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Die Geometrie der Gemütlichkeit – oder wie gelingt der Schritt vom „Ausstellungs-“ zum „Wohlfühlwohnen“?

Die Formel für das eigene Wohnglück ist gleichermaßen komplex wie einfach: Inspirieren erlaubt, kopieren nicht! Drei persönliche Anregungen für das individuelle Gelingen!

Erfolgreiche Hotelarchitektur spiegelt den Zeitgeist, interpretiert massentauglich individuelle Sehnsüchte und beeinflusst so auch immer stärker unseren ganz persönlichen Wohngeschmack. Und doch bleibt Hotelarchitektur an manchen Stellen steril, simuliert lediglich Nähe und Intimität und bleibt so in letzter Konsequenz oft auch kühl. Wahre Gemütlichkeit und Persönlichkeit lassen sich in den eigenen vier Wänden nicht konstruieren – das ganz Besondere lässt sich nur dort atmen, wo sich Geschmack und Stil mit dem Eigensinn und Lebensstil des Bewohners glaubhaft verbinden. Die Formel für das eigene Wohnglück ist am Ende einfach: Inspirieren erlaubt, kopieren nicht!

Moderne Hotelarchitektur mit ihren feinst abgestimmten Inneneinrichtungskonzepten hat sich in der Gegenwart enorm entwickelt. Endlich zur Ruhe gekommen genießen wir ein solches Ambiente mit allen Sinnen – so müsste man wohnen, seufzen wir innerlich. Es sind schöne Räume, die wir bewundern. Atmosphären, die Sehnsüchte einer modernen, und ob der Schnelligkeit auch oftmals überforderten Gesellschaft spiegeln. Die Persönlichkeit und Individualität suggerieren. Und doch am Ende – beim genauen, sensiblen Hineinspüren – auf eigentümliche Weise unnahbar bleiben. So unnahbar wie mir einst eine kurze Begegnung mit Claudia Schiffer bei einer Designmesse in Italien erschien. Eine Ikone – ohne Zweifel! Aber auch zu makellos, um wahr zu sein. Ein Foto, das ich wenig später entdeckte und das das Topmodel in ihrem persönlichen Zuhause zeigte, fügte sich ins Bild. Es war die Perfektion in Reinkultur – aber ohne Spuren ihrer Person. Eine Geschichte ohne wahres Gesicht!

Die vielen schönen, künstlichen Räume, in denen wir uns gerne aufhalten, sprechen uns zwar an – zweifellos. Aber selbst so wohnen – da kommen zu Recht Zweifel. Wie also gelingt der Schritt vom Ausstellungswohnen zu den eigenen vier Wänden?

1. Inspiration

Zum einen natürlich, indem wir uns inspirieren lassen – und genau dafür sind Hotelräume wie geschaffen. Denn hinter erfolgreichen Konzepten steht viel Wissen über Trends, Zeitgeist und davon abgeleiteten gefälligen Interieurs. Wie in einem Brennglas verdichten sich in den aktuellen Hotelatmosphären gängige Wohnsehnsüchte.

Die Sehnsucht nach der Haptik etwa. Kein Wunder, wenn wir unser Handy über 2.500-mal am Tag berühren – da sehnen wir uns statt nach aalglatten nach rauen, rohen, echten Oberflächen. Oder nach der Natur, deren Farben unsere Accessoires und Dekorationen beeinflussen. Oder nach Opulenz, die den Minimalismus längst abgelöst hat. Edelstein, Marmor, Samt und Stuck – es wird mystisch statt minimalistisch.

Und auch vom Stellenwert der Räume lässt sich lernen: Die Lobby ist als Treffpunkt gefragter denn je. Denn wir wollen Gesellschaft, gute Gespräche und Geborgenheit. Boutique-Hotels repräsentieren in ihren Designs diese Trends und dienen uns so als Quelle der Inspiration – für Marken ebenso wie für Besucher.

2. Individualität

Werden wir glücklich, wenn wir die Geometrie der Gemütlichkeit von den schönsten Hotelräumen in unsere eigenen 1:1 übertragen? Sicher nicht! Denn es gibt nichts Privateres als unsere eigenen Räume. Und die Psychologie hat recht, wenn sie sagt:

Die Wohnung ist die Erweiterung unserer Persönlichkeit. So passen wir unsere Wohnatmosphären an unsere Bedürfnisse an, füllen sie mit Erinnerungen und emotionalen Momenten. Erst diese Schritte ergänzen die Wohntrends und machen unsere vier Wände unverwechselbar.

Mit der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit entfaltet sich der Lebensstil und damit auch die eigene Wohnart – im eigentlichen Wortsinn: die Kunst des individuellen Wohnens als Spiegel des eigenen, gereiften „Ich“.

3. Die Vermessung unseres Innersten

Mit dem Kopieren der noch so schönsten Räume wird wahrhaftiges Wohnen und Wohlfühlen nicht erreicht. Der Schritt vom Beifall suchenden, schicken „Ausstellungswohnen“ zur ausdrucksstarken Individualität gelingt anders. In dem wir genau hinhören und auswählen: Was wollen wir von unserem Leben, unseren Eigenheiten, unseren Vorlieben, unserem Geschmack, unserer Vergangenheit und unseren Reisen zeigen? Und auch wenn wir noch so modern und dem Zeitgeist entsprechend einrichten wollen, braucht es auch Beständigkeit und Zeitlosigkeit. Dazu gehört Mut, dem Wohnen seinen eigenen Charakter beizumischen, die Zeit, Räume langsam reifen zu lassen und das Widerstehen, dass nicht alles sofort perfekt wie in einem Prospekt sein muss.

Wohnen bleibt immer auch Psychologie – und ein Raum Spiegel der eigenen Seele. Deshalb mein ganz persönlicher Tipp: Auch wenn Sie noch so viel Stil und Lust fürs Wohnen im Herzen tragen, lassen Sie sich auf einen Innenarchitekten ein. Und auf das Abenteuer einer Wohnstilanalyse, wie wir sie bei Wetscher mit vielen Jahrzehnten Erfahrung entwickelt haben. So gelingt in der gemeinsamen Reflexion die Vermessung unseres Innersten – und können noch so verborgene Wohnträume realisiert werden!

Paris mit einer Prise Humor

Die neuesten Trends bei der „Maison & Objet“ in Paris setzen ein Ausrufezeichen hinter unsere Weitläufigkeit und Weltgewandtheit. Offenbaren aber auch unsere Sehnsucht nach Echtem. Statements werden mit viel Natur und Handgemachtem aus den verstecktesten Ecken der Welt gesetzt.

313 km/h, schneller als ein kleines Flugzeug, rast der deutsche Schnellzug durch die französische Landschaft. Richtung Paris, vorbei an den abgeernteten Feldern, durch sanfte Hügel vom Rhythmus vorbeifliegender Leitungsmasten durchzogen.

Das Braun der Felder wechselt zwischen Beige und Gelb. Das Grün der Bäume ist da und dort noch frisch und pastellig grün, wird gelegentlich satt und dunkler. Dem Himmel über Paris entgegen – welch unendliche Weite dieses Blau doch zeichnet – und wie das grelle Weiß der kleinen Wolken allen Farben mit Referenz dient.

Die Reflexion in der Bewegung

Mit ähnlich großer Geschwindigkeit dreht sich unsere zerrissene Welt, deren digitalen Eskapaden wir atemlos ausgeliefert scheinen. In der Bewegung genieße ich hier einen Augenblick der Reflexion. Spätestens nach diesem heißen Sommer wird die Geschichte mit dem Klima wirklich jedem klar. Und genau deshalb war unsere Suche nach unberührter Natur, nach Authentizität noch nie so groß – und beeinflusst so auch unser Zuhause. Diese Sehnsucht nach Echtem spiegelt sich auch bei der Möbelmesse in der französischen Hauptstadt später wider – in Material, Haptik, Farben und Formen.

Neues entsteht aus Verbrauchtem

Zuvor aber noch schnell ein Abstecher. Der tonangebende Concept Store ‚Merci‘ in Paris macht es auch in diesem Jahr vor und beeindruckt mit seiner Upcycling Ausstellung. Neues aus Verbrauchtem. Als Fingerzeig wie kollektive Stimmungen in Waren zu gießen sind.

Beim Eintauchen in die Pariser Möbelmesse bleibt schließlich die hohe Geschwindigkeit meine Konstante. Das Messegelände als eigenes Reich des Trends, des Geschmacks, der neuesten Entwürfe. Maßlos groß und in seiner Vielfalt eingangs schwer zu lesen. Und doch lassen sich Entwicklungen freilegen, sind große Strömungen unverkennbar.

Opulente Inszenierung der Natur

Da ist der große Hang zur Natur. Das viele Grün, die großen Blätter auf Stoffen und Tapeten, die übergehen bzw. ein Bild ergeben mit den fein geordneten Zimmerpflanzen. Mehr oder weniger unterstützt mit Motiven und Skulpturen aus tiefen Ozeanen oder dunklen Wäldern. Gehalten durch kleine, streng geometrische Muster. Hier zeigt sich die Suche des Städters nach der Verbindung mit der Natur.

Zerknittert, rau, unbehandelt, unfertig

Ein starkes Verlangen nach Ursprünglichkeit ist überall zu erspüren. Hauptsache man sieht den Dingen ihre Handwerklichkeit von Weitem an. Zerknittert und rau und unbehandelt, fast unfertig. Gras, Ton, Pappmaché und aufgeraute Strukturen. Organische, fließende Formen stehen im Vordergrund – manchmal fühlt man sich an die Form von Meerestieren erinnert.

 

Unübersehbar, allgegenwärtig sind Tiermotive. Auf Tapeten, Stoffen, in Bildern und gar als Sofas gibt es treublickende Hunde, kuschelige Bären, Löwen und Flamingos. Wo sehen wir uns hier selbst – das bleibt auf den ersten Blick rätselhaft. Aber auch hier scheint wieder die Sehnsucht nach Harmonie und Exotik stark durch – die augenscheinlich hier eine Verbindung mit ironischem Augenzwinkern eingeht.

 

Alles offenbart Herkunft

Das Thema Ton, Handwerk und Unikat ist nun auch auf der Messe angekommen. Teller, Schalen, Vasen in organischer Struktur – sie wirken optisch wie selbst gewachsen.

Alles offenbart Herkunft. Es braucht die gute Geschichte – auch bei den Dekorationsgegenständen. So importiert der deutsche Hersteller ames seine Vasen, Töpfe und Schalen aus Kolumbien und lässt sie dort von einfachsten Handwerkern nach überlieferten Traditionen fertigen. Wie über Jahrzehnte der Natur schutzlos ausgeliefert stehen manche Neuheiten gekonnt beleuchtet auf dieser Messe.

Neue Beletage – Zeitalter der Statements

Letztlich werden alle Möbel und Einrichtungsgenstände zu klaren Statements. Wichtiger Ausdruck von uns selbst. Herzeigbar und 100-fach geteilt und geliked. Entsteht hier eine neue Art von Einrichtung, die wieder stark auf vordergründige Repräsentanz abzielt? Eine zeitgemäße Ausprägung der alten Beletage?

Klar wird hier in Paris: Wir wollen in den Wohnräumen unsere Persönlichkeit wie nie zuvor spiegeln. Wir setzen mit unseren Möbeln, die den sachlich funktionalen Vorstellungen entwachsen, individuelle Statements. Wir setzen ein Ausrufezeichen hinter unsere Weitläufigkeit und Weltgewandtheit. Man glaubt in die Wohnungen des Sammlers und Entdeckers zu sehen, eines Bewohners, der die Unterschiedlichkeit der Welt mit großer Neugierde und als Bereicherung erlebt. Deshalb wollen wir so viel Natur wie möglich und deutlich sichtbar Handgemachtes aus den verstecktesten Ecken der Welt präsentieren. Wir tragen zusammen, weil wir unterwegs in der Welt das uns Wichtige sehen und sammeln.

Das echte (Bistro-)Leben leben

Fazit: Wer sich hier in Paris aufgrund des grenzenlosen Angebots und der schier nie enden wollenden Hallen tatsächlich vor gnadenlos durchgestylter Optik retten will – der tut gut daran, die Verbindung zur Welt, zu den eigenen Bedürfnissen, zum Wirt um die Ecke nicht zu verlieren. Diese Welt nicht nur zu repräsentieren, sie auch zu leben – sollten wir das vergessen haben?

Ich nehme die Anregungen aus Paris wieder gerne mit, reflektiere mit Abstand und mit einer Prise Humor die treublickenden Tiermotive. Nicht alle Trends tierisch ernst zu nehmen, um das echte Leben zu genießen – so widersetze ich mich der Geschwindigkeit und dem Rausch meiner Eindrücke. Dieser Gedanke bekommt schließlich abseits der Pariser Trendschau mehr und mehr Raum – im Bistro gegenüber.

Von fernen Utopien des Wohnens

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer für die Menschheit“ – dieser legendäre Satz wurde vor 50 Jahren bei der ersten Mondlandung ausgesprochen. Das legendäre Weltraumprojekt veränderte nicht nur die Sicht auf die Welt – auch unser Wohngeschmack wurde mit vertrackten Zukunftsvisionen aufgeladen. Ein Rückblick auf das Ende der 1960iger Jahre – damals wurden Vorstellungen von gemütlichen Tiroler Stuben gleich mit auf den Mond geschossen.

Die 60iger – ein Jahrzehnt greift nach den Sternen. Mode und Wohnen – als Spiegel von einem kollektiven Lebensgefühl – verändern sich völlig. Die Reise zum Mond wurde zum Sinnbild für den Verlust von totaler Bodenhaftung. Beim Wohnen: Wertvolle, alte Riemenböden fliegen raus, landen auf der Müllhalde. Stattdessen: Kunststoff, PVC und Linoleum sind jetzt angesagt – in den Farben und Formen des Dänen Verner Panton.

Bei Wetscher entsteht im Sommer 1969 die „Rote Bar“, ganz im Stile Verner Pantons und optisch wie ein Vorzimmer von Major Tom. Fließende Formen an Boden, Decken, Wänden, Kunststofflampen und verbaute Neonröhren, eine orange-rote Unendlichkeit.

Tradierte Gemütlichkeit wird zu Kleinholz

Alles sieht jetzt aus wie von weit her – der Stallgeruch der eigenen Herkunft, das Tirolerische, das Lokale wird ungenießbar. Der Blick geht weit hinaus bis zu den Sternen, hinter uns liegt der Mief der ungewollten Geschichte samt seinen Formen und braun gebeizten Hölzern. Dieser kleine Schritt auf dem Trabanten machte Kleinholz aus den gewohnten Vorstellungen von Gemütlichkeit.

Gelandet in der neuen Zeit?

Hoch hinaus schoss der Wunsch, alles Gewohnte hinter sich zu lassen und die Füße von der Erde zu bekommen. Apollo 11 war endlich der Beweis, dass wirklich alles möglich wird, dass jede noch so große gedankliche Utopie möglich ist und sich der Mensch über sich selbst erhebt. Die Tischleuchte in sprödem Plastik, grellen Farben und in wulstigen Formen einer Umlaufbahn galt als heimischer Beweis bereits gelandet zu sein – hier in der neuen Zeit.

Piero Busnelli, Gründer von B&B Italia (damals C&B, Cassina & Busnelli), trennt sich von Federn, Gurten und Spannern, um seinen Sofas den nötigen Sitzkomfort zu injizieren. Zusammen mit BASF entwickelt er einen formbaren, haltbaren Schaum, den er mit allerlei Fasern überzieht. Diese Idee lässt Möbel in Modulen für die ganze Welt bauen und die Firma förmlich explodieren. Architekt Renzo Piano baut eine neue Firmenzentrale in einem 3000-Seelen-Ort nördlich von Mailand, die aussieht, als sei sie nicht von dieser Welt. Später wird er den Wettbewerb für das Centre Pompidou in Paris gewinnen. Im allgemeinen Überschwang wird das übergroße Fauteuil „Big Mama“ in Form einer flachen Schachtel geliefert, die sich beim Öffnen selbständig aufbläht und zum formschönen Möbel wird. „Big Mama“ ist längst ein Klassiker – der Gag des aufblasbaren Schaums wegen allerlei Risiken verboten. B&B mit seinem neuen Sitzkomfort und den von italienischen Stararchitekten entworfenen Modellen ist seit 1969 bei Wetscher. Im Herbst feiern wir deshalb Jubiläum und eröffnen eine ganze neue Ausstellung.

Gewohnte Raumeinteilungen werden entsorgt

Altmodisch schien auch die Vorstellung vom familiären Zusammenleben. Im Eifer der Entstaubung alter Disziplinen wurden die gewohnten Raumeinteilungen für Häuser und Wohnungen gleich mitentsorgt. Offen, luftig, rund und fließend in den Übergängen, abgehoben von festem Boden, ja nicht auf der Erde ruhend. Das war die Vorstellung vom Wohnen im neuen, nahen Jahrtausend. Es knisterte im ganzen Haus vor Spannung und Aufbruch. Der neue, große Wetscher mit all den Stilen und Wohnwelten war am 20. Juli 1969 ein paar Wochen alt.

Wohnwolke statt Reihenhausromantik

Die Künstler Reinhard Artberg und Alois Schild schmiedeten und spannten eine „Wohnwolke“, eine Riesenwolke zum Wohnen, die artgerecht gleich auf das Dach des Einrichtungshauses geflogen wurde.

Weit sichtbar und laut hinausschreiend eine Vision des befreiten Wohnraums – eine Reihenhausromantik mit Mondanschluss, vor allem aber dem Himmel näher. Daneben legten sie ihre künstlerischen Überlegungen und Ergebnisse in Zeichnungen und Skizzen dar – die Wohnform der Zukunft für einen befreiten Menschen, die brave, rechtwinklige Raumeinteilung soll sich auflösen wie althergebrachte Konventionen im Denken. 

Was bleibt? Die Sehnsucht nach der besseren Welt!

Apollo 11 ist nach wenigen Tagen wieder sicher gelandet. Die Astronauten zogen die schweren Anzüge aus und freuten sich sicher wieder auf den festen Boden unter den Füßen.

Zurück ist großteils auch unsere „alte“ Vorstellung von der Schönheit und Qualität jener Dinge, die uns unmittelbar umgeben. Dinge von Geschichte und prominenter Herkunft.

PVC und das wirklich viel Zuviel von oranger Farbe sind in den weiten Sphären der Stilirritationen verschollen. Geblieben ist beim Einrichten der Wunsch nach einer eleganten Moderne, nach Internationalität und ihrer Verbundenheit mit dem Ganzen – und bei genauem Hinsehen, in Pantons wunderbarer Hängeleuchte „Globe“, der zarte Silberstreif als eine Verheißung für den Aufbruch in eine bessere Welt.

Das sollten Sie auch in Ihrer ganz persönlichen Umgebung nie auslassen: Ein Stück, das Wurzeln gibt, mit Geschichte und Herkunft. Etwas, das zeigt, wo Sie wohnen und wo Sie herkommen. Daneben braucht‘s aber auch ein Stück einer Utopie, etwas Phantastisches, Neues, Ungewohntes, ein Stück, das eine bessere Welt zitiert und uns an die Sehnsucht und das Lebensgefühl der Menschen in den 1960igern erinnert.

Minotti & Wetscher – eine ganz persönliche Familiengeschichte

Die Familien Minotti und Wetscher verbinden gemeinsame Geschichte(n) – und seit vielen Jahren die Liebe zum Wohnen in der Harmonie der Gegensätze: lässige Internationalität im Verbund mit alpiner Rauheit. Wir freuen uns sehr darauf, dass am 25. Jänner Alessandro Minotti nach Fügen kommt.

Minotti – dieser Name steht für den erfolgreichsten italienischen Wohnstil. Eine unverwechselbare Handschrift, die stark aus der Familie Minotti selbst und ihrem eigenen Privathaus heraus entwickelt wurde. In vielen großen Hotels und privaten Villen trifft man heute auf besondere Materialien, Stoffe, Bezüge und Farben. Minotti setzt dabei immer neue Maßstäbe in Sachen Qualität und Stil. „M“ wie „Meisterstück“, „modern“, Möbelmanufaktur“, „multifunktional und „Made in Italy“ – oder kurz gesagt – auch Minotti!

Mit Minotti ist immer auch ein Stück Familiengeschichte verbunden. Das und die langjährige Freundschaft verbindet Minotti auch mit Wetscher. Eine Schlüsselfigur dieser Geschichte ist Renato Minotti, der gemeinsam mit seinem Bruder Roberto die Familiengeschäfte leitet, und das Unternehmen erfolgreich ins 21. Jahrhundert geführt hat. Mit ihm verbindet mich eine ganz private Geschichte.

Als ich mit Minotti eines Tages über Wohnstile philosophierte, streiften wir viele Themen: den Wert zeitloser, hochwertiger Handwerkskunst, die Entwicklung unverkennbarer Handwerkskunst und unsere angestrebte Verbindung zwischen lässig-eleganter Internationalität und Heimatverbundenheit. Genau diese Harmonie der Gegensätze faszinierte Renato Minotti, denn die  frühesten Kindheitserinnerungen der Minotti-Familie sind auch mit Alpinem, mit ihren Aufenthalten in Madonna di Campiglio,  verbunden. Der Bezug zu den Bergen, zum Schnee, zu der Rauheit der Materialien – auch der Grobheit – sind in der Familiengeschichte verankert. Die Kombination zwischen alpinem Innenausbau, wie wir es in einem Chalet in Lech mit Altholz ausgeführt hatten, und ihren Möbeln empfand Minotti als besonders geglückt. Die vertraute Gemütlichkeit der Tiroler Stube, gepaart mit der internationalen, coolen Straightness von Minotti faszinierte ihn. So sehr, dass er dafür extra nach Lech reiste, um die Atmosphäre zu studieren.

Begeistert von diesem Stilmix verarbeitete Minotti diese scheinbar überraschenden Gegensätze in Folge zu ganz neuen Kombinationen in seinen Broschüren. Diese Geschichte im Kontext des Wohnens immer neu zu interpretieren – auch dieser Zugang ist ein gemeinsamer beider Familien. Ungezwungene Internationalität mit einem eigenwilligen, alpinen Style zu verbinden – das war ganz neu für Minotti. Und hat das Unternehmen zweifellos über Jahre inspiriert. Ich freue mich darauf, am 25. Jänner zusammen mit Alessandro Minotti auch über dieses Thema zu sprechen und lade Sie alle ganz herzlich dazu ein!

 

Trend 2019: Küche + Wohnzimmer = neues (T)Raumpaar!

Bei den aktuellen Wohnraum-Planungen wird ab sofort eine verblüffende Offenheit gelebt, die perfekt funktioniert. Was früher hinter Trennwänden verschwand, ist heute echte Symbiose. So haben wir das bei Wetscher in Fügen auch bereits im neuen Poliform-Küchenstudio gezeigt – als Teil der großen Wohnzimmer-Schau.

Das neue (T)Raumpaar für das Jahr 2019 steht schon fest: die Küche verschmilzt mit dem Wohnzimmer. Was früher strikt getrennt war, findet jetzt zusammen. Wie in einer echten Liebe wächst hier zusammen, was zusammengehört.

Abschied vom „düsteren Gang“

Das war nicht immer so, wie der Schweizer Architekt Peter Zumthor in seinem Buch „Architektur Denken“ eindrucksvoll beschreibt. Im Haus seiner Tante sei er erst durch einen langen, düsteren Gang gelaufen und habe so die Küche, den einzigen hellen Raum, betreten. „Alles in dieser Küche war so, wie herkömmliche Küchen eben sind. Es gab nichts Besonderes an ihr. Aber vielleicht ist sie, gerade weil sie auf diese fast natürliche Weise einfach Küche war, in meiner Erinnerung so sehr als Inbild einer Küche präsent.“

Seele des Wohnens

Was Zumthor damit wunderschön offenlegt, ist nicht die Funktion einer Küche, sondern ihr Wesen. Dort, wo alles zusammenkommt, ist das Zentrum. Die Küche als Seele des modernen Wohn(t)raums. Und was liegt näher, als dass diese Seele nun in die Mitte rückt? In das Herz der eigenen vier Wände.

Liebesheirat statt Trennwand

Das Zusammenwachsen von Küche und Wohnzimmer ist nicht wirklich etwas Neues, aber es ist eben jetzt eine echte Symbiose, eine Liebesheirat statt dem Weglassen der früher so gewohnten Trennwand. Vorbei ist die Zeit von allesbeherrschenden Abzugshauben – die Gerüche werden direkt vom Herd nach unten abgeführt. Es gibt elegante, hohe Glasvitrinen – vor allem aber die Oberflächen und Farben und feinen Hölzer aus dem Wohnzimmer-Bereich.

Die elegante Küche ist grifflos und Geräte werden nur ganz sparsam gezeigt – verschwinden eher hinter Wänden und Türen. Ein ordnender Küchenblock bietet Platz für eine kleine Essbar oder geht überhaupt in einen Esstisch über und ist die Verbindung zum Wohnen. Ideal ist eine kleinere oder größere Hinterküche mit der Möglichkeit für Stauraum, Küchengeräte und Abwasch. Die Küche schaut nicht mehr aus wie ein mühseliger Arbeitsplatz, der ständig zu reinigen ist. Die Küche emanzipiert und integriert sich – als selbstverständlicher Teil der Wohnung.

Neuer, sinnlicher Handwerksraum

Überhaupt ist dieser Küchenblock der neue Handwerksraum. Er ist Treffpunkt, Kommunikationsmittelpunkt, Werkbank für ein sinnliches, gemeinsames Erleben. Hier wird weit mehr als miteinander gekocht. Hier wird zusammen gedacht und gemacht, gelebt und genossen.
Und das ist das wirklich Neue, das gemeinsame, handwerkliche, sinnliche Tun. Wenn wir früher die reine Essenszubereitung verschämt versteckten, so holen wir das kreative Kochen jetzt auf die Bühne. Das Echte, wir wollen es sehen. Das Gute kosten. Und das Erlebnis zusammen zu sein genießen! Erst das Miteinander der Paare zelebriert das Leben – und im Verschmelzen von Küche und Wohnzimmer offenbart sich uns ein neuer Lebens(t)raum!

Tipps für die perfekte Planung

Für die übrigen Planungen hält man sich an die guten alten Tipps der Küchenplanung, die sich aus  jahrzehntelanger Erfahrung herauskristallisiert haben. Meine persönlichen Überlegungen für die perfekte Planung habe ich ja bereits einmal zusammengetragen – für mich sind sie immer noch gültig und hier nachzulesen. Der beste Tipp ist und bleibt das Gespräch mit einem Innenarchitekten, der fähig ist, wirklich den gesamten Raum zu gestalten – mit Licht, Farben, Materialien, Textilien – und diese neue Verbindung ganz elegant „mit einem unsichtbaren Band zusammenschnürt“.

Das Geheimnis des roten Fadens

Viele Küchen wirken heute klar und stylisch und fast zu sauber auf den ersten Blick. Die Emotionalität liegt in den verwendeten und untereinander abgestimmten Materialien. Das Material, seine Haptik, die Farbe ist die neue Gemütlichkeit. Die klare Linienführung gibt uns Halt und lässt uns aufgehoben sein. Diesen roten Faden, seinen Stil zu finden, ist das Geheimnis. Und erst daraus entsteht der Zauber eines neuen Wohlfühlzentrums!

Vom Reisen zu sich selbst – Eine Handwerkstrilogie (Teil 2)

Ein von Hand gemachtes Produkt steht heute hoch im Kurs. Hoch im Wert, in Ansehen und Qualität. Was ist der Handwerker aber für eine Persönlichkeit und wie wird er selbst durch sein Handwerk verändert? Was macht der Stolz aufs eigene Können und die konsequente, immer gleiche Abfolge von seit Generationen ähnlichen Arbeitsschritten für immer wieder völlig unterschiedliche Einzelmöbel langfristig mit einem selbst?

Wetscher Meisterklasse für Tischlerei und Holztechnik

Neue Eindrücke, neue Impulse

Wien, Messe für „Wohnen & Interieur“. Die Lehrlinge der Wetscher Meisterklasse scharen sich in ihren weiß gestärkten Hemden um die besonderen Exponate der Halle 10. Jene Möbel und Marken, die sie ans heimatliche Einrichtungshaus erinnern. Hier schaut aber erst einmal alles anders aus. In anderen Farben, Zusammenstellungen und Materialien. Ungewohnt. Mehr noch als zu Hause wird erkennbar, dass ein Ganzes – eine präsentierte Wohnidee – viel mehr ist, als ein einziges – noch so schönes – Möbelstück. Die leise Ahnung wird hier zur Gewissheit, hier in den Wiener Messehallen, wo der Aussteller auf wenigen Quadratmetern Standfläche die Besucher im Zeitraum eines Seitenblicks zu fesseln sucht. Für jeden „Nachwüchsler“ eine nie gesehene Dichte.

Handgefertigte Tischlerunikate – nicht nur Vampire leben ewig

Das Tischlerhandwerk ist eine spannende Berufung. Hier wird der Bogen gespannt zwischen dem Streben nach System, Präzision und Logik einerseits, und fast künstlerischen Fragen um Formen, Farben und Materialien andererseits. Wer Menschen kennt, weiß, dass dies grundverschiedene Kompetenzen sind. Es bleibt eine Kunst, genau diesen Ausgleich zu finden, das Suchen und Streben nach der Mitte. Im Ergebnis tritt jener Facettenreichtum zutage, der diese Möbel zu echten Unikaten werden lässt. Handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernt man durch Anleitung und eigenes Tun. Die Phantasie, das Spiel der Formen, Farben, das rechte Maß der Proportion erlernt man am angenehmsten auf Reisen. Deshalb, und weil sich der persönliche Blick auch schulen lässt, sind wir hier mit unseren Lehrlingen in Wien.

Messe Wiener Interieur 2018

Es geht um die Sensibilität für das Besondere, die Entfachung einer Leidenschaft. Aber geht es darum nicht immer? Später am Abend, im randvollen Musical-Theater Ronacher, singen sich die Schauspieler ihr Herz aus der Seele. Das Märchen der Vampire, laut, licht- und formgewaltig. Es raucht und blinkt und häusergroße Bühnenbilder gleiten federleicht von scheinbar unsichtbarer Hand getragen aus den dunklen Tiefen. Ein Spiel von inszenierten Emotionen. Leidenschaft auf großer Bühne.

Wien, Kaiserliches Hofmobliendepot – weltweit größtes Museum für Wohnkultur

Nächster Tag, 10 Uhr, Hofmobiliendepot – Habsburgisches Einrichtungshaus samt eigenen Möbel-Werkstätten. Zwischen Sissi, Jugendstil und der Wiener Moderne. Und den Habsburgern natürlich. Die schönsten und besten Möbel aus großen Zeiten und erlesener Provenienz. Für wirklich alle neu – Kaiser Franz Josef war gelernter Tischler. Nicht aus romantischer Neigung oder kurzfristiger Laune. Wie jeder seiner Vorfahren hat auch er ein Handwerk gelernt. Ob der imperiale Ausbildungsplan die Formung eines Charakters im Tun und Schaffen, im kleinen Stolz auf ein fertiges Möbel erkannt hat? Die wirtschaftliche Unabhängigkeit wird wahrscheinlich keine Rolle gespielt haben.

Über Sinn, Stolz & Werthaltung

Der gute Handwerker entwickelt zwischen praktischem Handeln und ständigem Denken seinen eigenen Rhythmus. Zwischen Mensch und Werkstück entsteht eine eigene, von außen nur mehr schwer durchdringbare Zeitkapsel, die oft als echte „Hingabe“ erstrahlt. Die Unmittelbarkeit zwischen Hand und Holz, zwischen Tun und Denken reinigt den Geist und schärft den Verstand. Genau hier, wo die Grenze zum Kunsthandwerk schon überschritten ist, hier beginnt das Handwerk den Menschen zu formen. Hier entsteht der leise Stolz des Meisters. Der Wert des Erschaffenen nährt auch den Selbstwert. Arbeitszufriedenheit statt Sinnverlust. Und weil besonders die Tischler der früheren Generationen den Möbeln und Einrichtungen jenes Aussehen mitgaben, das auf eine präzise Ausgewogenheit zwischen Nutzen, Material und Entstehungsaufwand besonderen Wert legte, war die Zunft gefeit von falscher Eitelkeit oder kurzlebigen Konstruktionen. Der alte Hut der Nachhaltigkeit als Bauplan und Haltung.

Firmengründer und Handwerker Franz Wetscher & Wetscher Tischler Team um 1930

So kann man sich den Handwerker als zufriedenen Menschen vorstellen. Aus dem Beruf wird eine Lebenshaltung. Ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit Eigensinn und Hausverstand.

Werde Teil unseres Teams!

Mehr als 200 Tischler haben wir hier bei Wetscher in unserer mehr als 100-jährigen Geschichte bereits ausgebildet. Unsere Familie ist es jetzt in der fünften Generation. Die neu geschaffene, eigene „Meisterklasse für Tischlerhandwerk und Innenarchitektur“ gibt der Ausbildung Rahmen und Richtung. Die Verleihung des Prädikats „Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb“ ist eine große Anerkennung von außen.  Die Ausbildung berührt und liefert in diesen Reisen bereits einen Einblick in den breiten Fächer späterer, innerbetrieblicher Karrieremöglichkeiten wie Arbeitsvorbereiter, Projektleiter, CAD Planer, Einrichtungsberater oder Innenarchitekt.

Eine Reise zum Handwerk ist vor allem eine Reise zu sich selbst. Wir hier bei Wetscher freuen uns immer über Menschen, die ihre Liebe zum Handwerk leben wollen, die aufbrechen, einsteigen und mitfahren. Gerne informiere ich Sie genauer darüber bzw. freue mich über Ihre Bewerbung: martin@wetscher.com

 

Mailand 2018 – Möbel ohne Vergangenheit oder die Reise in die eigene Geschichte

Mailand im Frühling. Messezeit für Architekten und Inneneinrichter. Hier wird gerade die größte, sicher aber die stilprägendste Einrichtungsmesse der Welt zelebriert. Mit mehr als 2000 Ausstellern und wahrscheinlich ebenso vielen Events abseits des Messegeländes. Verteilt in der ganzen Stadt, in der Zona Tortona, rund um die Via Durini und im Design District Brera.

 

Messe 2018, Vitra Plastic Chair von Charles & Ray Eames, (Entwurf 1950)

Lebensbühne – voller Kontraste & Leidenschaft

Italien wird schlecht geschrieben, geht es mir durch den Kopf – wirtschaftliche Verhältnisse, Politik, Organisation. Das Land lebt allerdings auch von Kontrasten und ganz Mailand ist zur Messezeit ein solcher. Ausstellungen und Events abseits des Messegeländes sorgen für Denkanstöße, Unterhaltung und jede Menge Lebensfreude. Nirgends – so scheint es – ist das Leben gerade jetzt üppiger und nirgends wird mehr aus dem Vollen geschöpft.

Messe 2018, Fledermaus Sessel, Knoll International (Entwurf 1938)

Ein Leben voller Kontraste und Leidenschaft – das auf möglichst großer Bühne zelebriert wird. Die Branche boomt, die großen „Brands“ der italienischen Einrichtungsindustrie sind weltweit gefragter denn je. Keine Stilrichtung dominiert. Ganz im Gegenteil: Präsentiert wird in Mailand ein vielfältiges Sammelsurium an Stilrichtungen. Jeder noch so fremde Stil, jeder Trend findet irgendwo in diesen endlosen Hallen seine Realität.

Der infantile Glaube an eine ganz andere Welt

Dreißig Jahre bei der Mailänder Möbelmesse haben – abseits der oberflächlichen Trends – meinen Blick für echte Möbelklassiker geschärft. Inmitten all der neuen Moden sind sie auch dieses Jahr wieder auf dem Messegelände zu finden: Die alten-neuen Klassiker, mit jenen starken Entwürfen, die ihre Zeitlosigkeit bereits bewiesen haben. Sofas und Sessel von Knoll International, von Vitra sowie Designerstücke von Cassina oder die Kollektion Spalt von Wittmann sind zeitlose Designhighlights.

Messe 2018 – Constanze ¾ von Johannes Spalt (Entwurf 1960)

Noch nie wurden diese Klassiker in höherer Qualität produziert als heute – aber eines bleibt seit Jahrzehnten unverändert: Ihre charakteristische Form. Möbel, die ohne „Vergangenheit“ entworfen wurden, ohne Rückblick oder Research, ohne einen Funken Achtung für eine Vergangenheit, wie sie uns im augenblicklichen Retro-Zeitgeist ganz fremd ist. Ende, Aus und Neubeginn scheint die Designdevise gewesen zu sein, zusammen mit einem fast infantilen Glauben an eine ganz andere Welt. Und der Däne Verner Panton war einer der mutigsten und erfolgreichsten Vertreter jener Denkrichtung.

Bewährtes wird nicht bewahrt

Fern ab von altbekannten Designs schuf auch Panton zeitlose Möbel mit Witz – ohne auf Vergangenes zurückzugreifen. Die Weiterentwicklung von Bewährtem kam ihm nicht in den Sinn. Panton war es, der als einer der ersten die Kunstrichtung Pop-Art in die Welt des Möbeldesigns einfließen ließ. Ein Wagnis, das uns im augenblicklichen Retro-Zeitgeist relativ fremd geworden ist. Sein Mut wurde belohnt und machte ihn zu einem der einflussreichsten und erfolgreichsten Möbeldesigner und Innenarchitekten des 20. Jahrhunderts. Ich stelle fest, dass seine Designs nur bei genauerer Betrachtung ihren leisen Hauch von skandinavischer Funktionalität und Zurückhaltung offenbaren. Panton entsagte den Retroeinflüssen und widerstand romantischen Versuchungen. Daraus entstand eine völlig neue, aufregende Formensprache.

Im Trend: Minimum an Form, maximale Materialität

Diese resultiert heute in einem Minimum an Form, bei maximaler Materialität. Kostbarer, abwechslungsreicher sowie haptischer sind die verwendeten Materialien. Ebenso prägnant wie Marmor, Kupfer und Messing ist die flächendeckende Liebe zum Detail. Vielleicht – so scheint es mir – das ein oder andere Mal mit einem ironischen Augenzwinkern versehen. Panton strebte einst mit seinen innovativen Designs keine Evolution im Design an. Er wünschte sich eine Revolution und den Einsatz von Fantasie. Heute wird aus diesem Erbe mühelos eine klare, saubere und unaufdringliche Wohnraumstimmung kreiert, die durch alte-neue Klassiker geprägt ist. Möbel mit hohem praktikablen Wert, aber auch höchster Ästhetik und Eleganz. Mit den pastellfarbenen Akzenten und minimalen Kontrasten – ohne aufdringlichen Luxus – hält so eine hohe Wohnqualität in die unterschiedlichen Wohn- und Lebenssituationen Einzug.

Zanotta Sessel NOLI 2018, De Padova Sessel DONZELLETTA 2017

 

Panton in Fügen – Poet, Revolutionär, Fantast

Wetscher Kundenbar 1969 nach Verner Phanton

Zu Recht faszinieren Pantons Designs bis jetzt und das Interesse an seinen Kreationen ist ungebrochen: So wurde auch die legendäre Wetscher-Bar einst von Pantons Möbelstücken, Farben und Formen inspiriert bzw. in Anlehnung an diese errichtet. So fühle ich mich inmitten der Mailänder Möbelhektik unmittelbar zurückversetzt in meine Jugend, die eng mit der legendären Bar im Untergeschoss unseres Einrichtungshauses verknüpft ist.

Mailand 2018 macht deutlich: Der Blick zurück ist zeitgemäß – und besser hätten wir den Zeitpunkt unserer aktuellen Sonderschau in Fügen nicht wählen können. Denn von der Qualität des ungewöhnlichen und vielseitigen Stils der Design-Legende können sich Interessierte derzeit anhand einer Ausstellung über Verner Panton – im Design Museum im Wetscher Braukeller – überzeugen.

Verner Panton Ausstellung im Design Museum Wetscher Braukeller, April 2018

NS: Das Design Museum im Wetscher Braukeller ist Mo-Fr von 9-18 Uhr und jeden Samstag von 9-17 Uhr geöffnet.

Sehnsuchtsort Chalet – oder die Sucht nach alpinem Luxus und Geborgenheit

Unverkennbar in Zeitnähe zum traditionellen Hahnenkammwochenende mit seinen Rennklassikern wurde bei uns in Fügen das neue Wetscher-Chalet präsentiert. Gilt Kitzbühel doch zu Recht als Heimat des trendbewussten, neuen Chalet-Stils, der die Sehnsucht nach alpiner Romantik mit postmoderner Geradlinigkeit in der Planung verbindet.

Rückblick zu den Rennklassikern auf der Streif und am Ganslernhang in Kitzbühel 2018: Was im Fernsehen wie ein Skirennen aussieht,  ist aus der Sicht des Zielgeländes die Geschwindigkeit des freien Falls. Skistars stürzen kopfüber den eisigen Steilhang herab. Die Sonne strahlt vom Himmel, der Schnee in der Landschaft noch mehr. Die gebirgige Landschaft, tiefgrüne Nadelbäume und das sonnenverbrannte Holz der alten Bauernhäuser streicheln den Blick.

Tirol, die Alpen. Der Sehnsuchtsort. So viele kommen von überall her, jetzt im Winter, zu den großen Rennen in Kitzbühel. Im Gebäck hatten sie schon immer ihre Vorstellung vom schönen Wohnen, von Luxus und Geborgenheit. Und genau das mischt sich nun mit der kargen Tiroler Stube. Nennt sich Chalet und zeigt den Älplern, was es heißt, ihre Welt materiell zu dramatisieren und was Luxus ist.

Weltoffenheit trifft tradierten Lebensstil

Geprägt wurde der neue alpine Wohnstil nicht umsonst in der Region rund um die Gamsstadt – dort wo die Weltoffenheit weitgereister Charaktere in konzentrierter Form auf traditionelles Handwerk und tradierte Lebens- und Wohnformen trifft. So spiegelt sich der traditionsbewusste und modern-mondäne Charme Kitzbühels heute in der gesamten Umgebung wider – besonders aber in den zahlreichen Chalets, die in den vergangenen Jahren in und rund um die Gamsstadt entstanden sind.

Die Entwürfe zeigen sich aktuell sachlich und zurückhaltend, die Formensprache ist im Hier und Jetzt.  Die Materialien sind kostbar, zeigen Herkunft und bieten der Gemütlichkeit Bühne. Der gesamte Stil ist in seiner Summe weit mehr als das Einzelne. Und lässt sich nicht auf ein meist schon bekanntes Möbel reduzieren. Die Funktionen dienen einzig der Bequemlichkeit. Der Umgang mit den unbewusst wahrgenommenen großen Umrissen des Raumes kommt aus der Moderne. Erst der kompromisslose Umgang mit Materialien, deren Authentizität oder die Art der Oberflächen sind der große Link ins Alpine. Alles andere ist langweiliger Kitsch.

 

 

Hier hat das sonnenverbrannte Altholz an der Wand wohl vorher über Jahrhunderte die Last des schweren Schnees getragen. Hier im kargen alpinen Umfeld hat sich eine überragende Handwerkskunst entwickelt. Der Umgang mit Holz ist nur in den Alpen gleichermaßen kunstvoll und technisch perfekt und trifft nun auf einen weltoffenen, von der Moderne radikal geformten Gestaltungswillen.

Wetscher Chalet: Moderne Optik, alpiner Charakter

Im neuen Chalet werden diese so verschiedenen Entwicklungseinflüsse spürbar: Die Poesie präziser Technik vereint sich mit modernem Spitzendesign, internationalen Einrichtungsmarken und alpiner Romantik. Der Grundriss ist von moderner Optik bestimmt, der alpine Charakter ist im Entwurf auf den ersten Blick oft nicht mehr zu erahnen. Die Geradlinigkeit der Planung suggeriert moderne „Kühle“. Erst die verwendeten Materialien von Altholz, Leder, über Samt und deren haptische Qualitäten sowie aufregenden Oberflächen streichen den einzigartigen Wohnstil hervor. Artfremde Elemente der Postmoderne werden mit Rustikalem gemixt – die Interpretation einer neuen Wohnsehnsucht wird auf der Höhe der Zeit zelebriert.

Perfekter Zeitpunkt für die Präsentation einer neuen Wohnsehnsucht

Und noch ein Rückblick auf Kitzbühel: Das große Zelt wird dunkel, die Scheinwerfer werden zu Spots fokussiert und folgen dem Weg der Sieger. Die drei Ersten betreten begleitet von jungen hübschen Damen die Bühne, rauschender Applaus. Auf der übergroßen Leinwand wird die Siegerfahrt eingespielt und es gibt keine Blickrichtung im Raum, in der man nicht auf einen der großen Monitore sieht. 1000 Menschen applaudieren live, die mediale Welt sieht zu und überträgt die Sehnsucht nach den Bergen auf die Masse der Zuschauer. Nach Schnee und der wilden, beherrschenden Landschaft. Nach der Geborgenheit unserer Stuben und der Gemütlichkeit geliebter Menschen darinnen. Hier und jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für die Eröffnung unseres neuen Wetscher Chalets.

Neues Jahr, neues Wohngefühl: Was Sie im kommenden Jahr jetzt endlich anpacken sollten!

Ins Jahr 2018 möchte ich Ihnen 8 konkrete Anregungen für Ihre Lebensräume mitgeben: Gedankenexperimente zwischen Entrümpeln, Blackouts, kunstvollen Traumwelten und notwendigen Grenzen zum Alltag. Kleine Anstöße mit möglicherweise großer Wirkung.

1. Neues Bett und raus mit all dem Kram aus dem Schlafzimmer!

Ihr Leben ist zu kurz für schlechten Schlaf. Jetzt endlich gibt es auch die Himmelbetten für den gesunden Schlaf – aber auch für‘s Kuscheln und Träumen. Ein Traum, der kein Traum bleiben muss. Denn die neue Haute Couture des Schlafens ist zwar Luxus – aber ein leistbarer für Körper, Geist und Seele. Eine himmlische Symphonie von natürlichen Materialen, höchstem Liegekomfort, dem schwerelosen Gefühl des Schwebens und einem Kuschelfaktor mit Suchtpotential. In Summe kein Thema für Millionäre, sondern eines für Sie. Nützen Sie den Elan zum Jahreswechsel – entrümpeln Sie Ihren individuellsten Rückzugsort – gönnen Sie sich und Ihren Lieben eine neue Dimension des Wohlfühlens – tauchen Sie ein in die Traumwelt von Wittmann und Treca Interiors Paris. Denn für 2018 gilt ganz besonders: Wie man sich bettet, so liegt man!

 

2. Mehr Licht – unsere Lebensbühne wird hell ausgeleuchtet!

Schummrig war gestern. In Konsequenz heißt das: weg mit den aus der Zeit gefallenen Leuchten. Nichts wird so schnell vom Zeitgeist überholt wie Luster & Leuchten – technisch, vor allem aber optisch. Jetzt sind Tropfen & Kugeln aus Glas angesagt. Sie spielen und spiegeln uns Licht auf Wände und besondere Oberflächen. Insgesamt darf es heller werden und weniger kosten. LED spart Geld und kann in unterschiedlichen Designs Ihre formschöne Bremse für den Stromzähler sein!

3. Entrümpeln – raus mit allem optischen Unglück aus längst vergangen Zeiten!

Trennen Sie sich übermütig gerade von jenen Dingen, die Ihnen sowieso nie gefallen haben. Omas Zinnteller, das Urlaubsmitbringsel, das mittlerweile schon im Ursprungsland entsorgt wurde – all diese Ansammlungen, die jedes Jahr ein wenig mehr werden und weiße Wände und leere Regalflächen wie ein wilder Wuchs vollfressen. Raus damit. Und für die verstaubte Fachbuchreihe aus dem letzten Jahrhundert gilt das ebenso. Bedingungslos. Schaffen Sie Platz.

Und ziehen Sie stattdessen jene dekorativen Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind, vor den Vorhang. Ein neuer Platz, ein neues Licht, ein neuer Kontext. So entsteht auch mit den gewohnten Dingen ein viel frischerer Eindruck. Wichtig: lassen Sie sich gerade dabei professionell begleiten. Nichts ist schwerer, als die zu Stahlseilen gewordenen Gewohnheiten aus einer Neujahrslaune heraus zu  ändern. Planen Sie einen Termin mit dem Innenarchitekten Ihres Vertrauens. Überlegen Sie sich Änderungswünsche und seien Sie gespannt wie sich mit der neuen/alten Umgebung die „innere Musik“ ändert!

4. Neue Bilder, große Fotos – so gewinnen Sie Perspektive!

Suchen Sie Kunst nur nach Ihrem ganz persönlichen Geschmack aus. Gerade bei modernen Exponaten bitte nur jene, die Sie wirklich ansprechen. Besuchen Sie Galerien und Ausstellungen und lassen Sie sich von Bildern, Fotografien oder Skulpturen „finden“, die Sie dann später in Ihre vier Wände holen. Als kostbare Wertanlage, als einfacher Druck oder als Schnäppchen, die Laune machen. Kunstwerke geben Ihren Räumen jene Individualität, Sinnlichkeit und Emotionalität, die ihnen von den vielen (unverzichtbaren) technischen Notwendigkeiten genommen werden. Die Fläche Ihrer an Wänden hängenden Fotos, Bildern und Kunst sollte 10mal mehr sein als die Fläche Ihres Flat-TVs. So entsteht raumbestimmende Atmosphäre!

 

5. Licht & Lärm Grenzen zeigen – machen Sie den Tag zur Nacht!

Temporäre Auszeit aus dem hektischen Tagesbetrieb gefällig? Kennen Sie die neuen „Blackouts“? Jene Vorhänge, die Ihr Schlafzimmer vom Tag zur Nacht verwandeln können. Idealerweise hinter leichten, zarten, duftenden neuen Vorhängen. In ihrer farblichen Tonalität auf den Rhythmus des Raumes abgestimmt. Bodenlang. Der Blackout verbirgt sich dahinter, hat neuerdings aber auch Farben und Strukturen zur Wahl. Und falls Sie nicht Zeit, Lust oder das nötige Kleingeld haben alle Fenster auf ein heutiges technisches Niveau zu bringen – schon die Schlafzimmerfenster gegen jene mit der besten Schallschutztechnik zu tauschen erfüllt seinen Zweck. Stille ist jetzt der neue Klang in Ihren Ohren!

6. Und immer lockt der Süden!

Auch im Tiroler Winter reizt der Gegensatz, lockt die Vorahnung auf den Sommer, die Sehnsucht nach dem Süden. Gerade in dunklen Winterabenden kann man sich mit dem Sommerfeeling für den Tiroler Garten detailreich auseinandersetzen. Mit dem Komfort, den wir aus den langen Wintermonaten von drinnen kennen und den wir nach draußen transferieren wollen.

Ein Lounge-Bereich im Freien, mit weichen Polstergarnituren, mit bequemen Sesseln an langen Tischen – um jene Handvoll Sommertage auch stundenlang in der Natur auskosten zu können. Alles wasser-,  wetterfest und praktisch für draußen, samt Kleinküche und Grillplatz – in einem schönen Wohnstil mit den tollen Möbeln von Gloster und Dedon usw. Damit wird jene Verbindung geschaffen, die Garten und Stube zu verheiraten weiß, zu einem Outdoor-Platz mit Indoor-Komfort. Die neuesten Kollektionen werden am 24. März im Hause Wetscher vorgestellt. Egal, ob noch Schnee liegt oder uns die Sonne schon wärmend in die neue Jahreszeit holt.

7. Der Tisch – Mitte des Wohnens, Zentrum des Seins!

Kochen, essen – bei sich und bei seinen Lieben sein. Schaffen Sie sich jenen Platz, der gemütlich und funktional, der einfach und besonders, einen Platz, der Ihrer ist. Ein größtmöglicher Tisch mit mutig großer Leuchte darüber, freundlichem, wertgebenden Teppich darunter und wohnlichen Sesseln. Egal ob rund oder in eine unendliche Länge gezogen. Der Tisch ist der Altarbereich des kombinierten Koch-, Ess- und Wohn-Raumes.  In praktischer Nähe zu Küche und Herd. Ein Platz, der ganz groß und in den stillen Momenten für sich und als Paar auch ganz klein und besonders sein kann. Mit neuen, tollen Geräten und einer Funktionalität, die Ihnen viele unnötige Wege und Handgriffe abnehmen, die Zeit geben fürs Bei-sich-sein. Eine handyfreie Zone mit altem Holz und neuem Licht. In der Mitte des Zuhauses, im Zentrum Ihres Seins.

 

8. Ein kleiner Schritt für Sie – ein großer Schritt für Ihr Lebensgefühl!

Der Weg entsteht im Gehen. Die Achtsamkeit für Ihre Wohnumgebung koppelt sich direkt mit der Wahrnehmung Ihres Lebens. Schenken Sie Ihren vier Wänden Aufmerksamkeit, dann wird Ihr Zuhause Energie zurückgeben – ein wertvoller Kokon im Alltagstrubel. Und Sie werden sehen: Auch durch ein bisschen neue Aufteilung, durch Entrümpeln und sinnvolle Investition verändert sich die Wahrnehmung – schaffen Sie neue Perspektiven und fühlen sich gerüstet für ein neues Jahr. Wir können die Welt nicht anhalten, aber die Zeit bremsen. Der allgegenwärtigen Beschleunigung eine private Entschleunigung entgegensetzen. Damit Sie sich wirklich zuhause fühlen, wenn Sie nach Hause kommen!

Fünf Fragen zum Thema: Wie wird das Schlafzimmer zum Rückzugsort der Seele?

„So richtig nett ist’s nur im Bett“ – der aus den 1970er Jahren stammende „Ohrwurm“ vom unvergesslichen österreichischen Entertainer Peter Alexander beschreibt eine in unserer gegenwärtigen Gesellschaft stark verankerte Sehnsucht, die in unserer lauten Welt nicht leiser wird. Der alte Schlager formuliert die aktuelle Suche nach der eigenen heilen Welt, nach temporärer Absenz aus dem öffentlichen Leben. Wie aber gelingt der Rückzug aus dem Alltag in das Innerste unserer Privatheit? Wie gestalten wir das Schlafzimmer als Hort der Entspannung, als Wohlfühlort unserer Seele?

Unsere zunehmend laute und sich immer schneller drehende Welt  erscheint auf den ersten Blick wie ein Biotop für Extrovertierte. Doch selbst für jene, die in der gegenwärtigen Hochgeschwindigkeitsgesellschaft gerne mithalten, wird der temporäre Rückzug zu einer Prämisse im Sinne individueller Selbstverantwortung. Der Anspannung muss naturgemäß eine Zeit der Entspannung folgen. Wer permanent leistet, muss auch loslassen können. Rasten statt rasen.

Ein Kokon feinster Gefühle

Wenn also draußen die Welt entfesselt ist, dann lockt hinter der Schwelle unserer privaten Räume die Ruhe, nach der wir uns sehnen. Von der Welt in die eigenen Wohnräume flüchten bedeutet auch die bewusste Abkehr vom Alltagslärm und Hinwendung an das eigene „Ich“ oder das „Wir“ als Paar oder als Familie. Und wer von den öffentlichen Räumen seiner Privatheit weiter vordringt, gelangt unweigerlich in die Kapelle der inneren Einkehr – in das Schlafzimmer und schließlich in das Bett als persönlichsten Ort. Ein Kokon feinster Gefühle, voller Ruhe oder höchster Empfindungen – ebendort ist man bei sich selbst angekommen. Geschützt vor der Welt, sinnbildlich als allerkleinste Matrjoschka, als letztes Glied dieser aus Holz gefertigten und bunt bemalten, ineinander schachtelbaren, eiförmigen russischePuppen.

Der Gestaltung dieses persönlichsten Platzes – seinem Schlafzimmer und seinem Bett – sollten wir tatsächlich höchste Aufmerksamkeit schenken und dem Wissen von Experten vertrauen.

1) Glücklich entspannt?

Rund die Hälfte aller Menschen ist glücklich im Bett, sagt eine aktuelle Studie. Viele andere sind geplagt von Schlafstörungen. Diese Tendenz ist steigend. 42% klagen in Mitteleuropa über gestörten Schlaf, bei 15% sind die Probleme behandlungsbedürftig. Tatsächlich trägt die Gestaltung des Schlafraums und die Beschaffenheit des Betts viel zur gesunden Erholung bei – die Schlafraum-Architektur als hohe Kunst. Suchen Sie aktiv die Beratung von Experten, denn das Zusammenspiel vieler Komponenten ist komplex: Einfühlsame Innenarchitektur, das richtige Bett, die passende Matratze, das stimmige Farbkonzept, die geeignete Beleuchtung mit dem sensibel gewählten Leselicht, das Ausschalten von Störfeldern, die Anbindung an Bad und Schrankraum – was am Ende reduziert wirkt und Ruhe vermittelt, wurde vorher vielschichtig analysiert und kompetent kombiniert.

2) Haben Sie Ihre persönliche Schlafkultur?

Anders als wir glauben ist der Schlaf für unser Gehirn kein Ruhezustand, sondern ein hochaktiver Prozess. Zeitweilig sind wir sogar wacher als im Wachzustand. Deshalb verdient der Ort der Entspannung ganze Aufmerksamkeit. Es lohnt sich eine eigene, höchstpersönliche Schlafzimmerkultur zu entfalten, ganz unter dem Motto: Ich leiste mir was! Das Schlafzimmer ist ein Ort der Hingabe, des sich Verwöhnens. Ein Ort der Klarheit, der Raum lässt für Bewegung von Seele und Geist. Atmosphärisch kann ein Schlafzimmer durchaus sinnliche Impulse wecken, sollte aber gleichzeitig Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlen. Farblich greifen Sie also lieber zu hellen Farben als in die dunkle oder grelle Palette. Schaffen Sie Platz für alles, was der Seele gut tut – reinigen und schlafen ergänzen sich. So wächst das Bad, das mehr und mehr zum Wellnessraum wird, mit dem Schlafzimmer zusammen.

Und was die Einrichtung betrifft: Verbannen Sie alles, was Sie an die Außenwelt erinnert, gestalten Sie den Raum, wenn irgendwie möglich, frei von Alltagskultur und Schränken. Anders als zu Großmutters Zeiten betrachten wir das Schlafzimmer heute nicht mehr als zusätzlichen Abstellraum, in den alles rein darf, was sonst keinen Platz hat, weil es dort niemand sieht. So bleibt das Schlafzimmer wirklich nur dem Bett, guten Gedanken und Ihren Träumen vorbehalten. Entrümpeln sorgt für Entspannung. Ergänzen Sie die Klarheit lediglich durch zwei, drei sehr persönliche Dinge – das verleiht intime Atmosphäre!

3) Geben Sie Umweltfaktoren und Standortqualitäten Raum?

Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Schlafraum und möglichen Optimierungen. Sorgen Sie für Ruhe, wenn notwendig für akustische Dämmung. Sorgen Sie für gute Luftfeuchtigkeit durch den Einsatz natürlicher Produkte. Wecken Sie mit einem Fenster ins Grüne oder einer behutsam ausgewählten Pflanze Urlaubsgefühle. Beachten Sie baubiologische Aspekte und setzen Sie auf Natur: Holz mit offenporigen  Anstrichen, Baumwolle – Materialien, die Temperatur und Feuchtigkeit ausgleichen.

Und schirmen Sie sich im wahrsten Sinne des Wortes von der Außenwelt ab. Vermeiden Sie elektromagnetische Strahlungen, verwenden Sie geschirmte Kabel und verbannen Sie Computer, Fernseher und Elektrogeräte, die über ihre technische Ausstrahlung hinaus zusätzliche Störfelder produzieren.

4) Legen Sie Wert auf Material und Textilien?

Verwöhnen Sie sich mit gefühltem Komfort, schaffen Sie sich eine sanfte Umgebung. Gönnen Sie sich Luxus in Form einer besonders ausgewählten Bettwäsche, besonderer Materialien und Textilien. Sparen Sie bei Bettdecken nicht an hochwertigen Füllungen und Daunen und gönnen Sie sich einen hochwertigen Topper, der den Liegekomfort, das Gefühl des Schwebens und den Kuschelfaktor erzeugt – das streichelt in hohem Maße die Seele!

5) Steht Ihr Bett für höchsten Liegekomfort?

Legen Sie das Augenmerk auf den Star im Schlafzimmer – denn selbstverständlich bleibt das Bett das zentrale Möbelstück im Schlafzimmer. Und natürlich verändern sich mit der Zeit auch die Schlafmoden. Was gibt es Schöneres als einen neuen Tag, wenn man die Nacht im richtigen Bett verbracht hat?

Lockt Sie die neue Haute Couture des Schlafens? Kunstvoll kombinierte Liegesysteme bestehend aus Obermatratze, Untermatratze und optionalem Topper – 23 cm hohe Matratzen mit innerer Abheftung und Tonnentaschenfederkern in höchster Handwerkskunst verarbeitet und durch die Verwendung der besten Naturmaterialien wie Baumwolle, Schurwolle, Leinen, Seide und Kaschmir veredelt.

Haben Sie darauf geachtet, ob der Liegekomfort zu Ihrem Schlaftyp passt? Ob das Bett im Schlafzimmer richtig platziert ist? Und ob Sie für das Schlafzimmer wirklich auch den richtigen Platz im Haus oder in Ihrer Wohnung ausgewählt haben? Rund ein Drittel aller Schlafstörungen wären vermeidbar – wenn das individuell passende Bett oder die beste Matratze ausgesucht worden wäre.

Lassen Sie sich also nie nur durch das Äußere verleiten. Design ist wichtig, aber das qualitativ hochwertige Innenleben sorgt erst für die wichtige Entspannung und notwendige Erholung – und damit für Ihre Gesundheit!

7 Anregungen zum Glücklich sein oder: Wie hole ich mir den Sommer zurück?

„Der Süden, der kann wirklich viel…“ sang einst der Lied-Poet André Heller. Wie wahr, denken wir – uns wehmütig an den endenden Sommer erinnernd. Doch die lichte Atmosphäre lässt sich auch in den dunkler werdenden Herbsttagen konservieren – gewusst wie und schon fühlen wir uns zurückversetzt in die schönen Stunden im Süden.

 Jeder kennt diesen Augenblick. Am liebsten würde man in diesem Standbild ewig glücklich verharren. Es ist der Augenblick des Sommers. Vielleicht auf einer Terrasse, ein Glas Wein vor sich, lachen mit guten Freunden, ein Blick, der in die Ferne schweift – Sonnenstrahlen, Wärme, Leben. Es ist die Leichtigkeit des Sommers, so kostbar wie flüchtig. Ein Moment zum Festhalten, ein Zwiegespräch der Schönheit – ein Gefühl zum Konservieren.

Raumstimmung schafft Atmosphäre

Tatsächlich lässt sich dieses Gefühl von Sommer, Sonne, Meer – abseits der Jahreszeiten –  in die eigenen vier Wänden zaubern. Wer sich intensiv mit Architektur und Raumgestaltung auseinandersetzt, der kommt an der Beschäftigung mit Atmosphären nicht vorbei. Wie entsteht eine Stimmung, eine Gestimmtheit eines gebauten, inszenierten Raums, die sich direkt dem Bewohner mitteilt?

Atmosphäre wird in dieser Betrachtung zu einer Kategorie der Ästhetik. Bis zum 19. Jahrhundert verstand man unter diesem Begriff vor allem die Lehre von der wahrnehmbaren Schönheit, von Gesetzmäßigkeiten und Harmonie. Wie also lässt sich die Schönheit und Harmonie des kostbaren Sommer-Augenblicks in das fortschreitende Jahr retten?

Inszenierte „Urlaubserinnerungen“

 Natürlich hat Leben in den Bergen mit seinen schroffen Unterschieden der Jahreszeiten seine Vorzüge und Besonderheiten – und dennoch  ist aufgrund des kontrastreichen alpinen Klimas gerade der mediterrane Sommer die Besonderheit, unsere ewige stille Sehnsucht. Dieses mediterrane Urlaubsgefühl wollen wir gerade jetzt sichern und in den Herbst „hinüberretten“. Und in Form von kleinen „Urlaubserinnerungen“ immer wieder abrufen.

 

 Wie bleibt der Sommer zuhause? 7 Anregungen!

  1. Die Macht der Wärme:
    Sommer, das bedeutet Sonne oder die Wärme Kretas spüren und die Sonnenstrahlen auf unserer Haut genießen. Neben einer fantastischen Raumheizung vertreiben warme Materialien die kalte Jahreszeit und verführen uns weiter barfuß wohnen zu wollen. Was sonst noch die Sonne im Herzen belässt? Die kleine, feine Sauna/Dampfbad – nicht im Keller, sondern in unmittelbarer Nähe zu Bad und Schlafzimmer. Das kleine, feine sonnige Plätzchen am Balkon, Garten oder Terrasse, der Platz am Kaminfeuer, das Kerzenlicht und die Windlichter.
  2. Der Blick ins Weite:
    Schaffen wir uns einen Frühstücksplatz mit Blick ins Freie, mit Blick in die Weite; falls nicht möglich, großflächige Bilder in tiefem Blau mit weitläufigen Landschaften, vorzugsweise mit den Farben des Meeres. Dazu gehört auch der Blick auf Pflanzen,  auf das Grün, das Sie entweder im Garten haben, am Balkon oder liebevoll im Innenraum pflegen. Der weite Blick und die Natur lassen uns gut in den Tag starten.
  3. Das herrlichste Bett:
    Ein gemütliches, weiches, im wahrsten Sinne des Wortes Himmelbett vermittelt den Komfort des gesunden Schlafes, vor allem aber das Gefühl völliger Entspanntheit. Feinste Materialien von Bett und Tuch schaffen die wohlige Behaglichkeit eines Sommerurlaubes – im entrümpelten und sinnlich inszenierten Schlafzimmer.
  4. Das schönste Badezimmer:
    Der Komfort eines luxuriösen Badezimmers mit Tropendusche, Licht und Fenster sowie die besondere Qualität der Badehandtücher lassen Urlaubsgefühle wiederaufleben.
  5. Die Kunst der Kulinarik:
    Der schön gedeckte Tisch und das rituelle gemeinsame Essen – rund um einen großzügigen Tisch entsteht ein Kraftplatz. Nehmen wir uns Zeit für die Dekoration von Besteck, Geschirr, Gläsern, Windlichtern, Blumen und Tischwäsche. Jahreszeitenkonform lässt sich der Tisch als Altar gemeinsamer Zeit inszenieren. Geben Sie dem schnellen Essplatz in der Küche eine Auszeit. Das Werktags-Essen wird so zur Festtagszeit.
  6. Der Lieblingsplatz draußen:
    Das lauschige Plätzchen für Sommer- und Wintersonne lockt auf die Terrasse oder den Balkon oder lässt sich vor einem großen Fenster gestalten. Eine Insel abseits jeder Hektik. Mit Beimöbeln und Bequemlichkeiten, die die Zeit anhalten oder endlos erscheinen lassen.
  7. Der Lieblingsplatz drinnen:
    Hier gilt das Gleiche, ein gemütliches Plätzchen für sich alleine oder zu zweit wirkt Wunder, ein wichtiger Rückzugsort von Alltag, Routine und Fernsteuerung. Ein Platz zum Lesen oder um dem ein oder anderen Laster zu frönen, zur richtigen Übung der  Langeweile, für die wertvolle Zeit für sich selbst. Plätze, um bei sich selbst zu sein, die einem das Gefühl geben, der ewigen Rastlosigkeit entrinnen zu können.

 

Überhaupt soll der eigene Wohnraum einen selbst widerspiegeln, um sich darin wieder zu finden. Der individuelle Wohnraum schafft jene Vertrautheit und Ruhe, die Entspannung zulässt –  wie wir es von den Urlaubstagen des Sommers kennen.

 

Möbelmesse Paris- Selbstbewusste Eleganz und die Sehnsucht nach der heilen Welt

Für viele Möbelliebhaber ist es ein zentraler Trendradar im Jahr – die Maison & Objet in Paris zeigte Gegensätze: Struktur und selbstverliebte Dekoration. Nützliches und „Undinge“ selbstbewusst gepaart.  Luxuriös und funktional, radikal dem eigenen Ich zugewandt, die Außenwelt abgrenzend – so entstehen höchst persönliche Illusionen einer heilen Welt. Alles dreht sich um den Bewohner, seine Bequemlichkeit und seine Vorstellung von der Welt, die sich in Farben, Formen, Oberflächen spiegelt.

Letzter Tag, schon nach 18 Uhr, Messeende. Regen und eine bis auf den letzten Zentimeter gefüllte Bahn Richtung „Île de France“. Es raucht der Kopf  von den vielen Eindrücken der mehr als 100.000 Quadratmeter großen Messe. Mein Blick wird monoton und fällt auf eine mir gegenübersitzende ältere Frau. Ihr Blick,  ihre ganze Aufmerksamkeit sind gefangen in einem Smartphone, das sie dicht vor ihrem Gesicht hält und von dessen Hülle „Katzenohren“ aufstehen. Die  physiologischen Züge, das runde Gesicht der Frau, zeugen ganz eindeutig von asiatischer Herkunft und würde sie statt ihrer Handyhülle diese spitzen Plastikohren tragen – zumindest eine Nebenrolle im Musical „Cats“ wäre ohne weitere Maske möglich. Ihr Handy ist zum Spiegelbild, zum Teil der eigenen Identität geworden. Mit den lieb gewonnenen eigenen Zügen wird das nächste, wichtige Ding der eigenen Umgebung „verdekoriert“. 

Gesucht wird das eigene „Ich“ – und damit Vertrauen

Es ist dasselbe Motiv wie die Suche nach der perfekt passenden und eingerichteten Wohnung. Die Sache vom Suchen und Finden von sich selbst und jenen Dingen, die einem selbst ähnlich sind. Das schafft Vertrauen, lässt entspannen und wird durch diese „Entsprechung“ als schön empfunden.

Die Messe dieses Jahres ist Geschichte. Aus und vorbei. Vorbei – das wurde deutlich – ist auch die Zeit der weißen Wände, von kühlem, billigem Design, das Ende von stylischem Tant. Jetzt ist Tapete wieder in. Farben, Muster aus der Pflanzenwelt und scharf geschnittene Ornamente. Ein graphischer Blätter- und Blütenwald. Ganze tropische Wälder finden sich zusammen mit farbigen Papageien oder wilden Affen an die Wand geklebt.

Natur, exotisch oder als finnischer Birkenwald, wird idealisiert und soweit in unsere Räume hereingeholt, als sie uns hilft, unsere Vorstellung einer heilen Welt zu zeigen. Wilde Pferde auf einer endlos weiten, unberührten Landschaft, eine prächtige Baumgruppe, allesamt in schneeweißem Nebelschleier – die Szenerie wird idealisiert, beruhigt und lädt ein, den Blick zu weiten.

Alles wirklich Fremde muss draußen bleiben

Echte, unberechenbare Natur aber – oder eine noch so nachhaltige Unbequemlichkeit – ja alles wirklich Fremde muss jetzt draußen bleiben. Es geht um den Bewohner, einzig darum. Seine Bequemlichkeit und seine Vorstellung von der Welt, die in Farben, Formen, Oberflächen und Strukturen, mit allem Nützlichem und „Undingen“ zum Ausdruck kommt.

Fremde Welten bleiben Dekorationen. Afrikanische Skulpturen, ozeanische Archaik, Dschungelstil und exotische Tiere – dieser üppige Mix zeigt die Vielfalt unserer Welt. Eine Vielfalt an Materialien, Mustern und Strukturen, fein säuberlich farblich abgestimmt mit den Fransen einer witzig-spießigen Schirmleuchte. So bleibt alles Fremde geordnet und kontrolliert, der Zauber der Exotik als Trophäe eines faszinierenden eigenen Ichs – als Meilenstein eines aufregenden Lebensstils – auf dem Glasregal der Retroschrankwand.

Die bunten Farben, wie Grün, Gelb, Blau, aber auch Flamingo-Pink, die an exotische Früchte erinnern, bleiben uns weiterhin erhalten.  Gerade jetzt, im verregneten Paris, holt das satte Gelb einer „Zitronenvase“ das Licht, den Duft und die Erinnerung an gerade diesen Sommer zurück.

Und Asien ist nun wieder angesagt. So präsentiert der trendige Concept-Store „Merci“ ganze Abteilungen mit japanisch anmutender Ware mit diesen zarten, ruhigen und respektvollen Formen und Farben. Besonders hip: japanisches Textil  & Geschirr, selbst Mitarbeiter sind jetzt Japaner.

Warme Farben, luxuriöse Materialität, schlichte Funktion

Die Farben reichen von Pudertönen, Rosé, Gold, Kupfer, Messing – vorwiegend warme Farben, die Gemütlichkeit ausstrahlen. Weniger ist mehr, Zurückhaltung angesagt, dafür wird viel Wert auf luxuriöse Materialität gelegt. Der innere Wert, die Ausstrahlung ergeben sich so oft erst auf den 2. Blick.

Und natürlich noch immer da ist diese funktionale Optik des Maschinenzeitalters: „metallern“ und schwarz. Auf die schlichte Funktion, auf das Einfachste und Billigste reduziert. Dazu passend sehr viel „Used-Optik“, „Shabby Chic“ und überall diese übergroßen, mundgeblasenen Glasbirnen, die wie Käfige Glühdrähte und Birnen umhüllen, die selbst aus den Anfängen des elektrischen Lichtes herrühren.

Immer öfter ist jetzt auch zu sehen, dass die Form klarer, das Material anspruchsvoller wird. Die Dinge stehen selbstbewusst wie nie für sich. Unaufdringlich, anmutig, feinst verarbeitet mit edelsten, echten Materialien. Ohne den geringsten Geruch von „provinzieller Gestrigkeit“. Ohne Prunk und Plüsch. Und im respektvollen Austausch ein wirklich neues Raumgefühl gebend.

„Alpin“ als Mosaik der internationalen Bühne?

Und was ist wirklich ganz neu, was zeigt sich noch verschämt und scheu, wird vielleicht erst zur nächsten Messe erwachsen?  Zum ersten Mal sehe ich Altholz – ist das zu glauben, hier in Paris? Altholz, wie wir es für unsere alpinen Chalets verwenden. Wird gar unser alpiner Stil jetzt Teil dieser internationalen Bühne?

 Die neue Qualität: Aufregend zurückhaltend

Die überfüllte Bahn hat sich geleert. Ich spaziere den Boulevard Saint-Germain Richtung Rue du Bac, dort wo die großen Möbelmarken ihre Schauräume haben. Eine junge Frau steht am Eingang eines „Design Week“-Ladens. Schlank und groß mit langen, glatten Haaren. Ihre Kleidung ist schlicht, unauffällig und erst der zweite Blick verrät die  Qualität großer Marken. Fein und unkapriziös abgestimmt. Eine zurückhaltende, aber selbstbewusste Eleganz an der Grenze zur Sportlichkeit. Groß und schlank, anziehend und aufregend. Genauso haben sich die neuen Innenräume gezeigt. Das ist der Trend.

 

 

Von Hingabe, Handwerk und Haltung – Eine Handwerkstrilogie (Teil1)

Worin liegt der Wert von Handwerkskunst? Ist dieser Hände Arbeit ein stiller Gegenentwurf zur lauten Massenproduktion? Finden wir in ihr Seele statt Schein? Eine Hommage an die „handliche Schönheit“, die auch unser Haus mit seiner über hundertjährigen Geschichte seit jeher begleitet.

Er ist einer der berühmtesten Architekten der Welt. Und wer fundiert dem Wert des Handwerks nachspürt, kommt an ihm nicht vorbei. 2009 erhielt er den Nobelpreis der Architektur, Pritzker-Preisträger Peter Zumthor. Von jeher begeistert der Schweizer mit seinen Entwürfen, seinem Blick für das Wesentliche, der einen klaren Bewusstseinswandel weg von der Ökonomie der Verschwendung dokumentiert. Zumthor legt viel Wert auf das verwendete Material – setzt sich aktiv für die regionale Handwerkskunst ein. Für den Werkraum Bregenzerwald, eine Initiative österreichischer Handwerker, hat er sogar ein eigenes Ausstellungshaus entworfen.

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 Alles ist in mir

In seinem Buch „Atmosphären“ beschreibt er an einer Stelle seine Beobachtungen an einem ganz speziellen Platz – Häuserfronten, Kirche, Monumente, Handwerkskunst, eine perfekte Maßstäblichkeit. Gefühlte Harmonie, die mit dem Platz entsteht und beim Verlassen entschwindet. Und er schreibt: „Ich hätte diese Gefühle so damals nie gehabt, ohne die Atmosphäre des Platzes.“ Ein Beleg für den berühmten englischen Satz, der auf Platon verweist: „Beauty is in the eye of the beholder.“ Das mag heißen: Alles ist in mir. Es gibt eine Wechselwirkung zwischen den Menschen und den Dingen. Eine Hingabe an den Augenblick. Eine Alchemie, die durch handwerkliche Schönheit, räumliche Komposition, regionale Unverwechselbarkeiten beflügelt wird – eine Magie des Wirklichen und des Realen.

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Handwerk vs. Masse, Seele vs. Schein

Vielleicht ruht hier der tatsächliche Wert von Handwerkskunst als stiller Gegenentwurf zur lauten, marktschreierischen Massenproduktion weltweiter Märkte. Hier das tiefe und zum Teil vom Aussterben bedrohte Wissen und Können traditionellen Handwerks, dort überbordender Konsum immer gleicher, zwillingsähnlicher Fließbandprodukte. Handwerk versus Massenprodukt. Seele versus Schein. Haltung und Persönlichkeit eines Individuums versus verordneter Zeitgeist konsumiert im Kollektiv.

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Für mich immer wieder spürbar: Die Qualität eines Handwerksstücks im Raum löst etwas aus, verändert den Raum. Verleiht Regionalität, Nachhaltigkeit, Unverwechselbarkeit, adelt eine Wohnatmosphäre mit Individualität. Das besondere Stück, die Einzigartigkeit, der Luxus, die Kostbarkeit stehen im Kontrast zum Massenprodukt, groß geworden in einer zunehmend achtlosen Wegwerfgesellschaft. Das Handwerksprodukt wird zur dritten Haut, zum Ausdruck der eigenen Persönlichkeit.

Konstruktives Spiegelbild eines Lebensentwurfs

Material, Verarbeitung und Entstehung lassen im besten Fall das Handwerksstück zu einem Teil von uns selbst werden – kein anderes existiert so, Möbel und Bewohner gleichermaßen unverwechselbar und sicher nicht perfekt. So wird mein Raum durch Handwerk individueller und besonderer. Kehren wir der Austauschbarkeit den Rücken. Und übernimmt das Handwerk formale Verantwortung: Zeigt Herkunft und Geschichte. Wird zum konstruktiven Spiegelbild des unmittelbaren Lebensentwurfs.
Verknüpft Geschichten und persönliche Erinnerungen, spezielle Lebensmomente mit eigenen Werthaltungen.handwerkstrilogie-moebel_5

Das Geheimnis des Einzigartigen

Die Schönheit des Handwerks liegt für den britischen Philosophen John Ruskin mehr im Detail, im Ornament als im großen Entwurf. Er spricht von „handlicher Schönheit“. Im Handwerksstück liegt jenes implizierte kulturelle Wissen des Handwerkers, das von Meister zu Lehrling, von Generation zu Generation übertragen und weitergegeben wird. Das nicht offen jedem zugänglich und dokumentiert ist, und damit auch nicht digitalisiert oder von Maschinen übernommen werden kann. Das Geheimnis des Einzigartigen, das Cellinis Goldschmiedewerkstatt oder Stradivaris Geigenmanufaktur adelte. Eine Sehnsucht nach der Schönheit höchster Handwerkskunst, die stets mit dem drohenden, unwiederbringlichen Verlust des stillschweigenden Wissens aufgeladen wird.

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Wetscher Meisterklasse oder die Liebe zum Unikat

In diesem Sinne muss traditionelles Handwerk als immaterielles Kulturerbe jeder Region gelten. Eine Verantwortung, der wir uns immer auch gestellt haben. Wetscher war und ist Teil der Tiroler Identität, mit einer über hundertjährigen Geschichte und Herkunft. Und so sehen wir eine große Herausforderung als Familien- und Handwerksunternehmen heute darin, traditionelle Zillertaler Handwerkskunst ins Hier und Jetzt zu bringen. Und handgefertigte Tischlerunikate aus den Werkstätten mit internationalem Wohndesign perfekt zu kombinieren und zu ergänzen. Dass dies ein sehr erfolgreiches Konzept ist, beweisen Eigenkreationen wie Wetscher Chalet, Wetscher New Classic, Wetscher Landart oder das Wetscher Penthouse. Die Qualität von Wetscher liegt in der Ausbildung seiner Lehrlinge zu hochqualifizierten Fachkräften. Und mit der Wetscher Meisterklasse für Tischlerei und Holztechnik unterstreichen wir Tag für Tag unsere Liebe zum Handwerk. Unser neuester Film liefert Ihnen Einblicke in unsere Tischlerei und in das Handwerk, so wie wir es verstehen:

Postskriptum: Die Fotos für diesen Beitrag entstanden alle im RIVA 1920-Holzmuseum anlässlich eines Mailand-Ausflugs unserer Wetscher Meisterklasse für Tischlerhandwerk & Holztechnik im Mai 2017. Was unsere „jungen Meister“ im Herz der Möbelmetropole so alles erlebt haben, sehen Sie in unserem kleinen Film https://youtu.be/_Pde-SukEvU

Design-Messe im Big Apple – und was man an New York einfach lieben muss

Messingmöbel aus Pennsylvania, massive Holzmöbel aus dem mittleren Westen, ein ganz neues Regalsystem in Teakholz, das ich aus meiner Kindheit von einem skandinavischen Hersteller her kenne – es ist Messezeit in NYC samt „Design Week“. Und schon mal vorab: Neu ist auf den ersten Blick hier erst mal wenig – aber nur auf den ersten Blick wohlgemerkt.

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Zwar hat sich die ICFF, die Internationale Messe für Contemporary Design, zu Nordamerikas führender Messe für Einrichtung der gehobenen Marken entwickelt, kommt aber mit ihren 700 Ausstellern aus 30 Ländern und zahlreichen Events sowie Sonderausstellungen an die Größe der beiden Möbel-Leitmessen in Mailand und Köln noch nicht heran. Die Nase vorne haben die New Yorker scheinbar nur in puncto Feierlaune: Keine Gelegenheit wird für eine Party ausgelassen,  alles wird zu einem Event und einem Happening. Das Leben wird gefeiert – man fühlt sich dort als Mittelpunkt der Welt und ist doch auch irgendwie eine Insel.

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Tradition trifft Zukunft im Big Apple

5th Avenue, kurz vorm Madison Square Park. Poliform, B&B Italia, Minotti – die Showrooms der großen Brands glänzen imperial fast Tür an Tür um die Wette. Wie überall sind es vorwiegend die italienischen Marken, die bestechen, und jenen Zeitgeist einzufangen verstehen, der mit einem Fuß stilistisch tief im letzten Jahrhundert steckt, mit einem anderen aber ein Fenster in die Zukunft öffnet. Dazwischen scheint der Augenblick ein Hier und Jetzt im Lebensgefühl, schmal und kräftig wie ein Blitz so gut getroffen, dass es einem bis unter die Haut knistert.interior-design-messe-new-york_3

Selbstbewusstes Design mit einer Prise alter Heimat

Auf der ICFF, New Yorks aufstrebender Möbelmesse, finden sich manche Wohnsettings auf den ersten Blick „aufgewärmt“. Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man Shaker statt Schweden, Manhattan statt Mailand, Urbanität mit Landhaus. interior-design-messe-new-york_4Selbstbewusst, lässig amerikanisch mit einer Prise alter Heimat. Getragen von den kurzen Wurzeln der eigenen Geschichte, von Shaker, Eames und von jenen vielen Künstlern und Kreativen, die hier eine neue Heimat fanden und vor lauter Freude ein Fenster zu einer neuen Zukunft, zu einer besseren Welt aufstießen, ohne die alte Heimat ganz hinter sich zu lassen. Im Unkonventionellen liegt hier Frische und Modernität. Papierwaben als Wandverkleidung, Kunstfelle an Wand und Decke – Hauptsache schön zum Anfassen. Der Trend heißt Haptik, heißt „Anfassbares“ – erschaffen für eine zunehmend unfassbarere, digitale und virtuelle Welt. Erkennbar, ein starker Hang zu einem sinnlich, wahnsinnig femininen, ethno angehauchten Einrichtungsstil. Träumerisch leicht, farblich intensiv und abseits jeder technischen Konstruktion.

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Und es gibt ihn, den Ansatz eines neuen Wohnstils, mitten in Soho neben prominenten Marken wie Artemide, Foscarini, Boffi, de Padova, aber auch Pop-up-Stores von Louis Vuitton und Rebecca Minkoff. Hier hat der amerikanische Leuchten-Hersteller Roll & Hill gerade ein neues Studio eröffnet. Ein leichter Landhausstil in moderner Bausubstanz, zwei bis drei amerikanische Klassiker, etwas Kunst, insgesamt sehr reduziert, aber gekonnt und  selbstbewusst inszeniert.

Dekoration ist das neue Handwerk

Gott gab dem New Yorker seine zwei Hände für Pappbecher und Handy. An und in seinen Ohren klingt Musik oder es wird telefoniert. Jeder scheint in der Masse von Menschen für sich alleine zu sein. Nimmt der New Yorker seine Kopfhörer jedoch einmal ab, ist er der freundlichste und hilfsbereiteste Städter, den ich kenne.

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interior-design-messe-new-york_7Und diesem Städter ist der eigentliche Möbelbau, gutes Handwerk fremd. Die New Yorker sind mehr Dekorateure. New York, die Stadt der wechselnden Identitäten. Weil es alles und jeden noch so kleinen Kulturkreis hier gibt, gilt es, fürs eigene Heim diese Identitäten unter einen Hut zu bringen. Eine Meisterschaft des Sowohl-als-auch. Die Kompetenz des Innenarchitekten liegt in der Dekoration, aus einer schier unüberschaubaren Vielfalt eine ganz neue Einzigartigkeit zu kreieren. Die Herkunft zeigt, Wurzeln bietet und damit eine unverwechselbare Identität schafft.

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Was uns nach New York führt – und was wir am Big Apple lieben…

Abends, Madison Square Park. Es regnet in Strömen. Ein paar Menschen sehen angestrengt durch das Schaufenster eines Möbelladens. Aus dem Augenwinkel nehme ich wahr, beobachtet zu werden. Unsere Blicke treffen sich und gleichzeitig sind wir überrascht und erfreut. Pietro Galimberti, der Senior unserer italienischen Edelpolstermarke Flexform steht vor mir. Sein Neffe Giuliamo, die Exportleute – ein freudig überraschtes Begrüßungsritual. Ich frage gleich, warum er hier ist, welche Läden er sich ansieht, was es Neues gäbe hier in NY. Er kokettiert mit überraschtem Blick, erklärt, er sei nicht wegen der Möbel hier, sondern wegen des Essens und verfällt mit der ganzen Gruppe und uns in schallendes Gelächter. Stil und Geschmack lassen sich in Form von Möbeln, Stoffen und Materialien eben oft leichter exportieren als die gute italienische Küche.

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Mailand. Wie der Vater, so der Sohn.

Möbelmesse in Bella Milano. Wie jedes Jahr ist da vorher dieses Lampenfieber, ein Kribbeln wegen dieses wichtigsten Events im Einrichtungs-Jahreskreis. Viele große Marken, Fabrikanten, Händler- und Verbandskollegen, Designer, Architekten, Trends, Termine, Erwartungen und Ziele.

Eine solche Messe – samt den unzähligen Veranstaltungen in der Stadt – ist natürlich nicht nur Show für produzierte Neuheiten, sondern auch der Treffpunkt der Branche. Jedes Jahr aufs Neue kommt man mit vielen neuen Impulsen, mit Motivation und der Bestätigung nach Hause, im schönsten aller Berufe zu sein.

Und heuer ist es ganz besonders: Mein Sohn Maximilian begleitet mich, ist zum ersten Mal in offizieller Mission mit dabei. Was für eine Freude, was für ein Stress! Vater und Sohn, wir sind ein Team.

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Bei nicht wenigen großen Möbelmarken hatte sein Großvater mit dem Großvater jenes Mannes zu tun, der uns jetzt gegenübersteht. Das schafft Vertrauen. Wir sind als kleines Tiroler Unternehmen hier in Mailand zu einer echten Marke geworden. Jahrzehnte der Zusammenarbeit.

mailand-salone-mobile-2017_4Heute aber geht es um die Trends der Saison, um die Neuheiten und Entwicklungen, ums richtige Erkennen, was von dem so schnell wieder verschwindet wie es gekommen ist und was sich zum echten Stil mausert – was bleibt. Es geht um den Blick fürs Schöne. Und naturgemäß sehen Vater und Sohn diese Stadt, die vielen neuen Farben und Designs aus doch sehr unterschiedlichen Perspektiven. Die Aufgabe besteht darin, den Blick festzuhalten, vieles von dem mitzunehmen nach Hause, gebannt auf Foto und Film – jeder mit seiner eigenen Kamera.

mailand-salone-mobile-2017_1Am Abend sichten wir das Material, bearbeiten erste Bilder. Es ist fast 21 Uhr, wir kommen aus dem Baxter Cinema, dem angesagtesten Ausstellungsevent für Kunden mit „Reinlass-Rauferei“ für Nichtkunden. Von Möbeln ist nicht mehr viel zu sehen. Das fantastisch lange Clubsofa in angesagtem Braun ist jetzt nur mehr mit Publikum abzulichten. Kurz vorher gelingt noch ein schönes Bild vom über dem alles in dieser Stadt formal erhabenen Duomo.

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Wir schneiden die kurzen Videoclips, versenden versprochene Trendbilder. Ist es schon sichtbar, jenes unsichtbare Band, das alle diesjährigen Formen, Farben & Materialien verbindet? Jener gemeinsame Nenner, der Jahre später als eindeutiger Zeitstempel vielem jetzt so hippen anhaften wird? Durchs offene Fenster dringt das Klappern von Besteck und Geschirr, das Lachen und die lauten Gespräche der Barbesucher zu uns herauf. An Essen ist jetzt nur zu denken.
mailand-salone-mobile-2017_2Ich kann kaum glauben, was Max gesehen und mit Fotos und Videos festgehalten hat. Wir waren doch auf derselben Messe. Haben, so dachte ich, Ähnliches betrachtet. Wenn ich die Bilder von Max sehe, ist da aber plötzlich so viel Neues, Jugendliches. Die Kamera ist zum Spiegel der eigenen Wirklichkeit geworden, seiner und meiner. Wir beide lieben Möbel, teilen dieselbe Leidenschaft, haben über große Teile sogar dieselbe Ausbildung. Trotzdem ist der Blick ein anderer, muss ein anderer sein. Es ist der Beginn einer anderen Generation und damit einer neuen Geschichte…

Max und Martin Wetscher’s Trendbericht-Video von der Salone del Mobile 2017 aus Mailand:

So wird draußen zum besten Wohnraum – die 7 aktuellen Gartentrends

Sommer in den Bergen ist Auszeit von der Hitze der Stadt, ist Auszeit von der langen, kalten Jahreszeit. Es sind diese kostbaren, wenigen Tage, in denen sich unsere Natur in ihrer ganzen Pracht und mit all ihren Vorteilen zeigt. In unseren großen Gärten oder kleinen Balkonoasen versuchen wir dieser Zeit, diesen Momenten privaten Raum zu geben. Deshalb sind der Garten und seine Gestaltung heute und gerade hier in Tirol so wichtig.

Dabei wollen wir  exakt dieselben Bedürfnisse befriedigt wissen wie auch im Innenraum. Der Garten wird mehr und mehr ein Teil unseres  Wohnraums. Gartenmöbel unterscheiden sich kaum noch von jenen in unseren vier Wänden – wichtig ist nur, dass die Materialien wetterfest sind. Angesagt sind Möbel aus Rattan-Geflechten, aus hochwertig gebürstetem Metall oder aus Holz, das auch rauen Witterungen standhält.

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Die Küche wandert in den Garten

gartentrends-2017_3Und weil wir in der warmen Jahreszeit viel lieber draußen sind, verlagern wir auch unsere Tätigkeiten ins Freie. Stark im Trend liegt beispielswiese das Thema „Kochen“ unter freiem Himmel. Und dabei müssen wir auf nichts verzichten: komfortablen, hochwertigen Outdoorküchen – die technisch alle Stücke spielen – sei Dank! Der passende Griller darf in unseren grünen Oasen natürlich auch nicht fehlen –  meist ist dieser eines der ersten Geräte, die für einen neuen Garten angeschafft werden.

Angesichts des Schönen beruhigen wir uns

gartentrends-2017_2Das Motto heißt „Rückzug & Relax“. Und weil das in einer komfortablen, aber unbedingt auch schönen Umgebung einfach besser gelingt, gilt es bewusst hinzuschauen, langfristig zu denken, gescheit zu planen. Unseren Garten, egal ob klein oder groß, gestalten wir also wie den besten Wohnraum, idealerweise mit Blick in „die Küche“, auf Griller und Gartentisch. Praktisch, bequem und sehr, sehr schön. Denn das wissen wir schon von der Planung unserer Innenräume: In jeder Schönheit liegt auch das Gute, eine Ordnung der Formen. Im Angesicht des Schönen werden wir selbst wieder „geordnet“,  beruhigen uns und lassen los.

Blech & Plastik im Grünen – das war gestern

Die Gartenmöbel von gestern waren Objekte aus Blech und Plastik. Sie hatten nichts zu schaffen mit den Wohnmöbelherstellern, die den Innenbereich ausstatteten. Heute ist alles anders. Weil diese Aufmerksamkeit für draußen eine allgegenwärtige zu sein scheint, haben die großen internationalen Möbelmarken alle ihre eigene Gartenmöbelkollektion. Komfortabel, mit edlen, wetterbeständigen und raffiniertesten Materialien. Und so sehen sie auch aus. Besonders wertvoll, edel, schön und gebaut für viele, viele alpine Sommer.

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7 aktuelle Gartentrends:

  1. Innen hui, außen pfui geht gar nicht mehr. Bewusst schön gestalten und über alle Wohnbereiche – bis in den Garten. So lautet das neue Motto und damit legen wir ein unsichtbares Band quer durch alle Innen- und Außenräume als Ausdruck unseres ganz individuellen Stils.
  2. Raffinierte und versteckte (Wärme-) Funktionen überraschen draußen und helfen dem gemütlichsten Platz im Freien gerade in noch frischen Frühlingsabenden um ein paar Grad nach.
  3. Grillen, Kochen und Essen unter freiem Himmel. Neben immer größeren und ausgereifteren Grills haben sich jetzt auch hochwertige Outdoorküchen durchgesetzt. Individuell zusammengestellt, ganz nach den Vorstellungen des Grillmeisters. Und das Ganze funktioniert auch im Winter, wenn man will!
  4. Zurück zur Natur! Rationalität – ein zu viel an künstlichen Anlagen, fremdartigen Pflanzen und Steinen, japanischem Kies – alles out. „Rund um den Bauernhof“ ist in diesem Jahr die Devise und zwar in Farbe und Material, in schlichter, praktischer Einfachheit, in stiller, bequemer Eleganz.
  5. Die große, weiche, tiefe Sitzgarnitur lockt ins Freie, die zum Relaxen, Zusammenliegen, Sitzen einlädt. Die jeden Regenguss verträgt und im Nu wieder trocken, sitzbereit ist. Ein Lieblingsmöbel, das ganzjährig nach draußen einlädt.
  6. Ein Outdoorteppich, der harte Beläge, Stein und Fließen sanft und farbenfroh verschönert. Einer, der den Tritt elegant abfedert und sich insgesamt in die Gestaltung eingliedert. Ein Teppich, der „draußen“ noch wohnlicher macht.
  7. Wir lieben die Renaissance des Liegestuhls in vielen Varianten und Ausführungen. Ein Möbel für den Schattenplatz unterm Apfelbaum. Dort, wo die persönlichsten Rückzugsstunden ein Maximum an Sommer in die Seele fließen lassen.

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Die sieben „goldenen“ Regeln für die gute Küche

Viele tausende Küchen hat Wetscher in den Jahrzehnten gebaut, teils gekauft, immer aber selbst geplant. Was aber macht die perfekte Küche heute aus?

Haben wir bei Wetscher immer schon Küchen gemacht? Es gibt noch eine Kredenz hier im Zillertal, die das belegt. In einem Gasthof, die meinem Urgroßvater zugeschrieben wird. Handwerklich  war die Arbeit meines Urgroßvaters ein Meisterstück – im Stile aber rückwärts statt vorwärts zeigend. Inzwischen sind es wohl tausende Küchen, die wir teils selbst gebaut, teils gekauft, immer aber selbst geplant haben.

Erinnerung: Mit unserer neuen Küche war plötzlich alles anders

Erzählenswert ist die Geschichte unserer eigenen Küche. Einer damals in vielerlei Hinsicht wahnsinnig modernen Küche, einem Meilenstein – Mitte der 1950 Jahre – keine Evolution, eher eine Revolution für Familie und Firma.

Es war die Zeit eines Neuanfangs und jede Erneuerung sollte zeigen, wie weit die unmittelbare Vergangenheit bereits Geschichte war. Eine Trennlinie zwischen neuer und alter Zeit, sichtbar gemacht an ein paar Möbeln. Die neue Küche sollte Programm sein für die ganze Firma. Bis dahin war man froh, überhaupt etwas erneuern zu können. Die Frage des Aussehens war eine sekundäre, weil richtige Handwerker immer wussten, wie etwas auszusehen hatte. In einem Tiroler Tal glich jedes Haus dem anderen und jeder Schrank existierte formell schon hunderte Jahre.

Mit dieser Küche nun war alles anders. Idee und Form waren neu – wenn auch in den alten Raum gegossen. Jeder einzelne der damals wenigen Mitarbeiter war entweder klar dafür oder klar dagegen. Ganz klar. Die alte Küche bestand bis dahin wie überall aus einem mit Brennmaterial befeuerbaren Gussherd, Kredenz, Speis, Tisch – alles ein wenig zusammengewürfelt. Ein praktischer Arbeitsraum, offen zu Garten und Vorratsräumen, immer warm und nur gemütlich durch die im Handwerkerhaushalt ständige Betriebsamkeit und eine stets gut gelaunte Köchin.

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Neues Material, neue Verarbeitung, das schrie nach neuen Formen. Mein Vater – als jüngster Tiroler Tischlermeister gerade erfolgreich an der Wiener Kunstakademie aufgenommen – zeichnete und entwarf seine Vorstellung einer besseren Welt. Erstmals gab es Pressspanplatten und Resopal – eine Papier/Kunststoff-kombination, das Möbelmaterial der folgenden 60iger Jahre. Eine neue Formensprache, die zwar mehr in die neue Zeit als in unseren alten Raum passte.

Der Meister zeichnete, die Tischler bauten begeistert mit den neuen Materialien. Abschneiden, Kantenkleben, fertig. Endlich war‘s vorbei mit diesem schwierigen Massivholz, das sich unberechenbar in alle Richtungen immerzu verändert. Das für größere Flächen so viel Arbeitsschritte, so viel Überlegung verlangt. Unvorstellbar, dass gerade diese Handwerkskunst Jahrzehnte später wieder zum Qualitätsbegriff eines Möbels werden wird.

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Wetscher Küche 1956

Heraus kamen nun Schränke mit großen Frontflächen. Farbig in gelb und grau. Wand zu Wand, Boden zu Decke. Verbaute Flächen, die in ihrer platten Einbauweise schrecklich modern wirkten. Die großen Flächen wurden nur durch die feinen Linien der dünnen Korpus-Platte unterbrochen und geordnet. Das Spiel mit den zwei konträren Farben auf den Fronten war zwar sicher weniger musikalisch als bei Mondrian, der großen Bewunderung tat dies aber hier keinen Abbruch. Wahnsinnig modern war das und diese Küche wurde systematisiert und zum Verkaufsschlager.

Auch die Haltbarkeit überzeugte. Zwar wurden die Geräte öfters erneuert, letztlich wurde in dieser Küche aber über 60 Jahre (!) täglich gekocht.

Rückblick: Die Geschichte kennt zwei Typen von Küchen

Historisch betrachtet gibt es zwei Küchentypen. Den schlichten, praktischen Arbeitsraum im Souterrain eines Stadtpalais, jenen Raum, den nur das Personal von innen kennt. Oder unsere Bauernküchen, jenen belebten, beheizten Raum, den wir selbst von unseren Eltern oder Großeltern her kennen und der zur Typologie der Wohnküche, des gemeinsamen Raumes mit Kochen, Essen und Wohnen geworden ist.

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Frankfurter Küche 1926 von M. Schütte-Lihotzky

Die Möblierung war über die Jahrhunderte uneinheitlich – Ofen, Tisch, Kredenz – eher praktisch und zusammengewürfelt. Durch den sozialen Wohnbau nach dem 1. Weltkrieg stieg der Bedarf nach praktischen, kleinen Einbauküchen rasant. Legendär wurde die von Margarete Schütte-Lihotzky Mitte der 20er entworfene sogenannte „Frankfurter Küche“ – detailgetreu ausgestellt im Keller des MAK in Wien – erstmals auch aus Sicht einer Frau konzipiert.

Heute haben sich die Anforderungen an unsere Küchen radikal verändert. Weil technisch geheizt und geruchsentlüftet wird. Weil die meisten auch anders kochen als einst ihre Großeltern. Weil sie anders aufbewahren, vorsorgen und einkaufen, andere Tages- und Lebensgewohnheiten haben.

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Varenna Küchen- Möbelmesse Mailand 2016

Gegenwart: Die Küche als „Statement-Shirt“ des Wohnens

Deshalb ist die Küche heute Teil des offenen Wohnraums und gleichzeitig letztes Statussymbol. Die Küche ist mit dem Esszimmer der letzte öffentliche Raum. Und die Küche gilt heute als Statusobjekt, wird hergezeigt, wirkt wie ein Statement-Shirt des Wohnens.

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Varenna Küchen – Möbelmesse Mailand 2016

Durch die heute meist offene Gestaltung muss die Küche jetzt wieder sehr viel wohnlicher wirken. Die klassische Speis mutiert heute zur Hinterküche – ein vom Esszimmer uneinsichtiger Teil der Küche, die neben der Aufbewahrung auch dem Abwasch oder grober Zubereitungen dient. Die Einsicht in die Küche selbst ist Teil eines gesamten Farb- und Materialkonzeptes. Die Küche längst nicht mehr isolierte Zelle im Irgendwo. Und genau deshalb werden die Planung, die technische Umsetzung, die Materialien, die Farbabstimmung, die Atmosphäre so wesentlich. Eine komplexe Aufgabenstellung, die das Herzstück der eigenen vier Wände betrifft.

Varenna Küchen- Möbelmesse Köln 2017

Um genau das, gemäß den individuellen Bedürfnissen nicht nur gut, sondern möglichst perfekt zu können, haben wir die besten Planer, die besten Küchenhersteller als Partner und bauen selbstverständlich immer auch noch Küchen selbst.

Meine 7 Tipps für die perfekte Planung

Und wenn ich heute eine Küche für meine eigenen Bedürfnisse plante, dann würde ich jedenfalls folgende 7 Punkte beachten:

  1. Beim Planen nicht alleine auf die eigentliche Küche konzentrieren.Gleich den Ess- und Wohnbereich mitplanen. Sonst wird die Küche eventuell zu groß und der Wohnbereich zu klein oder es ergibt sich aus zu unterschiedlichen Farben, Formen und Materialien kein großzügiges Ganzes. Auch eine neue Küche wirkt dann wenig stilvoll.
  2. Einen Dampfgarer einplanen – denn das gesunde Garen muss heute in jeder Küche möglich sein.
  3. Auf das goldene Dreieck achten: Feuer, Wasser, Aufbewahrung im richtigen Verhältnis ist etwas sehr Individuelles, ist meist dann gut, wenn es unseren Gewohnheiten entspricht. Die kurzen, praktischen Wege dazwischen, ein geschickter Ablauf – auch in einer großen, sehr modernen Küche – bleibt ungeschlagene Planungspflicht und ist der täglich neue Reiz für Koch & Köchin. Auch wenn die Küche rein optisch schon in die Jahre gekommen scheint.
  4. Bitte keine Farb- und Trendexperimente.
    Die Küche ist das langlebigste „Möbel“ in jedem Haus, in jeder Wohnung. Sie muss optisch über den Zeitgeist erhaben sein. Vergängliche Farben, kurzlebige Moden sind wichtig, um die eigenen vier Wände gemütlich ins Hier und Jetzt zu hieven. Kaufen Sie aber um Gottes Willen keine orange Küche.
  5. Unbedingt rein in eine neue Küche sollen heute alle Geräte, die das Leben einfacher und praktischer machen, die helfen, Zeit zu gewinnen.
    Aber Achtung: Die Technik sollte konsequent einfach, bewährt und von solider Langlebigkeit sein, die Marke der Geräte einen kompetenten, schnellen Service bieten. Niemand braucht oder nutzt wirklich 23 Wasch- und Spülprogramme.
  6. Auch die schönste Küche braucht ihre Bewohner. Das Wichtigste der Küche ist für mich daher der Küchentisch. Letzter realer Ort gelebter Gemeinsamkeit einer Familie. Der Tisch als hölzerne Einladung zum Gespräch, zur gemeinsamen Zeit. Gebautes Facebook sozusagen. Deshalb ist der Tisch, seine Größe, seine Position im Raum auch so wichtig. Stimmen die Dinge, gibt der Tisch Halt, Respektsabstand und ein Gefühl von Gemeinschaft.
  7. Der letzte Tipp stammt von einem älteren Wiener Innenarchitekten, der es immer damit hielt, ein gutes Einvernehmen mit einem nahen Wirten durch regelmäßige Besuche herzustellen. Der freundliche Wirt ums Eck als Freund. So gepflogen kann die eigene Küche auch einmal kalt bleiben und die eigenen Kochkünste sich in Bescheidenheit üben.
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Wetscher Bulthaup Studio

10 Trends für 2017: Retro verschmilzt mit Zukunft

In diesem Jahr gehen wir in Deckung – vor der Welt in ihrem momentanen Zustand. Unsere Wohnräume mutieren zu stilvollen Schutz- und Rückzugszonen – erzählen von der Sehnsucht nach Gestern und sind doch in ihrer raffinierten Konzeption & Verarbeitung alternativlos vom Zukunftsglauben geprägt.

Um der jedem Neubeginn innewohnenden Lebensfreude etwas Schwung zu geben, gilt es seine eigenen vier Wände aufzumöbeln, auszuräumen und den Zeitgeist 2017 hereinzulassen. Aber: Sollen wir wirklich jedes Jahr in unseren Wohnräumen etwas ändern? Uns echten und herbeigeschriebenen Trends unterwerfen? Ist ein Jahr nicht zu kurz, um liebgewonnene Klassiker, Materialien, Bilder, Farben zu ändern?

1) Die Vorstellung einer besseren Welt

Ohne Zweifel ist es klug, alle fest verbauten Möbel mit hohem Qualitätsanspruch, mit ausgeklügelter Funktionalität, frei von jedem Zeitgeist sowie formalem und farblichem Zeitstempel auszusuchen. Je mobiler, je kleiner aber ein Einrichtungsgegenstand ist, desto öfter darf ihn der Zeitgeist fressen. Kissen, Decken, kleine Einzelmöbel oder Farben dürfen sich ändern, wie wir Menschen uns ja auch im Laufe der Zeit. Denn die Art und Weise wie wir wohnen, repräsentiert auch immer uns selbst und unsere Vorstellung von einer besseren Welt und wer wir im besten aller Fälle sein könnten – sagt der englische Philosoph Alain de Botton. Und es sind eben auch in den Wohnräumen genau diese kleinen i-Tüpfelchen, die uns in dieser Zeit, in der wir gerade leben, markieren und uns helfen, auch wirklich gegenwärtig zu sein, im Hier und Jetzt.

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Die Krisen, die auch den Beginn des neuen Jahres kennzeichneten, graben sich weiter ein und hinterlassen immer tiefere Spuren in unseren privaten Räumen. So verstärkt sich die umfassende Schutz- und Rückzugsfunktion unserer Wohnräume. Wir gehen in Deckung vor der Welt und ihrer momentanen Realität.

2) Vorwärts in die Vergangenheit

interior-trends-2017_2Im Jahr 2017 blicken wir zurück und richten gleichzeitig unseren Blick fest in die Zukunft. Was bedeutet das? Wir machen es uns schön und greifen bei Farben und Formen zurück in die Vergangenheit. Retro heißt und ist die Neuheit. Retro und die Eleganz längst vergangener Dekaden. Im Stil „bruchlos“, berechenbar – so anders als die Welt vor der Tür. Jede Farbe, jede Form ergibt sich aus dem, was schon da ist. Das beruhigt und entspannt und wird ganz allgemein als schön empfunden. Nur die vielen neuen Funktionen, raffinierte Verarbeitungen, gelaserte Oberflächen, all das scheint aus der Zukunft zu kommen, überrascht und darf alleine ein Fenster in die Welt der neuen Möglichkeiten aufmachen.

3) Sehnsuchtsort unberührte Natur

Hier reihen sich Materialien wie Holz, Wolle, Filz und Leder aneinander, wir sehen aber auch eine allumfängliche Verwendung der Farbe Weiß.

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Der neue Drang zur Natur, zu einer Ursprünglichkeit, äußert sich auch in einem neuen Landhausstil, ganz abseits von romantischer Deko. Eine Klar- und Echtheit von Altem, zweckentfremdet, neu interpretiert in einer Kombination, die interior-trends-2017_3-4Geschmack und Stil ausstrahlt. Messing, Kupfer und Stein. Echtes und Edles. Vorbei sind die Zeiten scharfkantiger, reduzierter, weißer Kunststoffmöbel und jener kühlen Abstandsatmosphäre, die solche Möbel ausstrahlen. Eine neue, stilsichere Gemütlichkeit muss es jetzt sein. Eine Gemütlichkeit, wertvoll und elegant.

Und für die cooleren Avantgardisten? Die Raumatmosphäre einer Maschinenhalle, viel Schwarz-Weiß-Kontrast voll mit Möbeln und Accessoires aus den 40igern und 50iger-Jahren des letzten Jahrhunderts. Aber auch hier gilt: edler Samtstoff, dunkle Blautöne, Nussholz, Messing und edle Details.

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Wichtig ist die Abstimmung – aus einem Raum, aus Altem und Neuem, entsteht etwas Einzigartiges, etwas das zum Bewohner passt. Wir zelebrieren Individualität, zeigen, wer da wohnt, partizipieren aber auch vom kollektiven Gefühl unserer Zeit.

Und was bleibt? Die Dschungel-Optik großblättriger Pflanzen oder als Muster auf Tapeten, naturgetreu oder bis zum dekorativen Ornament abstrahiert. Ein Hauch von Exotik zieht damit ein in unsere alpinen Räume.interior-trends-2017_3-2

4) Klare Formen, scharfe Kanten und eine neue Ordnung

Scharfe und raumbeschreibende Schattenfugen illustrieren den Wunsch nach Halt und Ordnung. In einem Leben voller Terminkalender, täglich abgefeiertem Chaos ist die Regelmäßigkeit einer Schrankwand, die Wiederholung einer sauberen Flächenteilung, abgestimmte, weiche Farben von hoher symbolischer Bedeutung. All dies lädt ein zur Entspannung, zum Wohnen, Wohlfühlen und Loslassen. Weil der Raum und die Möbel durch klare Fugen und regelmäßige Teilung Halt, Übersicht und Hoheit widerspiegeln.

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Präzise abgestimmte Farben der Materialien und Oberflächen wirken wie Weichzeichner unserer Stimmungen oder regen uns an, erbauen uns, durch die feine Abstimmung von komplimentären Farben oder Formen. Der Raum wirkt aufgeräumt und das färbt ab – auf das individuelle Wohlbehagen.

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5) Die Poesie des Lichts

Das Spiel mit Licht, die Brechung durchs mundgeblasene Glas, gibt dem Raum eine zauberhafte Stimmung, bringt die Poesie in unsere vier Wände. Helle und dunkle Linien zeichnen sich an Wand und Decke, entführen uns in Tagträume und lassen die Qualität von wertvollem Handwerk erstrahlen.

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Es leuchtet aus vielen kleinen Quellen oder aus einer Leuchte, die wie gewachsen wirkt, oder wie ein Mobile die Vergänglichkeit und Verletzlichkeit des Augenblickes manifestiert – Gegenpart zum massiven und zentral thronenden Tisch, der fest verwurzelt Halt bietet.

6) Großzügigkeit & Luxus

Eine neue Großzügigkeit wollen wir in unseren Wohnungen manifestieren – riesige Sofas und Wohnlandschaften mit unterschiedlichen Sitzhöhen und Komfortbereichen. Zum Entspannen, zum Lesen und Liegen, als Sitzgelegenheit für eine ganze Gruppe oder zum idealen Genuss für Film und Fernsehen.
Mit zahlreichen Kissen und Decken, mit Leuchten und Bei- und Kleinmöbeln und dem edlen Teppich als Bühne für das alles.interior-trends-2017_6

7) Neue Qualität der Begegnung

Neu ist auch das bewusste Gestalten von Begegnungsräumen. Platz und Ort für die Gemeinsamkeit. Für die Familie. Gemeinsames Essen und Trinken, Zeit für Gespräche gewinnen wieder an Wert. Klassiker dafür ist auch 2017 der große Tisch als sichtbar gemachter Ort für eine neue Gemeinsamkeit. Wohnen ist zum Rückzug geworden. Entspannt entfleucht jeder für sich in weite, virtuelle Welten. Social Media heißt so auch gemeinsam bei sich zu sein.

8) Textil & Tapeten

interior-trends-2017_8Auch hier werden viele Muster und Macharten von „Mutter Natur“ beeinflusst. Endlich wieder! Wichtig ist, Textiles muss wieder in unsere Räume. Nach den Jahren des Entweder-oder, nach den Jahren des Design oder Textil dürfen jetzt auch in modernen Räumen Tapeten, Teppiche und Vorhänge die Atmosphäre veredeln. Textilien im Raum wärmen unser Herz schon beim Anblick, manch allzu klare Raumkante wird ästhetisch entschärft. Als Tapete, Kissen, Vorhang oder Decke ist jedes Textil auch gut zum Abbilden vergänglicher Formen und Farben und bringt damit den Zeitgeist in unsere vier Wände. Für 2017 gilt, den Textilien sieht man in Oberfläche und Struktur das „Handwerkliche“ an.

9) Ein gut ausgesuchter Teppich

interior-trends-2017_9Die Renaissance der Teppichkultur wird lustvoll gelebt. Der Teppich gibt Raum und Wohnen einen Rahmen. Echt und kostbar – als Stilbruch oder Zitat dafür, das letztlich doch alles von derselben Welt ist. Jetzt darf er wieder runter vom Dachboden oder rauf vom Keller.

 

 10) Innenarchitektur pur

Inszenierung und „Schnitt“ von Wohnungen sowie persönliche Präferenzen beim Wohnen werden nicht länger Baumeistern und Bauträgern überlassen. Blickachsen, Symmetrien und raffinierte Funktionen und Raumschemata, das Allerbeste aus Vorgaben herauszuholen, dafür gibt es Spezialisten. Dem wertvollen Thema Wohnen wird jetzt mehr abverlangt, die angelsächsische Gepflogenheit, sich einen Innenarchitekten zu leisten, erreicht uns jetzt auch hier in Mitteleuropa. Der Innenarchitekt sorgt für neue Perspektiven und so lässt sich der Vorsatz endlich umsetzen, die eigenen vier Wände zu optimieren.

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So werden die höchst persönlichen Wohnträume sicht- und realisierbar. So gelingt der „gute Plan“, entsteht ein funktionierender Grundriss, wird eine unverwechselbare Wohnatmosphäre gezaubert, die den Bewohner abbildet und seine Individualität unterstreicht.

Mehr Trends und Bilder von der imm cologne finden Sie hier:
Messebericht imm cologne 2017

Nur fliegen können sie nicht, diese Teppiche

Wie so viele Geschichten beginnt auch diese in Wien, dieser Stadt zwischen Ost und West. Es ist aber auch eine Geschichte, die zu den Nomaden zurückreicht und zu ihrem einzigen Möbelstück, das ihnen Heimat versprach. Und zu einer wechselvollen Historie wurde, die heute in der Renaissance eines wertvollen Kulturgutes an alte Werte anknüpft.

Es war die Wiener Weltausstellung 1873 auf der erstmals kostbarste Teppiche präsentiert wurden. Reißender Absatz. Der Beginn eines Siegeszuges durch die noblen, europäischen Wohnungen. Damals gerne als Wertanlage verstanden, als sichtbar gemachter Reichtum zum Prestigeobjekt erhoben. Heute hingegen in vielen Wohnsituationen oft nur mehr als Beiwerk achtlos ausgebreitet, offensichtlicher Verfall einer zeitlosen Kultur, fühl- und sichtbar als Degradierung eines einst kostbaren Wohnaccessoires in großen Wühl- und Teppichcontainern großer Kaufhäuser und Discounter.

teppich-6Derweil gibt es kein mobileres Möbel. Kostbarste Materialien werden millionenfach verknüpft, in einem schier endlosen Zeitaufwand und die Farbe, das Ornament, geben einen präzisen Herkunftsnachweis, erzählen Geschichten, bringen Erdung und Verwurzelung in unserer (Wohn-)Heimat – ähnlich einer Tracht, die wir stolz zu einem besonderen Anlass tragen. Identifikation und Identität im selben Maß.

Bei den Nomaden galt der Teppich als einziges Möbelstück, das steter Begleiter war. Die notwendige Behausung musste denkbar einfach und transportabel sein – Zelt und Zeltmatten entstanden, um diese Bedürfnisse abzudecken. Die Idee, das ursprünglich verwendete wertvolle Tierfell zu ersetzen, um die Tiere zu schonen, führte zu einer ersten Wollmatte – der Teppich entstand.

Ein Stück Heimat, eine definierte Atmosphäre voller Farbe und Muster, eine Referenz an die eigene Herkunft, erkennbare Unterscheidung, ein Beweis des Standes. Schnell einrollbar, innerhalb von Sekunden, aber auch ebenso einfach wieder auf den Boden geworfen und zum individuellen Raum umgedeutet. Ein Stück Heimat, ganz egal, wo man war. Für Rast und Gebet, für Tee und Gastfreundschaft. Die kleinste und beweglichste Form dessen, was wir heute als Zuhause, als Wohnung bezeichnen würden.

Was der Teppich seit Jahrhunderten für den teppich-2ziehenden Nomaden verkörperte, ist heute zum Streben einer gelungenen Inneneinrichtung geworden: jenen Wurzeln in sich selbst Ausdruck verleihen und die Werte von Herkunft und Umgebung so zu materialisieren, dass es nicht nur praktisch, sondern auch als schön betrachtet werden kann – als authentisch empfundener Ausdruck seiner selbst.

Grundgewebe aus robuster Baumwolle, Schafwolle, Seide, versponnene Garne und Farben aus Safran, Granatapfelschalen, Blüten und Kirschsaft. Das Europa des Fin de siècle war so begeistert von der einzigartigen Kostbarkeit, dass die Basare entlang der Seidenstraße über Jahrzehnte leergekauft wurden.

Ein Aufstieg, dem mancherorts auch ein Fall folgte. Ein Verfall, manifestiert in modisch, künstlichen Industrieprodukten ohne Spur von Kultur und Kunst der Vorbilder. Und dann eine Wiederbelebung durch Neuinterpretationen wie Jan Kath oder durch Händler wie Rahimi, die an alte Werte anknüpfen – was hoffentlich zur lange währenden Renaissance eines wertvollen Kulturgutes führt.teppich-9

teppich-5Der Teppich ist heute wieder smarte Zutat zu einem individuellen Wohnen, ein Gegenpol zur Massenware, gewobenes Cocooning und ein Stück von 1000 und einer Nacht.

Wer eintauchen will in diese reiche Geschichte, wer wirklich wissen will, was einen echten Teppich ausmacht und welche Knüpftechnik die beste ist, der fragt am besten Herrn Mag. Ali Rahimi in Wien. Und wenn Sie wissen wollen, welcher Teppich wo und wie zur richtigen Geltung kommt, welche Muster und Formate wann wo passen, dann fragen Sie gerne mich oder kommen Sie zu Wetscher und beraten Sie sich mit einem unserer Innenarchitekten. Weil wirklich nichts für sich alleine steht oder wirkt im Innenraum, und weil sich dieses Thema wahre Leidenschaft verdient und der richtige Teppich der Seele Flügel verleiht.

Maison & Objet in Paris – Streiflichter einer inspirierenden Alltagsflucht

Paris, die Stadt der Liebe, des absoluten Stils und der heißesten Trends! Ideal für ein langes Wochenende voller Vorfreude auf den Besuch der Einrichtungsmesse Maison et Objet, der Paris Design Week, der neuen, angesagten Wohnboutiquen– ein paar Tage bestückt mit Einrichtungstrends, neuen Atmosphären, Farben, individuellen Kombinationen. Auf der Suche nach dem ganz persönlichen Stilmix und jenen Dingen, die unbedingt mit hier nach Tirol müssen.

Paris – Anfang September

Von meinem Lieblingsviertel Rive Gauche, so zwischen Rue du Bac, dem Boulevard Saint-Germain, führt mich der erste Weg in den „Jardin du Luxembourg“. Die kühle Nacht und die ersten Blätter auf dem Trottoir kündigen untrüglich den Herbst an – jene Jahreszeit, wo man wieder nach drinnen wechselt. Voller Vorfreude hinein in die Stadt und auf die Messe, um den Puls, die Trends aufzunehmen und zu schauen, welche Farben, Formen, Materialien und Möbel den Ton angeben werden.
Und schon jetzt weiß ich: Vorbei sind die Zeiten der eindeutigen Stile, jener Einrichtungen, denen man noch einen eindeutigen Stil zuordnen konnte. Heute ist ein Mix angesagt, ein Mix aus allen Zeiten und Kulturen. Üppig, romantisch und ein wenig mit jener Fin de Siècle Dekadenz, die von fehlender Zuversicht genährt wird.

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Stilmix – zwischen Einst und Jetzt

Vorbei, vorbei, vorbei also diese eindeutig zuordenbaren Wohnstile, jetzt ist Stilmix angesagt. Aristokratisches Rosa, Grün in allen Tönen und ein Wald von großblättrigen Pflanzen.
Luxus bis zur Grenze der Unvernunft, edles Handwerk, Glanz und Glitzer, der Plastik-Trend aus den 60iger Jahren, Klassik und die funktionale Optik des Maschinenzeitalters, Sinnlichkeit und morgenländische Exotik neben Schwarz & Weiß, einer strengen Geometrie und wie immer viel Natur. Kupfer, Messing, edle Steine und andere kostbare Materialien.

Licht und Leuchten

Und wirklich alles war schon einmal da. Der Retro-Geist feiert einen Höhepunkt. Und Licht, das aus sichtbar handgeblasenen Glasgloben leuchtet oder aus kleinen, quadratischen Öffnungen einer Messingröhre strahlt – Licht übernimmt die dirigierende Rolle im Innenraum. Verspielt, gestalterisch als Kerzenlicht oder als technisches Licht in schmalen Diodenbändern, die Raumkanten schärfen oder schwere Kuben schweben lassen. Auch hier ist das Ziel, die Gemütlichkeit, die Stimmung für unterschiedliche Tageszeiten und Bedürfnisse herzustellen.

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Tapeten und neue Realitäten

Fix ist auch wieder die Tapete für innen und für außen mit Struktur, Ornament, Grafik oder einem täuschend echt wirkenden Foto. So wird schon einmal der schmale Wandstreifen hinter dem Ruhesessel im tiefen 3D-Druck zur optischen Bücherwand. Und Grafik ist wieder da, endlos sich wiederholende, kleine, scharfkantige Muster. Schachbrettartig, zu einfach und zu banal, um als Ornament bezeichnet zu werden.

Einen roten Faden – Gemeinsamkeiten von Farbe, Stil oder Produktidee – sucht man in diesem Durcheinander vergeblich. Der Mix und das jetzt gleichzeitige Nebeneinander so vieler Stile und Epochen ist neu.

Wo ist das Design geblieben?

Vorbei auch der reine Designpurismus – weiße, scharfkantige Möbel, etwas schwarz, alles zu glatt und insgesamt zu wenig, um irgendeine Atmosphäre aufkommen zu lassen, die den Namen „Zuhause“ verdienen würde. Heute heißt es mit dem Reichtum der Materialien, mit den neuen Verarbeitungstechniken umzugehen. Stoffe, Decken, Felle, Kissen, Samt & Seide, Glas und Metall, Stein & Holz werden handwerklich wie maschinell zu neuen Kostbarkeiten kombiniert.

Die Räume, in denen wir leben, sind höchst persönlicher Schutzanzug, aber auch Spiegel unserer Zeit. Heute zeigen sie keine linearen, berechenbaren Lebensläufe oder Fortsetzungen des immer Gleichen, sondern Menschen mit all ihren Facetten, mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen. Menschen mit Brüchen. Menschen, die viel mehr wissen und kennen und auch schon überall gewesen sind. Unsere Wohnungen werden zu Wunderkammern, ein Abbild unseres Lebens mit Kostbarkeiten und Besonderheiten, mit Exotischem und Banalem. Der rote Faden ist der Bewohner selbst.

Was fehlt, sind jene mutigen, konsequent modernen Neuheiten, die nur in einer Zeit voller Zukunftsglauben, einer Zeit unerschütterlicher Zuversicht entstehen. Heute scheint uns die Welt aus den Fugen. Zu vieles ist täglich neu, befremdend, macht uns Angst. Wir retten, wir stürzen uns ins Gewohnte, ins Bekannte. „I know what I like, and I like what I know“ , ließ mich ein schlauer, weitgereister Bekannter letzte Woche wissen. Was bleibt ist, dass wir uns heute eher mit Bekanntem zurechtfinden.

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Wie entwickelt sich das weiter?

War da wirklich gar nichts Neues im großen Reich des Kaisers „Retro“? Oder ist bei genauem Hinschauen ein kleines Pflänzchen – ein gallisches Dorf, das sich standhaft gegen diese Opulenz verwehrt – sichtbar? Es zeigt sich eine neue Bescheidenheit, zu der sich eine junge, kreative Szene hingezogen fühlt. Jene, die früher dem Design und der Leere gefrönt haben, setzen jetzt auf Einfachheit. Das Spiel mit Vorhandenem. Eine Poesie aus Authentizität und „Used“. Urban, oder aber mit Einflüssen eines reduzierten Landhausstils. Selbstbewusst – eine ganz neue Mischung aus Alpinem und Nordischem. Farblich gedeckt und mit unbehandelten Materialien. Gemütlich, stimmungsvoll und unaufdringlich.

Insgesamt steht da jetzt weniger im Raum, reduziert und für sich, um mehr Klarheit und Ordnung in diese neue Gemütlichkeit zu bringen. Dieser Stil tritt in Oppositon zur Fülle, kein dekoratives Chaos, sondern Klarheit, Licht und sinnliches Material.

Lieblingsplätzchen

Für mich persönlich heißt es jetzt im Herbst, mein sonniges Plätzchen nach innen zu verlagern. Es ist die Zeit der Veränderung. Positionswechsel,  die neue Perspektiven provozieren. Der Blick auf das Innen schärft sich, macht Wünsche deutlich und macht Lust auf Veränderung. Jetzt heißt es den Liegestuhl mit einem tollen, neuen Relaxsessel zu tauschen, internationales Design, ein Klassiker – vielleicht mit österreichischem Lodenstoff, um dem Überflieger Wurzeln zu geben. Und daneben Ablagen für Bücher, Zeitschriften, Tablet. Ein neuer Teppich, eine Einzigartigkeit, aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Welt mit dem Ausdruck des Kostbaren. Als Kontrast zur alpinen Kargheit. Und die Freude auf eine neue Leuchte – mit einer Handvoll Funktionen, die mein Plätzchen in eine einladende Gemütlichkeit taucht und beim Lesen und Arbeiten ein tolles Induktionslicht bietet.

Das war Paris, der Herbst kann kommen.

 

„Wir reden beide in der Sprache der Qualität – Ein Gespräch mit Gerd Bulthaup…

…wird zur Begegnungen mit einem Freund, ein inspirierender Gedankenaustausch und die Bekräftigung einer gemeinsame Überzeugung: Vergesst Design!

Unsere Beziehung zu Gerd Bulthaup ist über die Jahre gereift. Aus Geschäftlichem wurden Begegnungen, daraus entstand Freundschaft. Getragen von gegenseitiger Wertschätzung für das Tun des jeweils anderen.

Erfrischende Perspektivwechsel

Anders gedacht und überraschende Zugänge finden –das hat Bulthaup sein Leben lang zelebriert. Er, der die Zeitlosigkeit zum Maßstab erhob, gilt heute als Erfinder der schnörkellosen Küche. Vor vielen Jahren hat er das erste Bulthaup-Studio hier in Fügen eröffnet und jetzt – kurz bevor das neue Küchenstudio von seinem Neffen Marc O. Eckert eingeweiht wird – stattet er uns in Fügen einen Besuch ab. Daraus entsteht ein Gespräch über neue Wohn- und Küchentrends, in seiner Essenz aber eine wechselseitige Offenlegung. Ein philosophischer Streifzug zu den eigenen Überzeugungen, die unser beider Unternehmen tragen.

Gemeinsames Denken in Werten

Der Kunstsammler Christian Boros hat es auf den Punkt gebracht. Künstler und Unternehmer ähneln sich mehr, als man annehmen möchte. Beide gehen Wagnisse ein, beide verfolgen einen Plan. Schaffen Werte, denken langfristig, dynastisch. In der Unternehmerdynastie bulthaup hat die dritte Generation das Ruder übernommen. Bei uns in Fügen arbeitet bereits die vierte und fünfte Generation zusammen. Auch diese Tatsache verbindet.

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Die Kunst als Katalysator

Die Nähe zur Kunst war auch für Gerd Bulthaup lebensbegleitendes Thema. Eine weitere Parallele. Schon als jungen Mann interessieren ihn moderne Kunst, Architektur und Design. Als er in verantwortliche Position im Unternehmen aufsteigt, sucht er nach neuen Verbindungen. Er möchte die Küche revolutionieren und sucht Vorbilder in anderen Branchen. Schon damals formulierte Bulthaup: „Wir wollten schlichtweg die besten Küchen machen, uns nicht an Vorhandenem orientieren, einen Lebensraum für Begegnungen und Kommunikation schaffen.“ Reduziert auf das Wesentliche präsentierte sich die erste Bulthaup, die selbstbewusst zum innenarchitektonischen Bestandteil des Wohnraums wurde.

Neues Denken – Zeitlosigkeit schlägt Moden

Im Austausch mit Otl Aicher, dem Gründer der Ulmer Hochschule und schon damals moralische wie visuelle Instanz, entsteht neues Denken, wie sich Bulthaup jetzt im Gespräch erinnert.gespraech-bulthaup_7


Bulthaup: „Uns wurde klar, dass man nicht gegen die Wand kocht, sondern frei arbeitet, gemeinschaftlich, im Dialog. So entstand das Thema der frei stehenden Kücheninsel. Ich möchte fast sagen, so wie es die Frankfurter Küche in den 1920er-Jahren war, war unsere Küchenwerkbank eine zweite Revolution. Und wenn ich etwas nicht falsch gemacht habe, dann war es die Küche wieder zu öffnen, raus aus ihrer Zelle wieder in den Wohnbereich zu emanzipieren.“

Wetscher: Wenn wir zurückblicken, dann waren all diese Entwicklungen sehr formal dominiert. Geprägt von der Reduktion auf die Essenz, auf moderne Formen, ohne Verweis auf Wurzeln und Herkunft, ohne regionale Färbung. Wenn man der Form das alles austreibt, sie ehrlich und funktional macht, wird sie dann in letzter Konsequenz nicht seelenlos?“

Bulthaup: „Ein interessantes Thema. Wenn wir zurückschauen, so können wir sagen: Wir waren die ersten, Vorreiter. Eine Zeit lang waren wir das, was Apple heute ist. Mir wurde dann aber mehr und mehr bewusst: Wir brauchen die Sinnlichkeit. Und diese Sinnlichkeit wird gesteuert über die Materialität.“

Wetscher: „Also eine neue Poesie, die durch Materialien und deren Mix ensteht?“

Bulthaup: „Die kühle Eleganz der Edelstahlküche findet heute Fortsetzung im kühnen Materialmix mit Massivholz und Beton. Gegenwärtig existieren unendliche Variationsmöglichkeiten, daher wird die Planungskompetenz abseits von Design und Moden entscheidend.

Zuviel ist auch heute noch alles das, was Mode ist. Wir gestalten und machen keine Mode. Das Thema muss nachhaltig sein und ehrlich. Und klarstellen, diese Einrichtung muss 20 Jahre lang taugen. Das heißt also, wir beschäftigen uns nicht mit Mode, sondern mit dem Thema der Zeitlosigkeit. Also mit denselben Themen, mit denen Wetscher sich im Detail befasst. Wir reden beide in der Sprache der Qualität. Und genau diese fabrizieren Sie hier. Was ich da am Anfang gesehen habe, bei unserem Rundgang durch das Haus – die begehbaren Räume im Schlafbereich – höchste Planungskompetenz, international auf der Höhe der Zeit, gepaart mit handwerklicher Exzellenz. Da kommen wir meinem Wunschbild nahe: Da sitzt der Architekt, der Planer, der Handwerker – alle an einem Tisch, um eine gemeinsame Formel zu entwickeln. Das ist für mich die Konstellation meiner Träume.“

Wetscher:Genau das entspricht unserer Philosophie, die wir beständig reflektieren. Wir gehen als ganzheitlich inspirierter Einrichter und eben nicht nur als Möbelhändler und Innenarchitekten davon aus, dass sich der Mensch im Raum wohlfühlen muss. Und der Mensch fühlt sich dann wohl, wenn er in seiner Umgebung ist, die ihn in seinem Wesensinneren spiegelt, seine Werte und Vorstellung räumliche Reflexion finden. Dann entsteht das Gefühl von Zuhause. Im Idealfall trägt einen das ein Stück weit hinaus, überhöht das eigene Ich und wertet die eigene Existenz auf. Die ideale Raumpoesie entsteht dort, wo sich frühere Raster zwischen Moderne und rustikalem Handwerk in individuell perfekt komponierter, qualitätsvoller Zeitlosigkeit auflöst. An genau dieser Schnittstelle sehen wir uns – wir orten die Strömungen, können Moden von Beständigem unterscheiden. Und mit unserer handwerklichen Kompetenz den Räumen Wurzeln geben. Durch diesen Zugang verlieren wir uns nicht in Beliebigkeit – es geht uns auch um Handwerk, das Herkunft zeigt und selbstbewusste Regionalität vermittelt.“


 

Menschenfänger für Gestaltung, Planung und Qualität

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Oberflächliches Design hat Bulthaup nie interessiert, Präzision und Perfektion sehr wohl.

„Vergesst Design“

Diese Aufforderung von Bulthaup ist legendär. Auch den Begriff von Luxus findet man vergeblich. Bulthaup forciert die Qualität, den Purismus mit Poesie, die Individualität. Diesen Gestaltungsmix für ganz unterschiedliche Charaktere auf den Punkt zu bringen, brauche höchste Kompetenz. Beim gemeinsamen Rundgang beweist Bulthaup wieder einmal seinen Hang zum Detail, seine Liebe zum handwerklichen Können, seine Lust höchste Maßstäbe zu vermitteln und meint mit Augenzwinkern in meine Richtung: „Sie haben es doch gerade treffend formuliert, als Sie meinten: Man müsse nicht mehr auf Messen gehen, um immer neue Trends anzuschauen. Man müsse mehr als ,Menschenfänger‘ reüssieren, um junge Menschen zu begeistern – für Gestaltung, Planung, für Qualität, die ihren Preis wert ist.“

Der konsequente Blick nach vorne hat Bulthaup immer ausgezeichnet. Wo also geht die Reise hin beim Wohnen?

Bulthaup:

„Ich sehe in der Planung von Lebensräumen eine Rückbesinnung, die zu viel Offenheit korrigiert und bestimmte Zellen strukturiert. Inseln, die uns Rückzugsmöglichkeiten und Flexibilität offerieren. Gerade das beherrscht Wetscher in Planung und Gestaltung perfekt. Etwa Wände zu kreieren, die mit Funktionen ausgestattet sind, überraschende Raumlösungen, die wechselnde Bedürfnisse erfüllen können.“

Die Küche bleibt archaischer Lebensmittelpunkt

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Die Küche als Mittelpunkt des Lebensraums – was in den 1970er Jahren als revolutionär galt, sieht Bulthaup auch künftig als sich weiter verstärkenden Trend. Ein archaischer Ort, vergleichbar mit den früheren Feuerstellen, ein Mittelpunkt der Kommunikation, der dennoch Intimität vermitteln könne. Unter diesen Prämissen hat er selbst seinen Küchenbereich jüngst umgestaltet und stellt schmunzelnd fest: „Jetzt kriegen wir die Gäste nicht mehr aus der Küche raus, nicht mehr vom Tisch weg. Und wenn es dann noch etwas Gutes zum Trinken und Essen gibt, dann ist der Abend gelaufen.“ Im gesamten Wohnbereich Rückzugsorte zu schaffen, werde als Bedürfnis immer bedeutender, ist Bulthaup überzeugt. Früher war das Loft das Maß aller Dinge, alle Wände mussten raus. Heute sieht Bulthaup die Küche als zentralen Lebensraum, um den sich individuell gestaltete Inseln mit unterschiedlichen Funktionen gruppieren. Gefragt seien daher flexible Raumtrennungen, verschiebbare Funktionswände und intelligente Raumplanungen, die sich an unterschiedliche Lebenssituationen anpassen.

Draußen zuhause

Obwohl ich noch ein kleiner Bub war, ist mir die Anekdote in bester Erinnerung. Mein Vater überraschte die Familie im Jahr 1972 mit einer Gartengarnitur für unsere Terrasse.

Wunderschön, bequem, komfortabel – wir kuschelten uns in Decken, genossen das Gefühl im Freien und trotzdem geborgen zu sein. Ein offener Kamin wurde unter den staunenden Augen von uns Kindern aufgemauert. Ab da fanden dann wirklich alle Treffen von Familie und Freunden im Garten statt. Legendäre Feiern, Menschen im 70iger Look, endlose, traumhafte Abende am Feuer und in den Polstern der neuen Sitzmöbel. Das war die unbeschwerte Zeit meiner Kindheit. Gerade dieser Platz mit den neuen Möbelstücken verlängerte unser fein abgestimmtes Wohngefühl in den Garten und auf die Terrasse. Wir fühlten uns ab dem ersten Tag prächtig – waren ab sofort auch draußen zuhause.

Zugegeben – das Wohlgefühl hatte seinen Preis. Diese Gartengarnitur war zum damaligen Zeitpunkt sehr teuer – ein großes Thema innerhalb der Familie. Der Vergleich über die Jahrzehnte lässt die Unsicherheit von damals aber schnell verblassen. Die Garnitur gibt es heute noch, sie steht noch haargenau an derselben Stelle und auch das Wohlbehagen, das wir damals unvermittelt spürten, stellt sich immer noch ein, wenn wir sie benutzen. Einmal mehr bestätigt diese Familien-Geschichte eine alte Weisheit: Wer teurer kauft, kauft am Ende billiger!

Wie schaffe ich es, an einem (Garten-)Möbel so lange Freude zu haben, dass es schlussendlich zu einem langfristigen Investitionsgut wird?

Die Frage interessiert, wenn es nach den letzten hartnäckigen Wintertagen nun doch endlich warm wird. Aus meiner Erfahrung lassen sich drei Dimensionen filtern:

1) Qualität & Verarbeitung:

Wer lange Freude an seinen Gartenmöbeln haben will, der stellt höchste Qualitätsansprüche ans Produkt. Also bestes Holz, ausgewähltes Material, feinste Verarbeitung und Ausführung, größter Relaxfaktor – diese Dimension findet sich in allen Wetscher Gartenmöbel-Kollektionen verwirklicht. Tatsächlich stehen die Gartenmöbel der heutigen Zeit den Innenmöbeln in dieser Hinsicht um nichts nach. Längst hat sich das Wohnzimmer in den Sommermonaten auch nach draußen erweitert, eine nachhaltige Wohnphilosophie mit der auch die Ansprüche gewachsen sind.

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2) Optik & Trend- Resistenz:

Von großer Bedeutung ist eine zeitlose optische Dimension: Wer lange eine Freude mit einem Stück haben will, darf keinen Trends und kurzfristigen Moden aufsitzen. Wem das Wunschobjekt von damals nach einigen Jahren schon nicht mehr gefällt, ist dem Zeitgeist erlegen. Was bei einem Pulli oder Hose nicht so schlimm bzw. ganz normal ist, ist beim Einrichten fatal. Ganz im Gegenteil: Man muss Möbel aus der Zeit heben – dafür hat Wetscher die Wohnstilanalyse entwickelt. Um „herauszukitzeln“, was Bestand hat. Nicht was einem momentan gefällt, sondern was einem im tiefsten Inneren entspricht.

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3) Gesamtkonzept & Harmonie:

Eine Gartengarnitur ist immer nur ein Teil einer Tongruppe eines ganzen Stücks, einer Symphonie. Das ganze Zusammenspiel von Pflanzen, Terrassenboden, Dekorationen etc. muss harmonieren. Die Garnitur muss in die Partitur passen, ins große Ganze hineinpassen. Zwar hervortreten, aber doch als Teil des Ganzen aufeinander abgestimmt sein.

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Und dann noch ein paar Tipps aus der Praxis, was man bei der Planung, der Einrichtung des Gartens oder der Terrasse etc. unbedingt beachten sollte:

  • Hoher Komfortanteil der Gartenmöbel, der durch Decken, Kissen etc. weiter verstärkt wird.
  • Eine schöne Truhe zum Verstauen und Verstecken, erhöht die Alltagstauglichkeit im täglichen Benutzen der Außenflächen.
  • Terrasse unbedingt überdachen, weil es in unseren Breitengraden ja immer gerade dann regnet, wenn die Gartenparty angesagt ist.
  • Und, falls die Möglichkeit besteht, unbedingt einen offenen Kamin oder ein paar von den tollen neuen Heizstrahlern anschaffen. Gerade die paar Grad machen den Unterschied, lassen uns länger verweilen.

Und jetzt: Raus ins Paradies.

So steht uns Frischluft- und Sonnenhungrigen nichts mehr im Wege, um schöne, erholsame und angenehme Stunden mit geliebten Menschen im Garten zu verbringen. Und dass mir nur ja niemand etwas ändert, in meinem „Lieblingsraum“ des Sommers. Einzig das hölzerne Fußballtor und das Bretterhaus im Ahornbaum können eines Tages verschwunden sein.

Mein Mailand – eintauchen in das schöne Leben!

Anlässlich der Mailänder Möbelmesse und abseits hipper City Guides und Bustouristik erliegen wir einmal mehr dem Reiz Mailands abseits ausgetrampelter Touristenpfade. Begleiten Sie mich auf meinem ganz persönlichen Streifzug zu Design und Schönheit.

DSC03582-5Mailand erschließt sich nicht so leicht wie Florenz oder Venedig, ist keine Muss-Stadt im Reiseplan amerikanischer Touristen wie Rom und natürlich auch ganz anders als Wien oder eine andere Stadt nördlich der Alpen. Mailand ist Nachkriegsmoderne, Neoklassik, Mode, Banken und Landwirtschaft. An manchen Stellen viel zu aufgeblasen, an anderen anmutig, lieblich, immer aber elegant und mit und in sich auf der Suche nach Schönheit, Stil und Eleganz. Und von keiner anderen Stadt kenne ich so viele Seiten, so viele Bilder. Ob Geschäftsmann, Tourist, Designer oder Architekt, ob Modemensch oder Künstler – jeder hat sein eigenes Mailandbild, seine Ecken und Besuchsrituale.

Cassina und B&B – rund um die Piazza Largo Augusto

L1040791-1Ankunft auf der Piazza Largo Augusto, nach mühsamer Fahrt in die Stadt, schnell das Auto samt Schlüssel dem Garagisten übergeben – erste Vertrauensübung, hier in Italien. Jetzt aber schnell hinauf in die Via Durini zu den beiden großen Marken der Möbelwelt: Cassina und B&B üben sich fast Tor an Tor in einer ständigen Vertretung – beide Wetscher Partner schon seit der Zeit als beide noch ein Paar und sich C&B, Cassina und Busnelli, nannten. Stolz und anspruchsvoll zeigen sie der Welt ihre Interpretationen von Innovation und ihre lange Geschichte des Möbelbaus in der Brianza.

Hinein ins Mailänder Modeviertel

L9050256-3Vorbei an den temporären Trittbrettfahrern, an Ausstellern aller Art, die sich in diese Gasse mischen, geht‘s über die Piazza San Babila – mit festem Blick auf die gleichnamige kleine romanische Kirche, die dieser lauten Piazza den Namen gibt und den schrecklich und lauten Corso Vittorio Emanuele beendet. Schräg hinein in die Via Bagutta und damit ins Modeviertel, ins „Quadrilatero della Moda“, um gleich nach der Trattoria links in die Via Monte Napoleone zu kommen, eine der bekanntesten Modestraßen der Welt, sicher aber die eleganteste. Das viele Grün der Dach- und Terrassengärten der schlichten neoklassischen Palais, der rote Teppich, der oft die kleine Straße schmückt, hier und weiter rechts die Gassen nach Norden (goldenes Dreieck) finden sich die größten Modehäuser Tür an Tür: Armani, Versace, Dolce & Gabbana, Prada, Gucci, Missoni. Zwischendurch die angemieteten Schauräume jener Möbelmarken, die sich jährlich wechselnd und abseits der Messe etwas Glanz vom besonderen Ort erhoffen.

Das Hotel Vier Jahreszeiten – seit 20 Jahren ein Highlight

L1040924-8Wir biegen in die unscheinbare Via Gesù ab, schleichen stolz und selbstverständlich von der Autoeinfahrt ins Hotel Vier Jahreszeiten. Ein altes Kloster mit Garten und Kreuzgang zur First-Class-Bleibe umgestaltet, seit gut 20 Jahren ein Highlight. Der Garten öffnet den Blick in die jetzt verglasten Kreuzgänge, gotisches Kreuzgratgewölbe stößt auf messerscharfe Glaswände. Diese jonglieren mit verschiedenen Zeiten und Materialen, ein Mix der Spannung aufbaut. Das ist die Qualität hier im Süden. Das Restaurant im Tiefparterre ist von feinster Handarbeit ausgebaut und in der Bar ganz hinten links finden sich klösterliche Reste von Maßwerk und Fresken. Und wieder vermengt sich Altes spielerisch mit Neuem und erinnert, dass sich allzu reduzierte Formensprache ohne den historischen Rahmen oft schwer tut. Der Charme, die Spannung kommen aus dem „Sowohl als auch“ und genau dies ist hier meisterlich zu sehen.

Mittags-Gourmet-Stopp in traumhaftem Innenhof

L1040939-9Über die Via Spiga geht’s retour je nach Laune und Schaufensterinszenierungen mal schneller, mal langsamer hinauf in die Via Manzoni. Am besten über die Via Santo Spirito. Hier gibt es für die Mittagstisch-Gourmets den „Il Salumaio di Montenapoleone“, ein Lokal mit klassisch einfacher Küche in traumhaftem Innenhof. Endlich in der Via Manzoni angekommen bleiben die Verlockungen des Armani Kaufhauses samt Penthouse Hotel rechts von uns liegen. Schnell wollen wir der Betriebsamkeit und dem lauten Verkehr Richtung Brera entkommen. Wie anders die Menschen, Geschäfte und die Stimmung hier ist, und niemals – wirklich niemals – kommen wir an der Akademie vorbei.

Rund um die Akademie – alt und neu sehenswert vereint

iSaloni FuoriDer vielen Möbelkollektionen schon etwas müde, erwarten uns jetzt echte Möbelhighlights rund um Boffi Küchen an der Piazza und Via Solferino. Ein unübersichtliches Gewirr von Hinterhöfen, ausgebauten Garagen, Gesindehäusern und Dachausbauten zeigen feinstes Handwerk und skurriles Design. Die Gassen dorthin sind bis zur Unpassierbarkeit belebt, besonders wenn Studenten ihren Abschluss lautstark mit Freunden und tutta la famiglia auf den Straßen feiern. Unser Ziel ist die Piazza Solferino. Von hier führt rechts weg die Via Montebello. In Nummer 7 wurde ein alter Blumenladen sehr liebevoll in ein Restaurant/ Café umgebaut. Alt und neu und vieles vom Alten respektvoll in neuer Funktion. Sehenswert.

Bulthaup in der Kirche – Katholischer Raum trifft protestantischen Schrank

L1040974-11Vorher galt es auf dem Weg zur Piazza Solferino noch den Weg zur aufgelassenen Kirche in der Via Marco Formentini zu erkämpfen. Enge Gassen und hohe Betriebsamkeit lähmen unser Fortkommen. Das Ziel ist es aber allemal und immer wert. Dieses Jahr von keinem geringerem als Bulthaup zur Messeausstellung erkoren. Katholischer Raum trifft protestantischen Schrank. Nach so vielen Eindrücken und engen Gassen lassen wir uns erst einmal treiben, grob die Richtung, ein leichtes, beschwingtes Ungefähr. Hinaus in ruhigere Gassen, aufpassen, nur ja nicht zu weit nach Westen abdriften, schließlich wollen wir hinter die Oper auf die Piazza della Scala. Die Straßennamen zeugen von den großen Männern Italiens – Dante, Verdi. Groß, frei und erleichtert fühlt man sich jetzt in der weltersten Shoppingpassage, den Mailänder Galerien, die das Einkaufen durch diese Architektur der kreuzenden Arme, durch Prunk und Größe erstmalig zu sakraler Größe emporhoben.

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Besonders empfehlenswert der Besuch des Prada-Stammgeschäftes „Fratelli Prada“, das heute noch den eleganten Hauch des Fin de siècles versprüht,  und der Liberia Bocca, der ältesten Buchhandlung Italiens. Geordnetes Chaos im engen, hohen Raum – ein Genuss für alle Buchliebhaber.

Unvergessen – zwei Carabinieri bei Gaspare Campari

Jetzt aber endlich sind wir angekommen in der Bar des Gaspare Campari, zu rotem Bitter und Blick auf den Domplatz. Müde und eindruckserledigt werde ich jenen kalten, regnerischen Tag nicht vergessen, als sich auf der Piazza menschenleer und nebelig zwei Carabinieri mit wehenden Mänteln über stattlicher Uniform vom Pferd schwangen, die Tiere wie selbstverständlich festbanden, um in der Bar einen Espresso zu trinken. Die Uniformen so farbenprächtig und aufwändig. Mit weißen Lederriemen, blauem Stoff und weit ausladenden Tellermützen und einem Ernst und Erhabenheit, dass diese Straßenpolizisten schon von ihrer Aufmachung her in anderen Ländern als Generalstäbler durchgehen könnten. Das ist Italien, das ist Mailand. Der schöne Schein, den wir alle so lieben.

 

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Was in uns wohnt – oder wie funktioniert die Wetscher Wohnstilberatung?

„Es gilt beim Einrichten zu realisieren, was einem wirklich entspricht – ganz nach der alten Weisheit: werde der du bist.“

Karl Brugger

Da meist unbewusste Bilder unsere Bedürfnisse steuern, sind die echten Wohnbedürfnisse häufig überlagert durch Prestige-Bilder, Meinungsbildung in den Medien, Gewohnheit oder diffus reflektierte Lebensumstände. Wie kommen wir nun unserem innersten, unbewussten Wohnbedürfnissen auf die Spur, die als Schlüssel für unsere Wunsch- und Wohlfühl-Räume gelten?

was-in-uns-wohnt_bruggerZeit seines Lebens beschäftigte sich Karl Brugger, der Vater der heutigen Wetscher Wohnstilberatung, mit dem Beziehungsgeflecht Mensch und Raum. Der Architekt und Wohnvisionär Brugger, der so gegensätzliche Projekte realisierte wie Haftzellen, Luxus-Penthäuser, Ladenkonzepte, Bankfilialen und Messepavillons, wusste: Nur wer seine Wünsche und Werte kennt, findet sein wahres Zuhause.

In eigenen Workshops konzentrierte er sich darauf, Werte und Bedürfnisse von Menschen im Kontext ihrer Wohnsehnsüchte freizulegen. Und entdeckte dabei, dass der Einzelne unbewusste Wunschbilder am besten über konkrete Spiegelbilder enttarnt. Aus der Reduktion persönlicher Bildcollagen konnte das Essentielle destilliert werden. Brugger entwickelte eine Methodik abseits aller Esoterik, die handfeste Erkenntnisse generiert. Und schuf damit einen Weg zu den innersten Bedürfnissen, die über eine konsequente Auswahl an Bildern führt.

Unterschiedliche Wohnstiltypen ließen sich mit dieser Methode festschreiben. Die Charakterisierungen reichen von „Aura“, dem das intellektuelle, avantgardistisch Reduzierte entspricht, bis zum Typ „Kompetenz“, wo die Form jedenfalls der Funktion folgen sollte.

Zusammen mit Karl Brugger holte Wetscher schließlich diese Wohnstilanalyse nach Tirol, entwickelten sie weiter und schuf für die Kunden die Möglichkeit einer Online-Analyse, in die heute jeder bequem von zu Hause einsteigen kann.

Warum wir das getan haben?

Weil wir in dieser fundierten Methodik den Schlüssel für unsere Problemstellungen sehen. Was ist schöner, besser, romantischer, moderner, traditioneller? Die Suche nach der wahren Schönheit manifestiert sich eben niemals in einer absoluten Form – sie ist immer einzigartig und nur in ihrer Entsprechung zum jeweiligen Bewohner existent.

Den von Brugger entwickelten „Bilder-Check“ digital ins Internet zu übersetzen, lag der Wunsch zugrunde, unseren Kunden den Einstieg in ihre ganz persönliche Wohn-Stil-Welt von jedem Platz aus zu ermöglichen. Entspannt bei einem Glas Rotwein, an ihrem Lieblingsplatz, spontan aus dem Bauch, nicht analytisch gesteuert, vorderhand nicht auf Einrichtung fixiert.

Ursprünglich galt der von Brugger zur Verfügung gestellte Schlüssel zum Test mathematisch digital als nicht darstellbar. Zusammen mit dem jungen Tiroler Christian Sporer konnte diese Herausforderung gelöst werden. Und bei Wetscher steht heute diese exklusiv von uns entwickelte Wohnstilanalyse am Beginn jeder Innenarchitektur-Beratung, die später im Einrichtungshaus zusammen mit unseren Wetscher-Innenarchitekten vertieft wird.

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Mit der Wetscher Wohnstilanalyse gehen wir weit über jede übliche Beratung hinaus. Denn anhand der Wohnstilanalyse lassen sich grundlegende Werthaltungen systematisch erkennen. Allein schon die sich beim Online-Verfahren ergebenden Collagen sind aufgrund der zahllosen möglichen Bildkombinationen so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Und gerade deshalb auch so aussagekräftig und eindeutig zu interpretieren. So erreichen wir im Zusammenspiel mit unseren Kunden das Entwicklungsziel: Die Gestaltung eines ganz persönlichen Wohn- und Lebensraums. Probieren Sie es doch einfach selbst aus: zur Wohnstilanalyse 

Möbel sind das Letzte!

„An interior is the natural projection of the soul“. Einrichtung ist das Spiegelbild der Seele, eine Projektion seiner selbst. Coco Chanel hat es auf den Punkt gebracht:

Sich einzurichten bedeutet sein Innerstes preiszugeben.

 

Kümmern Sie sich beim Einrichten daher in erster Linie um sich selbst, um Ihre Vorstellungen und tiefen Wünsche. Fangen Sie bei sich an und lösen Sie sich vorerst von Wohnung, Funktion und Grundriss. Denn „Möbel sind das Letzte!“ Dazu aber später.

  1. Sammeln Sie Bilder von Ecken, die Ihnen gefallen, Lieblingsplätzen in Hotels, Restaurants von Reisen und Freunden. Räume, Ecken, Rastplätze, Aussichtsorte, Menschen und Mode, bildliche Emotionen – einfach Kombinationen, die Sie ansprechen. Picken Sie Ihre Lieblingsmomente und -ansichten aus dem Kontext, schonungslos und sammeln Sie. Sammeln Sie Bilder und Inserate aus Zeitschriften (plump herausreißen) und Büchern (besser abfotografieren) und natürlich dem Internet (ohne Rücksicht auf Kosten seitengroß ausdrucken). Legen Sie sich ein kleines persönliches Archiv an, eine Mappe, ganz physisch zum An- und Begreifen. Und sollten Sie im Zweifel sein, ob ein Motiv den Weg in Ihre Sammlung findet: seien Sie gnädig. Was auch nur irgendwie anspricht, kommt rein. Das ein oder andere kann später wieder aussortiert werden, verkleinert dann die Sammlung. Eine so verdichtete Bilderwelt kann – aufgelegt als Collage – Sie und Ihre Vorstellung vom schönen Wohnen, von Ihren ganz persönlichen Wohnbedürfnissen, perfekt wiedergeben.
  1. Suchen Sie sich eine/n Innenarchitekten/in, der/dem Sie spontan vertrauen. Einrichten und Möbelkauf sind zwei verschiedene Disziplinen. Verwechseln Sie nicht die Anforderung an Ersteres mit Ihrem Drang zum Zweiteren. Ein Innenarchitekt finanziert sich meist selbst, indem er Ihre kurzfristigen formalen & farblichen Wünsche von den langfristigen Notwendigkeiten zu unterscheiden weiß. Grundlage dafür sind nicht nur eine Handvoll Gespräche, sondern Ihre Bildersammlung aus Punkt 1. Sie ist fundamentale Ausgangslage und Anleitung für einen Innenarchitekten, in welchen Topf an Formen, Farben und Materialen er für Ihre Einrichtungsaufgabe greift – und was er besser weglässt. Er lernt Sie dadurch kennen, ganz schnell, und weil Bilder immer besser, umfänglicher sprechen, ist das die beste Art seine Vorstellungen mitzuteilen. Aus den Gesprächen und Ihren Bildern wird der Innenarchitekt eine Farb- und Materialcollage zusammenstellen, die die Wirkung, die Raumaussage des fertigen Raumes zeigt. Ganz ohne Stellplan und unverständliche Technik. Vorerst.
  1. Erst jetzt geht es um den eigentlichen Stellplan, um Achsen, Größen, Maße, Grundrisse und natürlich Licht. Fordern Sie hier totale Funktionalität. Achten Sie auf Praktisches, auf Ihren täglichen Ablauf. Auf Gewohnheiten, Notwendigkeiten, liebgewonnene Abläufe aus Ihren bestehenden oder vergangenen Wohnsituationen. Beharren Sie darauf, dass jedes Ihrer Dinge, die wirklich mit ins neue Wohnumfeld sollen, auch einen würdigen Platz findet. Als nützlich hat sich auch erwiesen, alle Materialien einmal aus den Augen eines Putzlappens zu beobachten. Der Innenarchitekt zeigt in dieser Phase praktische Lösungen auf, wie immer aber hört er zu, begleitet, bringt Erfahrungen und Fachwissen ein, versucht vor allem aber Ihre Vorstellungen vom schönen Wohnen so umzusetzen, dass es IHRE Wohnung, IHR Wohnraum wird.

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Für Menschen, die gerne Abkürzungen gehen, gibt es die Wetscher Wohnstilanalyse und eigene Innenarchitekten, die diese Bilder zu lesen wissen. Mehr zu diesem Thema:  „Was in uns wohnt….

Villa Tugendhat in Brünn: Vorwärts in die Vergangenheit

Bei einer Reise zurück in die Architekturgeschichte lässt sich viel für die Gegenwart und Zukunft des Wohnens ableiten. Und das ging so…

Eine gute Autostunde von Wien, hinter den endlosen Weiten des Weinviertels, im tschechischen Brünn steht die Villa Tugendhat, ein nach Plänen des Architekten Mies van der Rohe errichtetes Wohnhaus für das Unternehmer-Ehepaar Fritz und Grete Tugendhat. Dieses Haus reiht sich in seiner Bedeutung in die „Kronjuwelen“ der Moderne wie Le Corbusiers Villa Savoye, Frank Lloyd Wrights Haus Robie und dem Haus Schminke von Hans Scharoun ein.

Grete Tugendhat meinte einmal über ihr Zuhause:

„Ich habe mir immer ein geräumiges, modernes Haus mit klaren, einfachen Formen gewünscht. Und mein Mann war geradezu entsetzt von Zimmern, die bis an die Decke mit Figürchen und Zierdecken vollgestopft waren.“ 

Ist das also „die Moderne“? Hier im tschechischen Brünn? Zumindest waren die Fenster keine Löcher mehr und statt des vielen Nippes sollten einfache, klare Formen und moderne, weitläufige Räume ein ganz neues Raumgefühl bieten. Die Villa Tugendhat, die Architekt Mies van der Rohe 1929 ersonnen und für die Tuchfabrikanten gebaut hat, ist eines der paar Wohnhäuser, die heute als Anbeginn des neuen Bauens gelten. Nach außen hin uneitel, mehr vom inneren Raumbedürfnis her geplant, mit einer ganz neuen Überlegung zur Statik; die Last der Decken wird auf schmale Säulen verteilt statt auf die dann schwer wirkenden Außenwände. Die sichtbare Fassade zur villa-tugendhat_5Stadt hin ist eine gesamte Fensterfront, wirkt leicht und öffnet mit dem herrlichen Blick wahrscheinlich auch den Geist. Vieles von der heute selbstverständlichen Haustechnik wurde vom Architekten selbst entwickelt (wie die Lüftungs- und Heizungsanlage), sie gelten bis heute als pionierhafte Meisterleistungen.

Innen entstand eine ganz neue Atmosphäre. Fließend, weitläufig, lichtdurchflutet. Fast verschwimmen die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum. Die Raumgrenzen messerscharf geschnitten, in streng disziplinierter Proportion ergeben eine neue, bestechende Ästhetik. Ist das etwas das Ende der Gemütlichkeit? Wie wird eine solche formale Konsequenz bewohnbar? Ist die Perfektion der Hülle nicht Stress für unser Selbst? Und wenn es stimmt, dass der gebaute Raum das preisgibt, wer wir Bewohner im besten Fall sein könnten (Alain de Botton), dann würde uns diese Architektur zu besseren Menschen machen.

villa-tugendhat_6Überliefert ist, dass sich Mies van der Rohe  – und seine Lebensgefährtin Lilly Reich – mit viel Akribie und noch mehr Zeit um den Innenraum bemüht haben. Stundenlang wurden unterschiedlichste Stoff- und Farbmuster für die neuesten Möbelentwürfe und Textilen im Raum ausprobiert. Smargadgrünes Leder, handgewebte Teppiche, Travertin, das noble Furnier aus Markassaebenholz und der Onyxmarmor wurden vom Architekten selbst vor Ort in Paris, resp. der Türkei ausgewählt. Abseits von Schmuck und Ornament, aber auch abseits reiner Zweck- und Preisdiktate schaffen die wenigen Möbel, deren Materialen, Strukturen, Farben, vor allem aber deren edle Provenienz jene Brücke zu schlagen, die zur eigentlichen Wohnatmosphäre führen. Das war Programm und funktioniert. Besonders sichtbar im sonst so strengen Schlafzimmer von Frau Tugendhat, das etwas fraulicher werden sollte mit dem Sessel in kirschrotem Leder und dem Schafwollteppich auf dem Boden.

Modernes Bauen und ausgeklügelte Technik sind heute weit verbreitet. Bewohnbare Raumatmosphären in die formal reduziertesten Gebäude zu zaubern bleibt aber eine große Herausforderung. Gelingen mag es besser ohne Plastik und Gummibaum –  ohne den kurzlebigen Tand der Möbelkaufhäuser. Wert und Material und Handwerk hauchen auch unseren heutigen geradlinigen Räumen Seele ein und sind es wert, im Tageslicht der großen Fenster besonders zur Geltung zu kommen. Und fürs Einrichten wünschten sich auch heutige Bewohner zu Recht einen Innenarchitekten mit dem Zeitbudget aus den frühen 30iger Jahren…

Die Einrichtungstrends 2016

Haptik, Handwerk, Hütchenleuchten. Der Jahreswechsel ist auch immer Anlass zur Trendschau. Üben wir uns also als Trendorakel.

Wohnen spiegelt nicht nur das eigene, sondern auch ein kollektives Gefühl wieder, etwas, das uns alle im Moment bewegt und beschäftigt. An die Gemütlichkeit erinnern wir uns nur mehr vage, vieles ist aus den Fugen geraten, die Welt, wie wir sie kennen Geschichte. Der Innenraum, unsere IMM-cologne-2016_1unmittelbare Umgebung, wird zum guten alten Freund. Ein Bekannter, auf den man vertraut und baut. Formal bedeutet das eine Rückkehr des Retrodesigns. Dieser Stil erinnert uns an die Mitte des letzten Jahrhunderts, an Midcentury  – ein filigraner, materialsparender Stil der Nachkriegszeit.

Nicht verwunderlich, dass jetzt, wo Regionalität und die Sehnsucht nach Übersichtlichkeit in aller Munde ist, sich dies auch im Einrichtungsbereich immer stärker bemerkbar macht. „Goldenes Handwerk“ wirkt vor dem Hintergrund dieser Gefühlslagen noch stärker als die Anziehung der großen Marken. Die größte Kraft bekommt das Produkt durch seine regionale Herkunft. Herkunft und Handwerk lassen jene Individualität zu, die heute der wirklich einzige große Megatrend ist. Schön, dass wir im Alpenraum die besten Handwerker der Welt haben.

Was kommt?

  • Licht, Licht, Licht in alten und neuen Formen. Japanische Papierlampen, Hütchenleuchten, Lichtbänder. Ein Spiel mit Lux und Candela & Kelvin. Gut gesetztes Licht & Schatten gibt dem Raum jenen Zauber, der den Bewohner bei sich und zu Hause ankommen lässt. Wir suchen nach verschiedenen Lichtstimmungen für unterschiedliche Anlässen.
  • Klare, saubere Raumstrukturen, Schattenfugen und Lichtkanten geben Halt und Ordnung, lassen Schweres schweben und geben dem Blick Halt.
  • Wunsch nach einer klaren, sauberen, glänzenden Atmosphäre, geschaffen durch eine Architektur, die technisch auf der Höhe der Zeit ist und alles hergibt, was möglich ist. Dadurch entsteht eine sehr ästhetische Schönheit, nach der wir unbewusst ständig suchen. Die Architektur suggeriert, was wir alles beherrschen, und das gibt uns Sicherheit. Das suchen wir und letztlich zeigt der eigene Wohnraum, was uns fehlt, was uns ergänzt und ausmacht, und wo wir im besten Falle hinwollen. Heute ist alles so kompliziert, dass diese klare, technisch perfekte Schönheit als eine Verheißung einer tollen Welt verstanden wird.
  • Sofas zum Versinken, Lümmeln, geschwungen und mit Funktionen. Das Sofa wird zum „Ipad-Bett“ – Ipad-Lümmeln auf dem Sofa. Das Sofa mit seinen Beimöbeln wird zur Wohnung in der Wohnung.
  • Kleinteilig, Einzelmöbel. Vorbei die Zeiten der komplett in einem Stil verbauten Zimmer. Zum Glück. Jetzt stehen überall diese kleinen Tische und Beimöbel. Unterschiedlichste Sitzgelegenheit, Sitzhöhen, Rastplätze. Die Möbel haben wieder Füße, mehr Füßchen. Wir tarnen die Dinge mit augenscheinlicher Schlichtheit, die jedoch durch kostbare, edle Materialien und Oberflächen den eigentlichen Luxus unserer Zeit widerspiegeln.
  • Buntes Glas, runde Spiegel, Besonderes aus aller Welt und dem ganzen Leben. Solche Accessoires schaffen Identität, Vertraulichkeit und geben von den verschlungenen Wegen der Bewohner vieles preis. Wichtig dabei ist der gestalterische Witz, ein Augenzwinkern, das den Betrachter schmunzeln lässt, den Ernst vertreibt. Das sind auch die kurzlebigen Dinge, die uns im Augenblick belassen und dem Ernst und der Ewigkeit einen optischen Tritt verpassen.
  • Das Dunkelbraun aus lackierter Nuss oder Wenge wird eingerahmt in goldglänzendem Messing und kontrastiert durch Taubenblau. Und dazu das neue Grün in so vielen unterschiedlichen Varianten. Meeresgrün, Grasgrün … Grün in so vielen Varianten, dass es eigentlich schon eigene Farben sind. Besonders wenn es ins gelbliche Grasgrün geht, scheint farblich die Sonne zu lachen, kommt positive Stimmung in den Raum. Aber auch Pastelltöne, die den strengen Möbelentwürfen der mid century classic etwas femininen Ausgleich geben und schon fast keck wirken.
  • Wir treffen wieder auf Ornamente und Muster. Künstlich von Maschinen erzeugt, graphisch an die Popkultur erinnernd, kokettierend mit dem Material – aber auch authentische, handwerkliche aus der Verarbeitung sich ergebende wie Strickmuster.

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Und was bleibt?

IMM-cologne-2016_9Wenn es heißt, der größte Trend ist Wohnen als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, so sollte man diese tatsächlich so stark wie möglich im eigenen Wohnraum abbilden. Weil die eigenen vier Wände, das Dach überm Kopf, nicht nur vor Wind und Schnee, sondern vor den kollektiven Ängsten schützen soll. Daheim ist man am besten bei sich selbst, in sich selbst.

Genau deshalb nützt es vorderhand auch nichts, beim Einrichten gleich handfest funktional zu starten, sondern es ist wichtig, sich zuerst über die eigenen Ansprüche klar zu werden. Diese werden in der Wetscher Wohnstilberatung sichtbar – www.wohnstilberatung.com

Weihnacht & Zuflucht

Ein gutes Zuhause erzählt auch immer die Geschichte seiner Bewohner. Und Weihnachten ist auch die Geschichte der Herbergssuche, diesem fundamentalen Wunsch vom Dach über dem Kopf und Voraussetzung für gemeinsames, teilbares Glück. Dass die eigene Wohnung besonders viel zu erzählen hat, uns in unserer besten Form zeigt, unser Innerstes spiegelt und damit Vertrauen und Sicherheit gibt, dafür arbeiten wir das ganze Jahr. Mit den schönsten und besten Möbeln der Welt, mit Tiroler Handwerkskunst, vor allem aber mit Menschen – unseren Innenarchitekten – die Ihr Bedürfnis von einem Zuhause in Stil und Form zu bringen wissen.

Weihnachten macht dieses Gefühl, diesen allgemeinen Wunsch vom schönen Wohnen, vom eigenen Zuhause, am deutlichsten sichtbar. Das Glück es gefunden zu haben, davon zeugt der Zauber und die Geborgenheit im schönsten Strahlen der Heiligen Nacht. Das zu erleben wünschen wir Ihnen und bedanken uns bei all jenen, die uns in diesem Jahr ihr Vertrauen geschenkt haben, die wir begleiten durften auf dem Wege das schöne Wohnen höchstpersönlich zu finden.

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Unterschiedliche Pole, die verschmelzen

Der Dachboden war immer schon der spannendste, emotionalste Raum hier im Wetscher – da haben wir als Kinder gespielt, Anfang der 70iger zwischen den wahnsinnig modernen Möbeln aus Skandinavien und den alten Sparren und Pfetten, denen man die Herkunft und Last ansieht. Der weite Blick von diesem am Talboden höchsten Gebäude war einzigartig, ungewohnt wie diese Möbel, weit weg vom damals allgemein Geschätzten.  Um den Freisinn und die Unabhängigkeit der Nordländer neben ihren Möbeln weiter zu dramatisieren, war eine finnische Sauna aufgebaut – mit Sanduhr, Steinofen und nackten Schaufensterpuppen. Für uns Kinder ein Paradies, ein kleines Tor, ein Fenster zur großen, weiten und noch verbotenen Welt.

Dieser Dachboden war damit immer schon ein Ort der unterschiedlichen Pole, an dem Individualität und Verbundenheit, die Lust an der Welt und das Bedürfnis uns vor ihr zurückzuziehen, miteinander verschmolzen. Genau hier wurden auch die für unsere eigene Entwicklung zentralen und wichtigsten Ausstellungen inszeniert – die Ikonen der internationalen Möbelwelt kamen vor dem spürbaren Hintergrund unserer regionalen Wurzeln besonders emotional zur Geltung.

Das Wetscher Penthouse spiegelt die Lust an der Welt, aber auch das Bedürfnis uns vor ihr zurückzuziehen.

Das aktuell erweiterte Penthouse atmet diesen Geist auf ganz besonders zeitgemäße Art und Weise. Es bietet höchste kosmopolitische Individualität und erdet diese gleichzeitig mit sinnlich wahrnehmbarer Herkunft – das durch die Vernetzung befeuerte Weltoffene trifft auf die Verbundenheit mit der Heimat, die über die Jahre stetig steigt. Diese Spannung, die uns als Kinder hier immer überkommen hat, die ist geblieben.

Licht und Lampen bestimmen Stimmung und Stil

23. September, Taggleiche. Höchste Zeit, sich sein eigenes Zuhause ins richtige Licht zu stellen. Jetzt, wo die Tage wieder kürzer werden.

Strom, Helligkeit, Farbe, etwas Physik und fremde Begriffe wie Lumen, Lux, Candela & Kelvin– alles nicht so einfach. Wie bitte ist jetzt die Wohnung ins gemütliche Licht gerückt?

Die wirklichen Neuheiten im Innenraum der letzten Jahre sind nicht das Handwerk, die Hölzer oder Möbel, sondern die Lichtquellen und deren Möglichkeiten. LED heißt das Schlagwort und die vielen kleinen Leuchtdioden lassen schwere Kuben schweben, schummrige Ecken an den Kanten erstrahlen und endlich, endlich kommt das Licht in die Schränke und lässt uns grau von blau und schwarz auch ohne Tageslicht im Rücken unterscheiden.

Wie immer sorgt ein viel mehr an Möglichkeiten nicht auch für mehr Klarheit. Wichtig ist beides einzusetzen, das neue technische Licht, meist in die Decken, Wände, Möbel integriert. UND schöne Leuchten. Sie geben dem Raum Stimmung und Stil und sind wichtiger Teil der Innenarchitektur. Oft ist die einfache Form der weißen Kugel oder ein großes leuchtendes Ei die wirklich einzige sinnliche Form im neuen Raum. Zusammen gibt neues und altes Licht eine Stimmung, die bei Sonnenlicht hell und abends ein klein wenig dunkler und „roter“ ist. Zu schalten ganz automatisch mit einem Außenlichtmesser, wie bei der Heizung ein Temperaturfühler, sorgt hier ein künstliches Auge für ein abgestimmtes Licht im Innenraum. Ansonsten rate ich zu so wenig Technik wie möglich: Nicht mehr als 3 Schalter oder Schaltmöglichkeiten pro Raum – kein Mensch nutzt im Alltag wirklich endlos programmierte Lichtstimmungen. Und für den Fall der Fälle habe ich immer ein paar Kerzen zu Hause.

Meine persönlichen Tipps zum Thema Licht & Wohnen:

  1. Planen Sie Licht und Leuchten zusammen mit der Möblierung, am besten sehr früh, damit in Decken und Wände die nötigen Auslässe und Kabel gleich beim Bauen berücksichtigt werden können.
  2. Technisches Licht in Form von LED (light emitting diodes) erwärmt sich nicht, kann in Möbeln und Sockel unsichtbar eingebaut werden, lässt einen Raum moderner wirken und bietet hohen Komfort. Das ist aber nur ein Teil der Beleuchtung. Erhalten Sie sich Ihre schönen alten Luster, kaufen Sie schöne Lampen, die Teil des Raumes und seiner Einrichtung werden. Und diese Lichtquellen darf man auch sehen!
  3. Halten Sie Abstand von zu viel Technik und Steuerung. Kein Mensch nutzt im Alltag wirklich 16 programmierte Lichtstimmungen. Das belastet emotional und überfordert.
  4. Lust auf Rückzug und Romantik? Halten Sie sich für die besonderen Momente in Ihrem Zuhause Kerzen und Kerzengläser ausreichend vorrätig.

Was bedeutet uns die Qualität unseres Handwerks?

Ein Spaziergang in der vergangenen Woche – plötzlich fiel der Blick auf ein am Boden liegendes leeres Nest. Unmittelbar mein Gedanke: „So schön wohnt ein Vogel! Klar, einfach und aus der Leidenschaft entstanden, die wenigen eigenen Möglichkeiten zum höchsten Nutzen zu steigern. Tolles Handwerk!“

Und die Analogie zum eigenen Handwerk, zu unseren unverrückbaren Qualitätsbestrebungen lag im wahrsten Sinne auf der Hand: Fünf Wetscher Generationen legten und legen seit 1912 ihr ganzes Herzblut ins Handwerk und das Unternehmen. Und auch wenn über die Jahre die Werkzeuge und Arbeitsweisen modernisiert wurden, einem ist Wetscher stets treu geblieben: dem Anspruch an meisterliche Qualität, verbunden mit dem Wissen um die Materialien, den Baustoffen der Region, der Geschichte und Tradition. Wie der Vogel, der den Bauplan verinnerlicht, die Augen offen hält, um alles aus der Region zusammenzutragen – für sein perfektes Zuhause. Jedes Handwerk ist seiner Zeit verbunden. Die Kunst ist und bleibt es, sich auf lebendige Aufgaben mit den gegebenen Mitteln einzulassen und dafür einwandfreie, form- und nutzergerechte Lösungen zu finden.

Der Schweizer Architekt Peter Zumthor, selbst gelernter Schreiner, bringt sein Verständnis von Handwerk in einer Festrede so zum Ausdruck: „Zum ersten ist Handwerk immer das, was der Handwerker tut: nämlich das Herstellen von nützlichen Dingen im Sinne einer direkten Antwort auf Bedürfnisse. Weiters ist Handwerk gut gemacht und geht an einen Ort, macht im besten Fall etwas nur für dort. Die Arbeit des Handwerkers ist geplant und durchdacht und schafft Werte für den, der die Dinge herstellt, und für den, der die Dinge nutzt. Handwerk in diesem Sinne verstanden ist Lebensqualität.

Das Wetscher Penthouse – Tiroler Tradition reduziert auf das Wesentliche

2.0 steht heutzutage für die Verbesserung und Weiterentwicklung von bereits bestehendem desselben Namens. Und auch wenn der Begriff inzwischen an allen Fronten zu sehen und zu hören ist und ihm die eine oder andere Abnützungserscheinung droht, so repräsentiert er ab sofort auch bei uns einen Aufbruch in eine neue Ära. Das Wetscher Penthouse 2.0 – das ist unsere neue Ausstellung, die sich ab 9. Oktober über den gesamtem 4. Stock unserer Wohngalerien erstrecken wird. Was wir damit anstreben: Eine gleichsam unverwechselbare Verbindung von modernem und alpinem Wohnen – unsere eigenwillige Interpretation, um die Moderne mit regionalen Wurzeln zu versehen.

wetscher-penthouse_1Auf Schlichtheit fokussiert inszenieren unsere Wetscher Innenarchitekten ein wohnfertiges Gesamtkunstwerk. Im großzügigen Loft verschwinden die klassischen Wohngrenzen, alle Wohnbereiche gehen harmonisch ineinander über. Beim Koch- und Essbereich treffen Maßanfertigungen aus den Wetscher Werkstätten, wie der Wandeinbau und die Kücheninsel, auf internationales Spitzendesign. Auch der offene Essbereich überzeugt durch moderne, klare Formen und büßt nichts an „Tiroler Gemütlichkeit“ ein. Saubere Linien, perfekte Proportionen, klare Details, Schattenfugen, Beton, Naturstein, die Neu-Inszenierung von Holz und viel Platz für ein neues Wohngefühl im Loft: Wir setzen auf die Ästhetik der Einfachheit, die Kunst der bewussten Reduktion und auf qualitätsvolle Details. Denn Minimalismus schafft Klarheit und Authentizität.

Wo sich die Architektur aufs Wesentliche beschränkt, rücken plötzlich andere Dinge in den Vordergrund: die Verwendung hochwertiger Materialien, höchste Verarbeitungsqualität, präzises Tischlerhandwerk aus den eigenen Werkstätten, ein stimmiges Farb- und Lichtkonzept. Vor allem eine durchdachte Planung und umfassende Raumkonzeption der Wetscher Innenarchitektur. Gerade, weil sie jedes Zuviel vermeiden, strahlen minimalistisch konzipierte Räume oft eine beneidenswerte Ruhe und Gelassenheit aus. Und werden damit zu Sehnsuchtsorten, weil sie so unseren meist hektischen Alltag wohltuend entgegentreten.

Von neuen Stilen und alten Bekannten

Die Maison & Objet, die Anfang September zum 20. Mal in Paris stattfand, ist ein wichtiger internationaler Branchentreff für Inneneinrichtung und Dekoration. Im Gegensatz zu den „durchgestylten“ internationalen Möbel- und Einrichtungsmessen in Köln und Mailand zeigte Paris – weltoffen wie immer – eine Vielfalt an Farben, Formen und Strukturen, ein Feuerwerk an Ideen für den Innenraum und vereinte in einer einzigartigen Breite unterschiedliche Welten und Zeiten.

Die Unterschiede dieser Welt werden ganz einfach in den Innenraum gepackt:
Es geht nichts mehr ohne den fernen Osten. Filigranes, Papier, Muster, das Spiel mit Licht und der Luft. Mystische Farben Arabiens vereinen sich mit den heute industriellen Ornamenten Nordafrikas, ein Zauber aus Tausend und einer Nacht. Dazu gesellen sich die kräftigen Farben und unbehandelten Materialien Afrikas.
Und Europa? Sucht sich zwischen opulenter Romantik seiner Vergangenheit und der schlichten Zweckmäßigkeit seines Nordens seinen Platz. Gefunden wird oft die jetzt so chice Funktionalität im Zauber der späten 1940er. „Midcentury classic“ nennt man den Stil, der Lampen und Möbel aus schwarzem Stahlrohr belässt und dessen Raumwirkung an jene einer Industriehalle erinnert. Farblich dominieren alle Schattierungen von Grün. Vorbei sind die Zeiten der beherrschenden Rottöne. Eleganz und Stil kommen durch Braun und Beigetöne wie Camel, Schwarz oder Weiß in den Raum.

von-neuen-stilen_3Und die Muster? Viele neue „Patterns“, Muster und Ornamente, die nordafrikanisch anmuten und damit von gelungener Integration zumindest des formalen Teils des Arabischen oder Islamischen zeugen. Überhaupt gibt es nicht nur alles, sondern auch alles in jedem Material. Und fast scheint es, als ob die Gestalter dieser Welt auf der Suche nach einer neuen „Materialauthentizität“ wären. Die „Naturleute“ üben sich in schlichter Sachlichkeit, wie überhaupt die Skandinavier mit ihrem Hang zu klar, einfach und langlebig sehr, sehr langsam, aber sicher immer mehr werden. Sie formen eine bessere, sozialere Welt –mit klaren Formen und einer sozialen Ästhetik, weil im Einfachen auch immer ein kleinerer Preis liegt als im Opulenten. Die Romantiker unter den Natürlichen belassen die Natur überhaupt so, wie sie ist, und holen Muscheln, Schwemmholz und dergleichen mehr so wie von Natur geschaffen in den Innenraum.

An Möbeln gab es in Paris für uns nichts Neues zu sehen. Die wirklich großen Möbelmarken kommen aus Mitteleuropa: Italien, Österreich, Deutschland. Zumindest bei uns ist man bereit, für den Innenraum viel mehr Geld auszugeben als in Frankreich, England oder Übersee. Auch das Tischlerhandwerk hat in unseren Breiten die höchste Daseinsform. Dies in Kombination mit italienischem Styling und protestantischer Sachlichkeit ist Ausdruck höchster kultureller Form des Innenausbaus oder des Wohnens. Nicht umsonst sitzt Wetscher ja in Tirol.

Was Paris aber zeigte: Die Dekorations- und Gestaltungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie nie und gerade durch diese Stil- und Produktfülle braucht es oft die unterstützende Hand eines Innenarchitekten, um das Passende für seinen individuellen Wohnstil auszuwählen. Einen Wohnraum einzurichten, der die Persönlichkeit seiner Bewohner widerspiegelt – das ist die Stärke und das Ziel unserer Innenarchitekturberatung.

Komme ich nach Hause, wenn ich nachhause komme?

„Der Alltag macht mich fertig!“ Kennen Sie dieses Postulat als Kapitulation vor den Überforderungen einer in sich vernetzten und sich permanent beschleunigenden Welt. Viele reagieren mit Rückzug, mit Abschottung, Erholung und Regeneration – neue Anforderungen an unsere Wohnräume, in denen wir nicht mehr repräsentieren stattdessen mehr und mehr „entstressen“ wollen. In uns wird die Ursehnsucht gefüttert – nach einem Ort, an den wir uns zurückziehen, an dem wir ganz wir selbst sind, bei uns sind, wir uns geborgen und zuhause fühlen.

nach-hause-kommen_1Aber wann machen uns die „eigenen vier Wände“ glücklich, fühlen wir uns aufgehoben, geborgen?

Wenn Sie es nicht schon kennen, sei es Ihnen an dieser Stelle wärmstens empfohlen. Das Buch „Glück und Architektur – Von der Kunst , daheim zuhause zu sein“ von Alain de Botton. Zweifellos ist es so, dass die Dinge und Möbel, mit denen wir uns umgeben, weit mehr von uns wissen, als wir denken. Erinnern Sie sich doch auch an das wunderbare Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Dort heißt es, man sei ein Leben lang verantwortlich für Menschen und Dinge, mit denen wir uns vertraut gemacht haben. Gilt das nicht in höchstem Maße auch für unseren Lebensraum?

Nicht in jeder Wohnung, jedem Haus sind wir die gleichen Menschen. Denken wir nach: Kommen wir wirklich nach Hause, wenn wir nachhause kommen? Entspricht Ihre Umgebung Ihrer Persönlichkeit und fühlen Sie sich als Person wiederum bereichert durch Ihren Lebensraum?

Schön zu wohnen ist Lebensqualität, unabhängig davon, wo man gerade lebt oder mit wem man gerade die Wohnung teilt. Wie das aussieht? Eine Sammlung von Liebgewordenem, Mitbringseln und Möbelklassikern? Lieblingsstücke sind Kraftquellen. Und jedes Einzelne erzählt eine Geschichte. Zusammen ergibt das ein Zuhause, stimuliert die Lebensgeister mit frischer Energie. Und selbstverständlich können wir das Chaos in uns strukturieren entlang der Frage: Was wohnt in uns?

Ich glaube: Nur wer sich selbst kennt, findet sein wahres Zuhause. Genau deshalb empfinden wir uns nicht als Möbelhaus, sondern als sensibler Begleiter in einem ebenso sensiblen Umfeld. Und genau deshalb stellen wir eine umfassende Wohnstilberatung an den Anfang unseres gemeinsamen Denkens über neue Räume.

 

Kinder an die Macht – alles eine Frage der Perspektive

Für uns war es eine Selbstverständlichkeit – für meine Freunde als junge Familie mit kleinen Kindern eine Überraschung. Gerne würden Sie wieder einmal eine Ausstellung besuchen, aber mit Kindern?

kinder-perspektive_1Wir haben mit unseren vier Kindern auch auf Kulturausflüge nicht verzichtet. Unverzichtbare Begleiter waren dabei immer Fotoapparate – jedes Kind konnte seinen individuellen Blick auf das Erlebte hemmungslos ausleben – mit eigenen Fotos, mit eigener Perspektive. Zuhause zusammengefügt zeigte sich immer wieder ein wildes, buntes, völlig unterschiedliches Panoptikum.

Der Perspektivwechsel tut auch zuhause gut. Drücken Sie Ihren Kindern Fotoapparat, iphone etc. in die Hand. Sie sollen Ihre Lieblingsplätze, Gegenstände etc. dokumentieren. Und Sie werden sehen – unterschiedliche Perspektiven, unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Wünsche prägen den Blick auf unseren Lebensraum. Und der Wechsel von Standpunkten tut gut – er legt neue Perspektiven frei, gerade auch im Alltag!

Wenn Stil verbindet – über eine langjährige Freundschaft

„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern“ – diese weisen Worte sollen vom griechischen Philosophen Aristoteles stammen. Ich möchte diese Formulierung gerne auf die Beziehung zwischen Wetscher und Poliform ummünzen: „Freundschaft ist eine Seele in zwei Möbelstücken.“ Eine enge Partnerschaft und tiefe Zuneigung, dieselbe Herangehensweise an das Thema Einrichtung verbindet uns und die italienische Spitzenmarke schon lange.

Mitte Juni durften wir dann eines der größten Poliform-Studios im deutschsprachigen Raum eröffnen und ich konnte Poliform-Exportleiter Andrea Longoni und rund 100 Besucher begrüßen.

wetscher-poliform_2Modernstes Know-how mit altbewährtem Wissen zu vereinen – dieser Ansatz vereint unsere beiden Familienunternehmen. Poliform wurde 1970 nördlich von Mailand als kleiner Handwerksbetrieb gegründet und zählt heute zu den weltweit bedeutendsten Anbietern im Wohn- und Interieurbereich. Seit vier Jahrzehnten besteht die enge Beziehung nun bereits, Poliform-Chef Alberto Spinelli würde bei seinen Österreich-Aufenthalten nie einen Besuch bei Wetscher ausschlagen. Das erfüllt mich schon mit Stolz.

wetscher-poliform_1Poliform ist die „Mutter des Kleiderschranks“, das Unternehmen hat einen ganz anderen Zugang entwickelt – weg von kurzlebig und schnell hin zur Qualität, mit vielen technischen Raffinessen. Die Systemmöbel, also Wohnwände und Schränke, sind geradezu virtuos konstruiert. Innovative Lösungen für jeden Lebensstil, das ist die Prämisse von Poliform und uns gleichermaßen. Höchste Qualität, Design und Komfort stehen im Mittelpunkt – der Wohnraum soll Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sein. Die Freundschaft mit diesem klingenden Namen aus Italien bedeutet für uns vor allem, immer am Puls der aktuellen Entwicklungen zu sein. Bella Italia in Fügen – was kann es Schöneres geben?!

Über Qualität und Atmosphäre – eine nächtliche Wanderung provoziert eine dringende Buchempfehlung

Nach einem langen Arbeitstag fällt der Blick im nächtlichen Dunkel unseres Einrichtungshauses auf die Bilder meiner Großväter- und Vätergeneration. Stolze Gesichter, gehüllt in feine Anzüge, zur Ausfahrt nach Italien fein gemacht. Mimik und Gestik verraten Unsicherheit bekanntes Terrain zu verlassen aber auch die unbändige Lust Neues zu entdecken. Seit ich denken kann bewegte meine Familie die Leidenschaft für Möbel und Wohnen, begab man sich auf die Suche nach den Erfolgsrezepten für gelungenes Einrichten. Das führte zu gemeinsamen Kraftanstrengungen aber auch zu engagierten Kontroversen. Und brachte uns schon vor Generationen mit führenden italienischen Möbelherstellern wie Poliform oder Riva zusammen – familiäre Bande, die bis heute bestehen.

Beim Betrachten der alten Bilder wird mir klar, dass nur das konsequente Streben nach einzigartiger Qualität und unvergesslicher Atmosphäre am Ende Klasse von Masse unterscheidet – den feinen Unterschied ausmacht, der die Suche nach dem stimmigen Raumkonzept beflügelt. Und da fällt mir das kleine Büchlein „Atmosphären“ des Schweizer Architekten Peter Zumthor ein, in dem er vom Klang des Raumes spricht. Das sitzt Zumthor als Bub in der Stube, und er wusste, dass die Mutter mit den Pfannen klapperte. Ein Geräusch, das sich als sinnliche Wahrnehmung in ihm festsetzte.

Was „eine architektonische Atmosphäre wirklich ausmacht“, sagt Peter Zumthor, ist „diese einmalige Dichte und Stimmung, dieses Gefühl von Gegenwart, Wohlbefinden, Stimmigkeit, Schönheit, … in deren Bann ich etwas erlebe und erfahre, was ich in dieser Qualität sonst nicht erleben würde.“ Seine Leidenschaft gilt heute der Erschaffung von Gebäuden mit solchen Wirkungsqualitäten, doch wie lassen sich diese eigentlich erzielen?

In neun kurzen, illustrierten Kapiteln erzählt Peter Zumthor in diesem meinem Lieblingsbuch – gleichsam in Form einer Selbstbeobachtung- was ihn umtreibt, wenn er die Atmosphäre seiner Häuser zu erschaffen versucht. Dabei sind Bilder von Räumen und Bauten, die ihn berühren, ebenso wichtig wie bestimmte Musikstücke oder Bücher, die ihn inspirieren. Von der Komposition und Präsenz der Materialien über den Umgang mit Proportionen bis hin zur Wirkung des Lichts macht diese Architekturpoesie nachvollziehbar, worauf es beim Entwurf von Häusern, von Lebensräumen tatsächlich ankommt.

Als ich das Buch daheim spät abends aus der Hand lege fühle ich mich inspiriert und bestätigt: Der Wohnraum ist die dritte Haut des Menschen. Auch wir sind davon überzeugt, dass sich erst dann ein Wohlgefühl im Wohnraum entwickeln kann, wenn sich die individuelle Persönlichkeit und Lebensphilosophie seiner Bewohner in ihm widerspiegeln. Der Wohnraum wird als schön empfunden, wenn es zu einer persönlichen Entsprechung im Sinne von Stimmigkeit und Authentizität kommt. Genau von dieser Idee ist die Philosophie der Wetscher Innenarchitektur geprägt: Eine Atmosphäre zu schaffen, welche die Werthaltung, das Lebensgefühl des Bewohners klar widerspiegelt und ihm das Gefühl des Angekommen seins suggeriert. Sage mir wie du wohnst und ich sage Dir wer Du bist. Kommen wir diesem Ideal nahe, könnte selbst bei Abwesenheit des Bewohners dieser vor dem geistigen Auge des Besuchers vorstellbar und spürbar werden.

Möbel-Metropole Milano – und alles, was dazu gehört

Vom 14. bis 19. April 2015 entführte der „Salone Internazionale del Mobile“ tausende Besucher in die grenzenlose Welt des Wohnens. Die Möbelmesse in Mailand ist das weltweit größte und wichtigste Designevent dieser Art, rund 300.000 Besucher und 2500 Aussteller waren auch heuer dabei. In Mailand trifft man auf eine handwerkliche und technische Tradition und Geschmoebel-metropole-milano_3icklichkeit, die weltweit ihresgleichen sucht. Nicht jede in feste Form gebrachte Idee muss hier Sinn machen oder jene Funktionalität aufweisen, die für uns nördlich des Brenners so oft die einzig wahre Existenzberechtigung hat. Für mich ist es unabdingbar, immer am neuesten Stand zu sein und den Puls der Branche zu spüren.

Und was gab es nun heuer Neues zu bestaunen? Lassen Sie mich erzählen…
Die eigenen vier Wände dienten in früheren Jahren oft Repräsentationszwecken. Die Raumstimmung ändert sich jedoch mehr und mehr von Stolz und Überlegenheit hin zu etwas mehr Lebensfreude. Wichtig ist, die eigene Persönlichkeit im Wohnraum auszudrücken und das ist wirklich etwas erfreulich Neues. Trends sind das eine, eine Wohnung sollte aber immer individueller Ausdruck des Eigenen sein, damit sie auch zur Kraftquelle und zum Ruhepol werden kann.

moebel-metropole-milano_2Was es aber in Mailand nicht zu sehen gab, waren diese echten, innovativen Neuheiten, wie wir das aus der Unterhaltungs- und Informationsbranche kennen. Nur mehr wenige stechen aus der Masse heraus – zu nennen sind hier beispielsweise die Entwürfe der spanischen Stardesignerin Patricia Urquiola, die für B&B Italia eine neue Outdoorkollektion mit dem Namen Butterfly kreiert hat. Neben B&B Italia prägen große Premiumlieferanten wie Minotti, Poliform und Flexform, die wir seit Jahrzehnten führen, die Branche formal und stilistisch.

Signalfarben braucht es in diesem Jahr nicht, der Trend geht vielmehr in Richtung gedeckte Töne. Farbtupfer gibt es höchstens in Blau, Grün, Senf oder Bronze. Die Texturen und Farben der Stoffe spiegeln die sanften Nuancen wider, die in unterschiedlichen Naturlandschaften zu finden sind. Oberflächen mit besonderer Struktur, welche die Haptik hervorheben, sind im Trend. Überall findet man „Maschinen-Ornamente“, die auf Stoffe aufgedruckt oder geprägt sind, auch klassische Muster aus der Haute Couture wie „Hahnentritt“ sind angesagt.

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Die Entwicklung bewegt sich hin zu mehr Komfort von Möbeln und hochwertigem Handwerk. Verwendet werden oft edelste Materialien wie Marmor oder Messing, die gekonnt gemischt werden. Gemütliche, großzügige und vor allem funktionale Garnituren in bester Verarbeitungsqualität werden zum Must-have. Eleganz mit vordergründigem Luxus steht hoch im Kurs.

Auf der Suche nach dem Stil – entlang der Frage: was wohnt in uns?

Alle kennen das Gefühl – Sie betreten einen Raum, fühlen sich schlagartig wohl, spüren die Menschen, die hier wohnen. Spüren ihre Wünsche, Hoffnungen, Vorstellungen, die sich im Raum spiegeln.

Warum nehmen Menschen unglaubliche Strapazen auf sich, machen Schulden über Jahrzehnte, riskieren oft ihre jungen Beziehungen, um sich dem Traum vom eigenen Heim, den Wunsch vom eigenen Haus zu erfüllen? Und wenn es dann einmal dasteht: macht es seine Eigentümer glücklich? Zeigt sich in den Wohnräumen etwas von ihrer Identität, ihrem Zusammenleben mit Kindern, Partnern, Freunden, Tieren? Erzählt die Wohnung etwas über ihre gesellschaftlichen oder kulturellen Werte? Ist sie ein Spiegel des Innenlebens?

Nur wer seine Wünsche und Werte kennt, findet sein wahres Zuhause. Auf dieser Grundidee basiert die Arbeit des Wiener Architekten und Wohnstilberaters Karl Brugger (1951 – 2009): „Im Fokus stand für mich seit eh und je das Thema Mensch-Raum. Sprich, mit welcher Persönlichkeit habe ich es zu tun und welches wohnliche Umfeld entspricht mir.“

suche-nach-dem-stil_1„Der Stil ist der Mensch“ – Georges Louis Leclerc, Graf von Buffon, sagt in wenigen Worten, was Alfred Loos anhand einer Geschichte über sein Elternhaus ausdrückt: „Jedes Möbel, jedes Ding, jeder Gegenstand erzählte eine Geschichte, die Geschichte der Familie. Die Wohnung war nie fertig. Sie entwickelte sich mit uns, und wir uns in ihr. Wohl war kein Stil drin, kein fremder, kein alter. Aber einen Stil hatte die Wohnung, den Stil ihrer Bewohner, den Stil der Familie.“

Bei der von Wetscher entwickelten Wohnstilberatung rückt der Mensch, seine innere Werthaltung, die sich unmittelbar im Wohnumfeld manifestiert, in den Mittelpunkt. Einrichten beginnt eben nicht bei Möbeln, Trends, Designern, Farben und Materialien – angesichts einer explodierenden Produkt- und Stilfülle beginnt alles im Kern der eigenen Persönlichkeit. Ziel unseres Innenarchitektur-Prozesses ist es, Mensch und zu gestaltende Räume miteinander in Beziehung zu setzen. Und dieser Raum, der zum jeweiligen Individuum passt, wird in einem klar strukturierten Prozess entwickelt.

In diesem Sinne sind wir Archäologen, legen in einem Entwicklungsprozess Schritt für Schritt die authentischen Wohnwünsche frei. Und sind dann zufrieden, wenn wir von unseren Kunden am Schluss hören: „Wir fühlen uns so wohl, weil uns unser neues Zuhause entspricht!“