Ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit Eigensinn und Hausverstand.

Werde Teil unseres Teams!

Mehr als 200 Tischler haben wir hier bei Wetscher in unserer mehr als 100-jährigen Geschichte bereits ausgebildet. Unsere Familie ist es jetzt in der fünften Generation. Die neu geschaffene, eigene „Meisterklasse für Tischlerhandwerk und Innenarchitektur“ gibt der Ausbildung Rahmen und Richtung. Die Verleihung des Prädikats „Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb“ ist eine große Anerkennung von außen.  Die Ausbildung berührt und liefert in diesen Reisen bereits einen Einblick in den breiten Fächer späterer, innerbetrieblicher Karrieremöglichkeiten wie Arbeitsvorbereiter, Projektleiter, CAD Planer, Einrichtungsberater oder Innenarchitekt.

Eine Reise zum Handwerk ist vor allem eine Reise zu sich selbst. Wir hier bei Wetscher freuen uns immer über Menschen, die ihre Liebe zum Handwerk leben wollen, die aufbrechen, einsteigen und mitfahren. Gerne informiere ich Sie genauer darüber bzw. freue mich über Ihre Bewerbung: martin@wetscher.com

 

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